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Wie wichtig ist Wissenschaftskommunikation?

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Nie waren seriöse Wissenschaft und verlässliche Fakten so wert voll wie heute.

Kriminelle, Klimaleugner, Kriegspropaganda - im Internet tummeln sich nicht nur freundliche Menschen und friedliche Meinungen. Nie waren seriöse Wissenschaft und verlässliche Fakten so wert voll wie heute. Für viele Forschende ist es aber immer noch Neuland, über ihre Arbeit anschaulich und verständlich zu berichten. Die Klaus Tschira Stiftung hat darum gemeinsam mit Holzbrink Berlin und dem Marsilius Kolleg der Uni Heidelberg eine Gastprofessur für Wissenschaftskommunikation. Campus Reporter Nils Birschmann hat sich das angeschaut:

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Medien und Wissenschaft sind nicht immer die besten Freunde. Klar, ein neuer Impfstoff und Flüge zum Mond machen Schlagzeilen. Die meiste Zeit ist Forschung von Gründlichkeit, Geduld und Komplexität geprägt. Eva Wolfangel kennt beide Seiten. Die Journalistin hat gerade als Gastprofessorin in Heidelberg in Workshops und Vorträgen Wissenschaft Kommunikation vermittelt. „Ich mache ja viel zum Thema Informatik und Robotik. Das ist ein Feld, wo es Expert:innen natürlich schwerfällt, das Thema zu finden, was die Öffentlichkeit interessiert. Deswegen hilft es sehr, wenn man mit den Leuten mal übt zu überlegen ‚Was wäre ein Thema, das ich kommunizieren möchte, wie kann ich das auf den Punkt bringen?‘. Wir haben so Teaser geübt. Im Journalismus nennt man das Küchenzurufe“, so Wolfangel.

Die Kurse waren sofort ausgebucht, der Bedarf ist offenbar groß. Und aus diesem Grund unterstützt die Klaus Tschira Stiftung die Gastprofessur in Heidelberg. Eva Wolfangel hält Wissenschaftskommunikation für unverzichtbar. Sie sollte neben Publikationstätigkeit ein Kriterium für gute Forschung werden. „Man sieht ja auch was für falsche Anreize das sind, dass Publikation der einzige Maßstab ist. Das sind so Sachen, die aufgebauscht sind, um eine Publikation zu kriegen. Und es gibt ganze Konferenzen und Journals, die es nur deshalb gibt, weil es diesen Markt gibt. Das muss sich auf jeden Fall ändern. Ob dann das Kriterium, wie viel kommunizierst du öffentlich dann das Richtige ist, das müsste man dann überlegen. Eine Veröffentlichungszahl ist der falsche Maßstab“, so Wolfangel.

Der Trend ist deutlich: Viele Universitäten verankern die Kommunikation inzwischen direkt im Rektorat. Die Klaus Tschira Stiftung fördert mit vielen Projekten gute Wissenschaftskommunikation. Den Journalismus will die Stiftung damit auf gar keinen Fall überflüssig machen, das ist Professorin Eva Wolfangel wichtig. Wolfangel: „Unsere Rolle ist natürlich kritisch zu sein, zu hinterfragen und einzuordnen. Deswegen finde ich es wichtig, dass in Zukunft Wissenschaftskommunikation über Wissenschaftsjournalismus läuft. Schwerpunktmäßig. Wenn die Wissenschaftler:innen selber Öffentlichkeitsarbeit machen, werden vielleicht mögliche Schwachstellen ignoriert oder nicht betont. Das ist schon wichtig für eine Demokratie“.
 

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Gastprofessur

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