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Rocknews

Zwei Jahre nach dem Tod von Prince: Tribute Gitarre aus Deidesheim

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Zum zweiten Todestag des Ausnahmekünstlers erinnert sich der Deidesheimer Gitarrenbauer Jens Ritter

Im beschaulichen Deidesheim an der Weinstraße lebt Jens Ritter und baut für Weltstars Gitarren und Bässe - einer seiner wichtigsten Kunden war Prince

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Er nimmt Kristalle, pures Gold, teures Platin oder Hölzer, die noch nie ein Instrumentenbauer vor ihm verarbeitet hat: Jens Ritter ist mit seinen außergewöhnlichen Gitarren und Bässen weltberühmt geworden. Einfach so, aus dem beschaulichen Deidesheim an der Weinstraße raus gehen die handgebauten Unikate zum Who is who der internationalen Musikwelt. Welcher Rock-Liebhaber würde nicht gerne in Jens Ritters Kundenkartei blättern? Darin stehen Namen wie Madonna und Pink. Und ein ganz besonderer Musiker ist da auch zu finden: Prince. Vor zwei Jahren starb der Ausnahmekünstler. Am Abend des 14. April 2016 absolvierte Prince zwei Live-Konzerte in Atlanta, auf dem Heimflug am folgenden Tag verlor er das Bewusstsein. Sein Privatjet landete im US-Bundesstaat Illinois und Prince wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Er hatte eine Medikamenten-Überdosis im Blut. Am 21. April 2016 wurde Prince in seinem Paisley Park Studio im US-Bundesstaat Minnesota in einem Fahrstuhl von seiner persönlichen Assistentin leblos aufgefunden. Der Versuch ihn wiederzubeleben blieb erfolglos und Prince wurde um 10:07 Uhr Ortszeit im Alter von 57 Jahren für tot erklärt.

Entsetzen in Deidesheim

Wenige Stunden später las Jens Ritter einen Social Media-Artikel über das überraschende Ableben von Prince. "Der hat´s einfach drauf, was für ein geiler PR-Gag", dachte sich Ritter zunächst. Dann erhielt er einen Anruf von Prince Bassist. "Das war unglaublich traurig und wenn ich mich daran erinnere ist das immer noch so emotional für mich". Denn nur zwei Tage später hätte er wieder mit Prince gesprochen: der wollte nämlich einen neuen Gitarren-Entwurf von dem Deidesheimer.

Ein Anruf am Milchregal

Jens Ritter wird nie vergessen, wie es mit ihm und Superstar Prince losging. Ritter war gerade in einem Supermarkt in Los Angeles, hatte gerade wieder ein Mal beruflich in den USA zu tun. Während er die richtige Milch aussuchte, klingelte sein Handy. Am anderen Ende der Leitung: Prince Assistent, der ihm genaue Vorgaben vorlas, nach denen Ritter seine erste Gitarre für Prince bauen sollte. "Ich hab alles auf einen alten Kassenzettel gekritzelt, den ich auf dem Fußboden gefunden hab. Den hab ich auch glaub ich jetzt noch", grinst Ritter verschmitzt.

Was lange währt, wird endlich gut

Ganze drei Mal verschwitzt Ritter die Deadline, denn er wollte, dass die Gitarre für Prince einfach perfekt wird. Nicht leicht bei solchen Ansprüchen: das gute Stück sollte in großen Teilen mit purem Platin verziert und mit echten Diamanten bestückt sein. "Dann hat er sich sogar ein älteres Modell von mir bei Ebay bestellt. Ich weiß gar nicht, was er mir damit sagen wollte", lacht Ritter. Dann überbrachte er die Gitarre selbst in die USA. Prince, der mit bürgerlichem Namen Prince Rogers Nelson hieß, öffnete den Deckel des Gitarrenkoffers und Jens Ritter wartete zunächst vergeblich auf eine Reaktion. "Er sagte nichts. Er starrte die Gitarre nur an. Dann drehte er ganz langsam den Kopf und ein kleines, verschmitztes Lächeln huschte über sein Gesicht", Jens Ritter ist komplett in seinen Erinnerungen an den amerikanischen Musiker, wenn er davon erzählt. Denn Prince hat ihn nicht nur als Musiker oder Kunde beeindruckt. "Er war ein unglaublicher Geschäftsmann, immer zu hundert Prozent professionell. Er hat mir wesentlich mehr mitgegeben, als ich mir lange selbst eingestanden hab". Dann wird der Deidesheimer nachdenklich. Er erinnert sich an ein besonders intensives Gepräch mit dem Prince.

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20180419_162312.jpg, by praktikant

Erst haben wir geweint, dann ging er auf die Bühne und war wieder diese arrogante Diva, wie man ihn kennt

"Wir haben beide etwas sehr Negatives erlebt, dass uns verbunden hat. Er war überraschend offen. Und sehr emotional. Wir haben beide geweint. Dann ist er auf die Bühne und war einfach arrogante Diva, die er auf der Bühne dargestellt hat. Einfach perfekt". So perfekt, wie Jens Ritters Gitarren. Das Exemplar, das noch in Planung war, als Prince plötzlich starb, liegt immer noch als Entwurf in Ritters Schublade. "Ich weiß noch nicht, ob ich das irgendwann schaffe, sie fertig zu machen", sagt der Deidesheimer. Aber stattdessen hat er eine Tribute Gitarre für Prince gemacht, die mit 11.000 violetten Swarowksi-Kristallen besetzt ist. Er nannte sie "Purple rain" nach dem Song von Prince, der ihn am meisten berührt - bis heute. Im Video unten wird diese besondere Gitarre von dem gebürtigen Heilbronner Michael "Kosho" Koschorreck gespielt, der auch mit den Söhnen Mannheims arbeitet. Die Gitarre war übrigens innerhalb von zwei Stunden weg vom Markt.
 

 

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