Adler Mannheim

Szwarz: „Versuche, mit Stolz für meinen Club zu spielen“

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Szwarz: „Versuche, mit Stolz für meinen Club zu spielen“

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Jordan Szwarz ist einer von bislang sieben Neuzugängen bei den Adlern. Der variabel einsetzbare Angreifer stand zuletzt bei Torpedo Nizhny Novgorod unter Vertrag und brachte es in 53 KHL-Partien auf stolze 27 Scorerpunkte. Im Interview spricht der 30-jährige Kanadier unter anderem über die Herausforderung NHL und sein erstes Jahr außerhalb Nordamerikas.

Jordan, wie geht’s dir? Wie bist du bislang durch die Pandemie gekommen?

Leider ist hier in Kanada noch immer vieles geschlossen. Erst ganz langsam werden ein paar Lockerungen umgesetzt. Ich kann aber zumindest ein paar Mal in der Woche zum Golfen gehen. Auch mein Sommertraining konnte ich regulär aufnehmen, und sehr wahrscheinlich werde ich ab nächster Woche auch wieder mit ein paar Jungs auf dem Eis stehen.

Gerade von Sportlern wurde in den vergangenen Monaten eine Menge Disziplin verlangt. Was war für dich die größte Herausforderung in dieser Pandemie?

Der Großteil der Maßnahmen bereitet mir keine Probleme, ich habe auch großes Verständnis für die Regelungen, schließlich geht es um die Gesundheit der Menschen. Die größte Herausforderung ist sicher die viele Zeit Zuhause, die wenigen Optionen, die man für die Freizeitgestaltung hat. Entsprechend musste man sich alternative Lösungen suchen und einen Weg finden, motiviert zu bleiben.

27 Punkte in deiner ersten und vorerst letzten Saison in der KHL sind keine schlechte Ausbeute. Mit welchen Erinnerungen blickst du auf deine Zeit in Russland zurück?

Nach einem etwas schleppenden Start hatte ich ein gutes Jahr. Ich hatte mich zu Beginn mit Corona infiziert und habe rund sechs Wochen gebraucht, bis ich wieder voll bei Kräften war. Danach hat sich aber alles positiv entwickelt. Es war gleichzeitig auch das erste Mal, dass ich außerhalb Nordamerikas gespielt habe, und mit Russland hatte ich mir gleich ein kulturell sehr verschiedenes Land ausgesucht.

Wie würdest du die Spielweise in der KHL beschreiben?

Die russischen Teams sind in der Tiefe vielleicht etwas talentierter als die nordamerikanischen. Entsprechend ist das Niveau sehr hoch. Es wird viel Wert auf die Offensive und das Läuferische gelegt.

Warum hast du dich nach nur einem Jahr in Novgorod für einen Wechsel nach Mannheim entschieden?

Nach dem erfolgreichen Jahr in Russland habe ich entschieden, weitere Erfahrungen fern der Heimat sammeln zu wollen. Allerdings mit einem Szenenwechsel. Meine Freundin konnte im vergangenen Jahr nicht mit nach Russland, das ist in Mannheim zum Glück wieder möglich. Auch sonst habe ich die positive Entwicklung des deutschen Eishockeys und der DEL verfolgt. Daher bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass die Adler eine gute Adresse für mich sind. Ich bin in einer Phase meiner Karriere, in der ich gerne eine Meisterschaft gewinnen möchte. Die Chancen bei den Adlern stehen dafür gut.

Der Adler-Kader ist mit einigen namhaften Spielern gespickt. Wen kennst du denn schon aus dem Team?

Ich habe mit Matthias Plachta ein Jahr in Springfield zusammengespielt. Ich stand mit ihm immer mal wieder in Kontakt und habe mich bei ihm auch über die Adler erkundigt. Ansonsten kenne ich – um ehrlich zu sein – nicht viele, einige Namen sind mir aber ein Begriff.

Du hast viele Jahre in Nordamerika gespielt, warst seit 2011 kontinuierlich im Dunstkreis der NHL. Warum war es für dich so schwer, in der besten Liga der Welt Fuß zu fassen?

Die NHL ist eine extrem gute Liga, und es gibt meist nicht viele Gelegenheiten, um den Sprung zu schaffen. Du musst auch schon sehr hart arbeiten, um überhaupt diese eine Gelegenheit zu bekommen. Ich hatte ehrlicherweise zu Beginn meiner Karriere ein paar Probleme, konstant auf einem guten Niveau zu spielen. Auch in meinen Körper habe ich nicht genug investiert, hatte dadurch immer mal wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Nach ein paar Jahren habe ich mich zu einem sehr stabilen AHL-Spieler entwickelt, konnte diese Leistung aber nicht eins zu eins in der NHL umsetzen.

Nichtsdestotrotz hast du mit großen Spielern wie beispielsweise Pastrnak und Bergeron zusammengespielt. Was kann man von solchen Jungs lernen?

Ich bin auch sehr froh über die Spiele, die ich in der NHL machen durfte. Die kann mir keiner mehr nehmen, und die gemachten Erfahrungen waren und sind immer noch wichtig für mich. Die angesprochenen Jungs zeigen dir einfach in jeder Minute, wieviel Einsatz es immer wieder aufs Neue braucht. Egal, ob Spiel oder Training – sie arbeiten stets bis zum Umfallen.

Wenn man sich deine Vita anschaut, stellt man schnell fest, dass du in einigen Spielzeiten Kapitän oder Assistent warst. Nicht wenige sehen in dir einen Leader, würdest du dich selbst auch als Führungsspieler bezeichnen?

Ich glaube, da spielt Erfahrung eine wichtige Rolle. Während meiner Zeit in der AHL bin ich nach und nach die Leiter hochgeklettert, habe mich Schritt für Schritt zu einem Führungsspieler entwickelt. Ich versuche, mit Stolz für meinen Club zu spielen und diese Einstellung und meine Erfahrung an jüngere Spieler weiterzugeben.

Was können denn unsere Fans noch von Jordan Szwarz erwarten?

Ich gebe immer alles, gehe wenn nötig voran und setze das Team an erster Stelle. Ich sehe mich auch defensiv in der Verantwortung.

Am Sonntag ist die WM zu Ende gegangenen. Dank der DEB-Auswahl ist Kanada überhaupt ins Viertelfinale gekommen und letztlich Weltmeister geworden. Wie hast du die Auftritte der deutschen Nationalmannschaft wahrgenommen?

Ich habe das eine oder andere Spiel gesehen und war sehr angetan. Wenn ich es richtig umrissen habe, waren sechs oder sieben Adler-Spieler bei der WM, was extrem stark ist. Das deutsche Eishockey entwickelt sich seit ein paar Jahren absolut in die richtige Richtung.

 

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