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Wie modern ist die Mathematik?

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Campus-Reporter Nils Birschmann hat nachgefragt, wo Mathematik aktuell stattfindet.

Mathematik gab es irgendwie immer schon. Da war doch was mit Pythagoras und Archimedes, mit Dreiecken und Kreisen im Sand und so. Jedenfalls ist für die meisten Nicht-Mathematiker die Sache mit Mathe durch. Man beherrscht das Rechnen, mehr oder weniger, aber etwas Neues gibt es scheinbar nicht. Dabei ist und bleibt Mathematik Grundlage und Motor für den Fortschritt. Sie verkauft sich nur oft schlecht. Die Klaus Tschira Stiftung will das ändern und fördert Naturwissenschaften, Informatik und ausdrücklich auch Mathematik. Campus-Reporter Nils Birschmann hat nachgefragt, ob Mathe wirklich noch modern ist.

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Mathematik ist in den Köpfen vieler abgehakt. Entdeckungen werden woanders gemacht. Mathe steht für alte Griechen und Algorithmen für autonome Autos. Nicht mal einen Nobelpreis gibt es für die Zahlenwissenschaft - Schlagzeilen schon gar nicht, was die Heidelberger Wissenschaftlerin Anna Wienhard überhaupt nicht nachvollziehen kann. „Viele haben ein falsches Bild von der Mathematik, weil wir in der Schule oft übermittelt bekommen ‚Das ist die Mathematik und die müssen wir lernen‘. Die Mathematik ist ständig damit beschäftigt, nicht nur das, was wir kennen, irgendwo zu beenden oder das zu reproduzieren, was die alten Griechen herausgefunden haben, sondern ist an den Grenzen dessen, was wir wissen, unser Wissen zu erweitern und neue Strukturen zu entdecken“.

Anna Wienhard lehrt an der Uni Heidelberg und ist wissenschaftlicher Vorstand am HLF, dem Heidelberg Heidelberger Laureate Forum. Das ist das Spitzentreffen der weltbesten Mathematiker und Informatiker, ermöglicht von der Klaus Tschira Stiftung. Auf diesen Kongressen geht es um Forschungsthemen wie Künstliche Intelligenz, Quantencomputing oder Kryptographie.

Wenn die Themen rund um die Mathematik so wichtig sind, warum wird die Mathematik denn so missverstanden. An Komplexität und Abstraktheit kann es nicht liegen. Physik und Chemie sind ja auch nicht gerade simple. Professorin Wienhard vermutet andere Gründe: „Es ist sicherlich so, dass Mathematiker nicht dazu neigen, Verkäuferpersönlichkeiten zu sein. Und es ist so, dass die Zeit zwischen den Durchbrüchen, bis sie wirklich in Anwendung sich niederschlagen, durchaus eine gewisse Zeitspanne braucht. Die Mathematik von elliptischen Kurven ist in der theoretischen Mathematik fern von Gedanken an irgendeiner Anwendung entwickelt worden und hat dann Anwendung gefunden, als sich die Leute gefragt haben, wann können wir Informationen verschlüsseln, dass sie nicht leicht von anderen abgegriffen werden können.

Verschlüsseln ist ein gutes Stichwort. Oft wird Mathe zu kryptisch vermittelt. Die Klaus Tschira Stiftung bietet Bildungsangebote mit denen Mathe spielerisch erklärt und entdeckt wird. Denn ohne die Mathematik könnten wir den technischen Fortschritt abhaken.  
 

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