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Am 19. Dezember 1968 begann der Bau der A6

Die A6 wird 50 - Ein Rückblick über die Jahre der Autobahn

An Spitzentagen donnern bis zu 95.000 Fahrzeuge über den Asphalt der A6 hinweg, bringen Güter von Ost nach West wie umgekehrt: Die Autobahn gilt als eine der am stärksten belasteten Bundesfernstraßen. Nun wird die Autobahn ganze 50 Jahre alt. Hier ein Rückblick der letzten 50 Jahre der A6.

Die Geschichte der A6

Von 1964 bis 1968 war die A6 zwischen Mannheim und Heilbronn als so genannte „Neckarlinie“ bekannt. Denn der nördliche Teil Baden-Württembergs war verkehrsmäßig schlecht erschlossen. „Mit dem Bau der Autobahn sollte das geändert werden“, erzählt uns Michael Endres, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei ViA6West GmbH & Co KG.

Die Autobahn 8 wurde in mehreren Abschnitten gebaut: Mannheim – Schwetzingen – Walldorf, dann Walldorf – Sinsheim, Steinsfurt – Heilbronn. Der Lückenschluss Sinsheim – Steinsfurt wurde erst etwas später eingerichtet. Hier mussten mit einem größeren Brückenzug die Bahnlinie und das Elsenztal überbrückt werden. Der Vorteil damals: Die A6 konnte auf der grünen Wiese gebaut werden – heute muss unter laufendem Verkehr gearbeitet werden.

Apropos Verkehr: Konzipiert wurde die A6 für maximal 60.000 Fahrzeuge in 24 Stunden, heute sind es zu Spitzenzeiten 115.000 Fahrzeuge/24 Stunden

bestätigt Michael Endres.

Das aufwändige Projekt hat damals 585 Millionen D-Mark – das sind nach heutigen Verhältnissen rund 1,2 Milliarden Euro. Die Verhältnisse haben sich seither allerdings auch stark verändert: Der Vorarbeiter hat zu dieser Zeit einen Stundenlohn von 2,50 D-Mark gehabt, die Kugel Eis war für 10 Pfennig zu haben, der Liter Heizöl kostete sieben Pfennig, der Liter Benzin 54 Pfennig – also etwa 28 Cent. Durch den Bau der A6 haben vor allem Spargelbauer bei Schwetzingen viele Anbauflächen verloren – sie erhielten eine Entschädigung von zwei D-Mark pro 100 m2.

Meilenstein bei der A6 war der Lückenschluss Richtung Osten – mit der Kochertalbrücke, die 1981 fertiggestellt wurde, gab es die durchgehende „Via Carolina“ von Mannheim bis Nürnberg.

Seit der Öffnung des Ostens ab 1990 hat sich die Verkehrslage der A6 drastisch entwickelt. Mittlerweile gehört die A6 zu der wichtigsten Ost-West-Route. Das bedeutet auch: Zwischen Mannheim und Heilbronn sind pro Tag bis zu 30.000 LKW unterwegs. Würde man diese allem hintereinander aufreihen, würde das die Strecke Mannheim – Hamburg, oder Mannheim – Mailand ergeben!

Der Flugplatz der A6

Eine Besonderheit an der A6 war übrigens die sogenannte Notlandebahn zwischen Steinsfurt und Bad Rappenau – ein 2,7 km langes kerzengerades Stück der A6, das für das Militär gedacht war. Die Landebahn existierte bis 2010, dabei konnte die A6 innerhalb von 24 Stunden zu einem Flugplatz umgebaut werden, denn die Mittelleitplanken waren auf diesem Abschnitt nur gesteckt. Durch diesen Flugplatz sollten Ludwigshafen, Mannheim, Karlsruhe und Frankfurt vor feindlichen Bombern gesichert werden – der Kalte Krieg hat hier deutlich seine Spuren hinterlassen.  

Die Leitstelle des Flugplatzes ist bei uns in der ehemaligen Autobahnmeisterei (Schwarzwaldstraße) – ein richtiger Führungsbunker. Hier wären im Verteidigungsfall bis zu acht Personen für mehrere Tage gewesen, um mit dem Verteidigungsministerium auf der Hardthöhe den Kontakt aufrecht zu erhalten“, erzählt uns der Presseleiter weiter.

Die Todesstrecke A6
Die A6 ist des Öfteren unser Sorgenkind. Nicht umsonst wird sie als „Todestrecke“ oder „Achse des Bösen“ bezeichnet. Denn auf keiner anderen Hauptverkehrsstrecke gibt es so viel LKW-Verkehr wie auf dieser Autobahn zwischen dem Walldorfer und dem Weinsberger Kreuz. Das steigert allerdings auch zwangsläufig die Unfallhäufigkeit und den dementsprechenden Feuerwehreinsätzen.

Die Feuerwehr Sinsheim betreut die Teilstrecke zwischen Sinsheim und der Anschlussstelle Bad Rappenau in östlicher Richtung und bis Wiesloch/Rauenberg in westlicher Richtung – insgesamt sind das 59 Kilometer der A6. Im Buch „150 Jahre Feuerwehr Sinsheim“ hat Presseleiter der ViA6West GmbH & Co KG, Michael Endres, der A6 ein eigenes Kapitel gewidmet, zu den vielen Vorfällen auf der Strecke.

Wie er berichtet, habe es in der Vergangenheit schon mehrfach spektakuläre Einsätze, viele Schwerverletzte und Tote gegeben. „Zwischen 1985 und 2017 kamen auf dem 29,5 Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Wiesloch/Rauenberg und Bad Rappenau 126 Menschen ums Leben.“ Die Unfälle auf dieser Strecke haben die Rettungskräfte auch immer wieder vor besondere Herausforderungen gestellt: Denn mehrfach gab es hier Gefahrgutalarm. „Vom toxischen Toluol bis zum Umweltgift Resoplan Cat oder dem hoch gefährlichen und Krebs erregenden Stoff Dimethylbenzol Xylol ergoss sich über die Fahrbahn – stundenlange Vollsperrungen waren die Folgen.“

Ciao Stau!

Gute Nachrichten gibt es allerdings für alle Pendler auf der A6: Seit Mitte November ist eine Mega-Baustelle auf der Autobahn weg. Nämlich die zwischen Sinsheim und Wiesloch/Rauenberg. Die Teilstrecke ist jetzt dreispurig, breiter und mit neuem Flüsterbelag. Der besondere Belag schluckt Geräusche und Schall. Weitere Infos findest Du hier.