Ermittler hatten auch über die Sendung «Aktenzeichen XY... ungelöst» Hinweise gesucht. (Archivbild)
Markus Lenhardt/dpa
Ermittler hatten auch über die Sendung «Aktenzeichen XY... ungelöst» Hinweise gesucht. (Archivbild)
Verfahren um Kofferleiche

Koffer mit Leiche: Fünf Fakten zum Prozess - und die Fragen

Ein Koffer unter einer Brücke, eine verweste Leiche, ein schweigender Verdächtiger: Zehn Monate nach dem schaurigen Fund in Filderstadt beginnt der Prozess. Was wir wissen – und was rätselhaft ist.

Mitarbeiter des städtischen Bauhofs haben im August vergangenen Jahres in Filderstadt einen Koffer mit einer Frauenleiche entdeckt – versteckt unter einer Brücke nahe eines Spielplatzes. Der Fund in einem ausgetrockneten Bachlauf löste einen der ungewöhnlichsten Kriminalfälle der Region aus. Jetzt, zehn Monate später, sitzt ein Mann auf der Anklagebank des Stuttgarter Landgerichts, von dem sich die Ermittler Antworten auf viele offene Fragen erhoffen.

Die Fakten zum Prozess um die Leiche im Koffer – und die Fragen, die nicht beantwortet sind:

Der Fund

Gefunden wurde die Leiche im Ende August 2025, rund einen Monat nach dem Tod der Frau. Zu diesem Zeitpunkt war der Körper wegen der Sommerhitze bereits stark verwest und teilweise skelettiert. Anwohner hatten den Geruch schon länger wahrgenommen.

Das Opfer

Getötet wurde eine 40 Jahre alte Frau türkischer Herkunft. Das Opfer und der mutmaßliche Täter sollen sich in den Wochen vor der Tat im Stuttgarter Drogenmilieu kennengelernt haben. Die Frau galt seit dem 21. Juli 2025 als vermisst – zuletzt war sie an diesem Tag in Stuttgart gesehen worden.

Die Suche

Nach dem Fund begann das Rätselraten. Wer war die Tote? Und wie starb sie? Die Sonderkommission «Trolley» suchte mit Flyern im Drogen- und Obdachlosenmilieu, der Fall war auch Teil der ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY… ungelöst». Bereits kurz vor der Ausstrahlung ging der entscheidende Hinweis eines Zeugen ein – und der führte die Ermittler direkt zum Beschuldigten.

Der Verdächtige

Der Mann, ebenfalls türkischer Herkunft, ist wegen Totschlags angeklagt, nicht wegen Mordes. Nach seiner Verhaftung hatte er zunächst die Aussage verweigert. Er wird dringend verdächtigt, seine 40-jährige Bekannte in der Zeit zwischen Ende Juli und Anfang August 2025 in seiner Wohnung getötet zu haben. Wie die Frau ums Leben kam, ist laut der Staatsanwaltschaft Stuttgart unklar.

Das Verfahren

Die 1. Große Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts hat bislang insgesamt acht Verhandlungstage geplant. Mit einem Urteil wäre dann am 23. Juli zu rechnen.

Die Fragen

Ermittler und Anklage hoffen ebenso wie die Angehörigen, dass durch das Verfahren einige der offenen Fragen beantwortet werden können. Was geschah in jener Wohnung? Wie starb die Frau – und warum? Auch die Frage, ob die Tat geplant oder spontan war, ist offen – und dürfte am Ende über das Strafmaß entscheiden.

Die Erinnerung

Der Fund von Filderstadt erinnert an den Fall von zwei Stuttgarter Kofferleichen aus dem Jahr 2014. Im Alkoholrausch waren ein Mann und eine Frau von ihrem Zechkumpanen umgebracht worden. Der Täter, damals 48 Jahre alt, war zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Auch damals war die Suche lange erfolglos geblieben – bis eine DNA-Spur die Polizei zu ihm führte.

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