Ottis Weltreise

Sanfte Riesen

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In Weinheim findet man einen der größten Waldbestände an Mammutbäumen außerhalb von Nordamerika

Ein Mammutbaum ist mir nicht genug: Das dachte sich Ende des 19. Jahrhunders der Besitzer des Weinheimer Schlosses Freiherr von Berckheim und ließ gleich hinter dem Schlosspark ein ganzes Waldstück davon anpflanzen. Mittlerweile haben die Riesenbäume eine beeindruckende Höhe von rund 60 Meter erreicht und gehören zu den beliebtesten Zielen im Weinheimer Exotenwald, der neben den Mammutbäume auch noch einige weitere spannende Baumarten zu bieten hat.

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Die heutige Station auf meiner Weltreise durch Baden und die Pfalz ist schon für sich allein genommen so etwas wie eine kleine Weltreise. Denn bei einem Spaziergang durch den Exotenwald im nordbadischen Weinheim kann man Bäume aus allen Herren Ländern entdecken. Rund 150 Baumarten aus fünf Kontinenten sind hier vertreten, besonders bekannt ist der Waldbestand an Mammutbäumen, einer der größten außerhalb von Nordamerika.     

In den Exotenwald gelangt man von mehreren Stellen aus, ich habe mich für den Zugang über den Schlosspark entschieden. Denn hier kann man noch etwas durch die gepflegte und wunderschöne Gartenanlage schlendern, bevor es dann auf einem der ausgeschilderten Rundwege durch den Wald geht.

Meine Erkundungstour führt mich vorbei an Flusszedern, Sicheltannen, Magnolien und dann tauchen sie vor mir auf: Diese majestätischen, sanften Riesenbäume. Seit rund 150 Jahren stehen die Mammutbäume mittlerweile in Weinheim und haben in dieser Zeit eine wahnsinnige Höhe erreicht. Wenn man vom Stamm aus nach oben schaut, denkt man, dass diese Bäume bis zum Himmel reichen. Dabei sind die Mammutbäume hier noch lange nicht ausgewachsen: Bis zu einhundert Meter werden sie noch hoch, also noch einmal 40 Meter mehr als jetzt. Wahnsinn.   

Und da die Urwelt- Mammutbäume und Riesen-Mammutbäume hier nicht nur vereinzelt angepflanzt sind, sondern so weit man schauen kann, fühlt man sich schon fast wie im Giant Forest im Sequoia-Nationalpark in Kalifornien, wo die größten Bäume der Welt beheimatet sind,  zumal sich auch noch andere nordamerikanische Baumarten in diesem Bereich des Exotenwalds befinden. Also hier könnte ich mir auch gut so etwas wie einen "Indian Summer" vorstellen. Sehr zu empfehlen.

 

Mein Geheimtipp: Der Exotenwald bietet nicht nur beeindruckende Bäume, sondern hat auch wunderschöne Aussichtspunkte. Ich empfehle euch, den Weg über das Mausoleum oberhalb des Schlossparks zu nehmen. Dort befindet sich ein kleines Treppchen und wenn man dort nach links schaut, dann hat man durch die Bäume einen tollen Blick auf die Wachenburg und die idyllische Landschaft.   

Von hier aus könnt ihr den Weinheimer Exotenwald mit seinen Mammutbäumen erkunden:
 
Parkplatz am Schlosspark
Lützelsachsener Straße
69469 Weinheim

Wanderparkplatz Exotenwald
Bodelschwinghstraße 
69469 Weinheim

Wissenswertes

Der rund 60 Hektar große Weinheimer Exotenwald grenzt an den im englischen Gartenstil angelegten Schlosspark und beheimatet heute insgesamt 150 verschiedene Baumarten, zum größten Teil aus Asien, Nord- und Südamerika. Hier wachsen unter anderem auch chilenische Andentannen, japanische und nordamerikanische Magnolienbäume oder kalifornische Flusszedern.

Entstanden ist der Weinheimer Exotenwald Ende des 19. Jahrhunderts auf Initiative des damaligen Schlossbesitzers Freiherr Christian Friedrich Gustav von Berckheim. Zu dieser Zeit war es unter den Reichen des Landes Mode, die Parks der eigenen Anwesen mit einzelnen exotischen Bäumen zu bereichern. Von Berckheim ging einen Schritt weiter, er baute am Rande seines Schlossparks ausländische Baumarten gleich in Waldbeständen an.

In der ersten Anbauperiode ab 1872 wurden rund 130 Baumarten nach genau festgelegten Plänen auf 35 Teilflächen und einzelbaumweise entlang der Wege gesät und angepflanzt, insgesamt waren es über 12000 Bäume. Doch nicht alle Pflanzen waren für das Klima in Weinheim geeignet und so verschwanden im Verlauf der Jahre wieder einige der ursprünglich angepflanzten Baumarten. In den 1920er Jahren wurde der Exotenwald dann wieder um weitere Baumarten vor allem aus Japan und Ostasien verstärkt. Das Land Baden-Württemberg erwarb den Wald im Jahr 1955 und erweiterte ihn auf die heutige Größe von 60 Hektar.

Vom Schlosspark Weinheim aus führen drei ausgeschilderte Wege durch den Exotenwald: Der Schwarzkiefern-Rundweg (2,4 km), der Exotenwald-Rundweg (3,1 km) und der Große Rundweg (4,4 km). Diese drei Routen sind auch vom nahegelegenen Wanderparkplatz aus begehbar. Als öffentliches Waldgebiet kann der Exotenwald ganzjährig kostenlos und ohne Zeitbeschränkung erkundet werden.

Dem fachlich interessierten Baumfreund ermöglichen geführte Rundgänge einen vertiefenden Einblick in die Bepflanzung:  Am 02.08., 13.09., und 11.10. werden um 15.00 Uhr öffentliche Führungen zum Preis von 4 Euro pro Person angeboten. Die Mindestteilnehmerzahl beträgt 5 Personen, Treffpunkt ist der Brunnen im kleinen Schlosshof. Für größere Gruppen sind Führungen nach Voranmeldung möglich.
 
 
 
 
 

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