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Immer alles Bio?

Bild: sxc.hu/Andreas KrappweisImmer alles Bio?

Bio-Produkte haben sich in den letzten Jahren von Nischenware zur gleichwertigen Alternative gegenüber konventionellen Lebensmitteln entwickelt. Verbrauchern ist es zunehmend wichtig, neben ihrer eigenen Gesundheit auch Umwelt und Tier zu schonen. Nicht verwunderlich also, dass inzwischen auch Discount-Ketten eine ganze Reihe an Bio-Produkten im Sortiment haben. Eine begrüßenswerte Entwicklung - doch ist Bio immer so bio, wie man denkt? Kontrollen sind an vielen Stellen nicht so streng, wie sie sein sollten. Und der Bio-Boom ruft sogar das organisierte Verbrechen auf den Plan...

Die letzten Wochen bestimmten Dioxin und PBC die Schlagzeilen. Einmal wieder wiesen Kontrolleure den Giftstoff in bereits ausgelieferten Eiern nach -  unter anderem auch in Rheinland-Pfalz. Für den Menschen sind die geringen Mengen im Normalfall nicht gefährlich, doch zeigen sie, dass in den konventionellen Betrieben trotz mehrerer Zwischenfälle weiterhin zu nachlässig gearbeitet wird.

Gentechnik-Gerichte

So sind die Hersteller konventioneller Eier- oder Fleischprodukte auch ganz ohne die großen Giftstoffskandale in der Kritik, weil ihre Lege- und Schlachttiere mit künstlich veränderter Nahrung gefüttert werden. Die Gentechnik landet somit über zwei Ecken auch wieder auf deutschen Tellern. Das ist inkonsequent und intransparent, weil der Anbau von gentechnisch veränderten Soja-Produkten inzwischen EU-weit untersagt ist. Darunter fällt aber offensichtlich nicht das Soja-Futter von Tieren, deren Eier oder Fleisch letztendlich genauso vom Menschen gegessen werden - für Produkte dieser Art besteht dennoch keine Kennzeichnungspflicht.

Gerade im Zuge solcher Meldungen greift der Großteil der Konsumenten deshalb trotz Aufpreis zu Bio-Produkten. Kennzeichnungspflicht unter Beachtung strenger Richtlinien und europaweit verbindliche Maßstäbe für die Erzeuger sollen für Absicherung sorgen. Doch auch hier gibt es Schwachstellen - die Qualität der Lebensmittel kann nicht immer gewährleistet werden. So wurde zum Beispiel in China aufgedeckt, dass Händler schon des Öfteren gegen einen kleinen "Zuschuss" das Siegel von den zuständigen Behörden ohne Kontrolle erhielten.

Bio-Bande

Offensichtlich ist auch ein so strenges System wie die Bio-Zertifizierung anfälliger, je länger die Produktionsketten werden. Im richtig großen Stil missbrauchte das ein italienischer Fälscherring in den vergangenen Jahren. Das Preisgefälle zwischen biologischer und konventioneller Herstellung nutzte die Bande gnadenlos aus, indem sie konventionell hergestellte Lebensmittel zu den entsprechend niedrigeren Preisen einkaufte - und anschließend ihre in hohen Kreisen angezapfte Kontakte spielen ließen: Chefs großer Lebensmittelkonzerne und sogar auch der Direktor einer unabhängigen Zertifizierungsstelle sorgten - mit den Bandenmitgliedern im Nacken  - dafür, dass ganze 700.000 Tonnen von fälschlich als "Bio" gekennzeichneten Produkten in ganz Europa verkauft wurden. Diese eine Schwachstelle im Distributionsprozess hat gereicht, um der Bande über Jahre hinweg insgesamt 200 Millionen Euro an Einnahmen zu sichern.
 
Auch wenn bei Bio-Betrug letztendlich niemand tatsächlich zu Schaden kommt, ist das eine bedenkliche Entwicklung: Die von der Fälscherbande angewandten Strategien klingen stark nach Mafia. Die "Cosa Nostra" und ihre Ableger bereichern sich seit Jahrzehnten über Schattenmänner und bestochene oder eingeschüchterte Arbeiter in wichtigen Positionen an den Umsätzen, und haben gerade in Italien viele Wirtschaftsbereiche ganz selbstverständlich in der Hand. Und sind jetzt vermutlich auch auf die rasant wachsende Bio-Branche aufmerksam geworden.

Innerdeutsche Siegel haben hohe Verlässlichkeit

Was bedeutet das alles für den Verbraucher? Experten schätzen den Anteil solcher gefälschten Produkte in Deutschland als sehr gering ein. Außerdem gibt es auf Produkten hierzulande ja nicht nur die EU-weite Kennzeichnung, sondern auch Siegel regionaler Verbände, die noch wesentlich strengere Bestimmungen als die EU haben - und dank kürzerer Produktionsketten auch bessere Möglichkeiten, deren Einhaltung zu kontrollieren. Als Konsument ist bewusstes Einkaufen sicherlich trotzdem wichtig - immerhin steht man selbst am Ende dieser Ketten, die Lebensmittel vom Feld zum Regal gehen.

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