Adler Mannheim

Holzer: „Das Mentale hat viel Gewicht“

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Holzer: „Das Mentale hat viel Gewicht“

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Mit Korbinian Holzer haben die Adler Mannheim einen körperlich robusten Verteidiger für die kommenden beiden Spielzeiten unter Vertrag genommen. Im Interview spricht der 33-jährige Münchner unter anderem über seine Zeit in der KHL und die Herausforderungen in Nordamerika.

Korbinian, zunächst die Frage nach deiner Gesundheit. Wie bist du durch das vergangene Jahr mit Corona gekommen?

Ich hatte mich in der Anfangszeit in Russland mit Corona infiziert, habe aber alles gut überstanden. Ich hatte kein Fieber, nur etwas Husten und Schnupfen. Es lief eher glimpflich ab. Natürlich war und ist es keine einfache Zeit, aber im Großen und Ganzen bin ich bisher ganz gut durch die vergangenen Monate gekommen.

Du befindest dich aktuell mit der deutschen Nationalmannschaft zur WM-Vorbereitung in Nürnberg. Wie läuft´s?

Langsam haben wir den finalen WM-Kader zusammen, mit dem 2:0-Erfolg über Weißrussland hatten wir zuletzt auch ein Erfolgserlebnis. Das System sitzt immer besser, wir entwickeln uns stetig weiter. Die Vorfreude wächst. Natürlich wird dieses Jahr alles etwas anders sein. Das Flair wird sicher etwas fehlen. Aber nach wie vor müssen wir froh sein, dass wir überhaupt eine Weltmeisterschaft austragen dürfen. Man hat sich zu großen Teilen an die Umstände mit Bubble und Kontaktbeschränkungen gewöhnt, und es wird sicher auch Möglichkeiten geben, innerhalb der Bubble seinen Spaß zu haben.

Wie schätzt du die Chancen für die deutsche Auswahl ein?

Ich denke, dass sich unsere Truppe sehen lassen kann, wir eine gute Mischung beieinanderhaben. Das Ziel lautet Viertelfinale, aber wir hätten nichts dagegen, auch den nächsten Schritt zu gehen. Bei der WM in der Slowakei waren wir nah dran am Halbfinale. Ich bin sicher, dass es auf jeden Fall eine enge WM wird.

Sprechen wir über die Adler. Wie und wann kam der Kontakt mit Mannheim zustande?

Das erste, lose Gespräch gab es etwa am Anfang des Jahres. Als meine Saison in Russland beendet war, wurde der Kontakt intensiver, und dann ist es recht schnell gegangen. Das Gesamtpaket hat letztlich den Ausschlag gegeben. Die Adler haben sich sehr um mich bemüht, das starke Interesse war von Beginn an zu spüren. In den Gesprächen hat mir Jan-Axel Alavaara die Perspektiven aufgezeigt, mir mitgeteilt, in welche Richtung es künftig gehen soll. Dass auch so viele jüngere Spieler nachkommen und integriert werden sollen, klang für mich ebenfalls sehr spannend. Zudem haben die Adler eine lange Tradition, spielen immer um den Titel. Es ist auch der Anspruch des Clubs, Jahr für Jahr Meister zu werden. Genauso habe ich den Anspruch, immer das Maximum aus mir und der Saison herauszuholen.

Du hast es bereits angesprochen, zuletzt standest du für den russischen KHL-Vertreter Avtomobilist Yekaterinburg auf dem Eis. Welche Erfahrungen hast du dort gemacht?

Ich hatte mir im Vorfeld einige Informationen zur Stadt, der Organisation und der Liga eingeholt, und ich kann nichts Negatives berichten. Ich hatte viel Spaß, das Niveau ist gut und auch die Reiserei war nicht allzu anstrengend. Ich hatte eine wichtige Rolle im Team inne. Einzig das Wetter war ziemlich kalt.

Vor der KHL warst du viele Jahre in Nordamerika, hast dort sowohl in der NHL als auch der AHL gespielt. Wie geht man mental damit um, immer mal wieder zwischen den Ligen hin und her geschickt zu werden?

Das Mentale hat in Nordamerika schon ein großes Gewicht. Man ist eben nur einer von vielen wirklich sehr guten Spielern. Die Konkurrenz ist groß, schon von Tag eins an. Rückschläge gehören einfach dazu. Es ist wichtig, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die man beeinflussen kann, und das ist die eigene Leistung auf dem Eis. Es wird immer wieder Entscheidungen geben, die man nicht unbedingt nachvollziehen kann. Wenn man sich damit aber zu sehr beschäftigt, ist das kontraproduktiv. Man darf einfach nie zu hoch fliegen und sich nie zu tief runterziehen lassen.

Du warst in Toronto, Anaheim und Nashville. Wo hat es dir am besten gefallen?

Alle drei Standorte hatten ihre Vorzüge. Toronto ist eine wunderschöne Stadt, eishockeyverrückt, zählt zu den Gründungsmitgliedern der NHL, ist traditionsreich. Außerdem wurde meine Tochter dort geboren. Anaheim hat einen unglaublichen Lifestyle. In Kalifornien scheint fast jeden Tag die Sonne, da entsteht eine natürliche Lockerheit. Rund um den Club herrscht eher Ruhe, du kannst recht entspannt mit Situationen umgehen, in denen es mal nicht so gut läuft. In Nashville war ich aufgrund von Corona nur recht kurz. Aber auch dort hat sich Eishockey stark entwickelt. Der Fanzuspruch ist groß und in der Halle wird es gerne mal laut.

Du giltst als physischer, mannschaftsdienlicher Verteidiger. Stimmt das?

Mein Hauptaugenmerk liegt sicher auf der Defensive, und ich denke schon, dass ich mich als zweikampfstark bezeichnen kann. Das Unterzahlspiel gehört sicher zu meinen Stärken, aber ich versuche auch, mich bei passenden Gelegenheiten in die Offensive miteinzuschalten. Ich verliere sehr ungern und gebe daher immer vollen Einsatz.

Und was bist du privat für ein Typ Mensch?

Ich bin eher der lockere Typ, mach gerne mal ein Späßchen und nehme mich selbst nicht so ernst. Dazu gesellt sich die bayerische Gemütlichkeit und etwas Sarkasmus. Und natürlich schlägt mein Herz für 1860 München.

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