Nichts mehr verpassen! Jetzt für Benachrichtigungen registrieren und die wichtigsten Nachrichten als erstes bekommen.

Lädt ...
Was sind Benachrichtigungen? Radio Regenbogen verschickt Benachrichtigungen, wie man sie von Apps auf dem Smartphone kennt. Wir informieren damit über aktuelle Ereignisse in Deutschland und der Welt direkt nachdem sie passieren.
Heute keine Lust? Kein Problem, einfach das Fenster schließen - wir fragen nach einer Weile nochmal!
Rocknews

Woodstock: Die 10 größten Mythen des legendären Festivals

Anzeige

Woodstock wird dieses Jahr am 15. August 50! In der Woodstock Woche bei REGENBOGEN ZWEI klären wir für euch 10 Mythen, des legendären Musikfestivals aus dem Jahre 1969. Wir klären was vor, währenddessen und nach Woodstock tatsächlich war und nennen die Fakten! Denn der Mythos um das Woodstock-Festival hält sich hartnäckig, hat mit der Realität aber nicht mehr ganz so viel zu tun.

Anzeige

Woodstock ist bis heute noch ein Begriff, mit dem viele eins verbinden: Hippies. Genauer gesagt friedliche, grasrauchende und langhaarige mit Blumen im Haar verzierte-Hippies. Auf einem ebenso friedlichen, legendären und mythischen Musikfestival, das in die Geschichte einging. Doch nicht alles, was man über das Woodstock gehört oder gelesen hat, ist wahr. Es entstand der Mythos „Woodstock“. Und das schon vor Film und Dreifach-Album – tatsächlich begann der Mythos schon währenddessen! Wir klären auf, was damals tatsächlich 3 Tage lang auf dem Festivalgelände passierte.

1. Das legendäre Festival fand in Woodstock statt.

Das stimmt so nicht ganz. Eigentlich war es tatsächlich der Plan, das Festival in Woodstock im Bundesstaat New York stattfinden zu lassen. Allerdings haben die Anwohner protestiert, da sie keine so große Veranstaltung bei sich dulden wollten. Deswegen mussten die Veranstalter sich etwas Neues suchen. Nachdem es auch bei der zweiten Stadt Protest gab, wurden die Veranstalter in der Gemeinde White Lake in Bethel fündig – wohlgemerkt erst einen Monat vor Festivalbeginn. Der Ort hatte gerademal 2366 Einwohner. Dort wurde für 50.000 Dollar ein Landstück des Bauerns Max Yasgur gemietet. Auch hier gab es Protest, der sogar so weit ging, dass die Anwohner dazu aufriefen, die Milch des Bauern zu boykottieren. Trotzdem bekamen die Veranstalter von der Gemeindeverwaltung grünes Licht. Das Feld war groß, idyllischer als das in Woodstock und war eine Art natürliches Amphitheater.

2. Auf dem Woodstock-Festival traten die größten Stars der 60er-Jahre auf.

Die tatsächlichen Stars dieser Zeit kamen nicht auf das Festival: Die Beatles, Bob Dylan, Rolling Stones, Pink Floyd, The Beach Boys, The Doors oder Elvis, keiner von ihnen stand auf der Bühne. Die größten Musiker die da waren, waren damals Jimi Hendrix und The Who. Santana waren damals noch recht unbekannt. Der Auftritt beim Woodstock gilt aber als Startschuss für ihre erfolgreiche Karriere!

3. Jimi Hendrix war der absolute Höhepunkt des Festivals.

Jimi Hendrix wurde zwar vertraglich zugesichert, dass er der Headliner sei und ganz am Ende spielen dürfe, aber durch ein Unwetter samt Tornado verzögerte sich sein Auftritt weit nach hinten. Erst Montagmorgen am 18. August 1969 kam Jimi Hendrix morgens auf die Bühne. Durch diese Verzögerung und das Unwetter waren aber von den einstigen (geschätzt) 400.000 Leuten, nur noch 40.000 vor der Bühne. Somit waren die meisten Festivalbesucher bereits abgereist, während Jimi sein Können am Sechssaiter zum Besten gab! 

4. Auf dem Woodstock herrschte ein unkommerzieller Geist.

Schon damals wollten Veranstalter durch Festivals natürlich auch Umsatz machen. Auf dem Woodstock traten die meisten Musiker auch nur gegen eine Gage auf. Einige machten auch keinen Hel daraus, dass lediglich ihr kommerzielles Interesse sie hier auf die Bühne gebracht hatte. Durch diesen Kommerz wären The Who auch beinahe nie aufgetreten. Die Band bestand auf Vorkasse – nur der Veranstalter hatte nicht genügend Bargeld zur Hand. Erst durch unglaublich viel Mühe und einen Hubschrauber konnte das Geld aufgetrieben werden. Der lokale Bankdirektor musste aus seinem Wochenende geholt und eingeflogen werden, damit die Festival-Veranstalter die Band mit beglaubigten Barchecks auszahlen konnte. Zusätzlich war das Festival auch nicht von Anfang an als ein kostenloses Event gedacht und geplant! Im Vorverkauf gab es ein Dreitagesticket für 18 Dollar. Das klingt zwar heutzutage nach einem Witz für so viele großartige Künstler, für die damaligen Verhältnisse waren 18 US-Dollar allerdings garnicht mal so wenig. Insgesamt wurden 186.000 Tickets verkauft. Das Festival wurde erst kostenlos, als die Polizei den Besucheransturm nicht mehr bewältigen konnte. Mit dem Geld wollten die Veranstalter rund um Michael Lang ein neues Tonstudio eröffnen.

5. Woodstock war das musikalisch bedeutendste Festival seiner Zeit.

Das ist zwar eigentlich Geschmackssache, aber das Monterey Pop Festival 1967 war musikalisch deutlich einflussreicher auf die Entwicklung der Musik. Unter anderem deswegen, da The Who damit ihren Durchbruch in den USA schafften und Jimi Hendrix, genauso wie Janis Joplin hier groß wurden. Außerdem waren fast alle einflussreichen kalifornischen Bands da und auch die schwarze Musikszene wurde angemessen repräsentiert. In Woodstock hingegen kam es zu mehreren musikalischen Enttäuschungen: Tim Hardin und John Sebastian hatten sich mit LSD zugedröhnt und The Grateful Dead gaben zu, ihren schlechtesten Auftritt überhaupt hingelegt zu haben. Auch Janis Joplin zeigte bei ihrem Auftritt nicht ihr ganzes Können, denn zum einen trat sie mit einer neuen Begleitband auf, die noch nicht eingespielt war und zum anderen hatte sie etwas zu tief in die Flasche geschaut.

6. Die spätere Festival-Hymne „Woodstock“ schrieb Joni Mitchel aufgrund ihrer eigenen Erlebnisse vor Ort.

Das ist frei erfunden. Die Sängerin war zusammen mit ihrem Manager auf dem Weg zum Festival, aber sie kehrten wieder um, nachdem sie von den chaotischen Zuständen und dem Matsch erfuhren. Deshalb sah Mitchel das Festival lediglich vom Fernseher aus. Später begründete sie ihre Absage damit, dass sie bei einer Teilnahme nicht rechtzeitig nach New York gekommen wäre, wo sie einen Tag nach dem Festival einen Auftritt in der „Dick Cavett Show“ hatte. Allerdings hätte sie das sehr wohl geschafft, denn Crosby, Stills,  Nash and Young und Jefferson Airplane spielten auf dem Woodstock und kamen trotzdem rechtzeitig zur gleichen Show.  Zu dem Song äußerte sich Joni Mitchel später in einem Interview: "Es war beachtlich, wie gut diese Masse an Menschen miteinander auskam, es herrschte ein enormer Optimismus. Aus diesen Gefühlen heraus schrieb ich den Song 'Woodstock'."

7. Die Veranstalter verdienten durch ihr Festival ein Vermögen.

Das war eher andersrum: Die Veranstalter hatten Einnahmen von 1,4 Millionen Dollar – aber Ausgaben von 2,7 Millionen Dollar. Dadurch entstanden insgesamt 1,3 Millionen Dollar Schulden. Aus diesen kam der Veranstalter Woodstock Ventures Inc. erst 1980 wieder heraus. Ausschließlich Warner Brothers verdienten gut am Festival. Sie verfilmten Woodstock und der Film spielte bis 1999 satte 100 Millionen Dollar ein. Dazu kam der Verkauf von einem Dreifach-Album, welches nochmal eine vergleichbar hohe Summe einbrachte. Die Veranstalter hingegen bekamen von diesen Einnahmen vertraglich nur 20%.

8. Die Festivalgänger hatten ein ungezwungenes Verhältnis zu sich, ihrem Körper und der Nacktheit.

Das stimmt so auch wieder nicht ganz. Zwar wurde das Woodstock durch seine nackten Badeszenen weltberühmt, aber diese Nacktheit war nicht allein der Freizügigkeit der Hippie-Kultur geschuldet. Die Temperaturen vor Ort waren damals sehr heiß, weswegen alle um einen Teich herum standen und nicht wussten was sie jetzt machen sollten. Daraufhin zogen sich zwei junge Männer einfach komplett aus und sprangen ins Wasser. Das nahmen sich nach und nach alle zum Vorbild, wodurch die Nacktbaderei entstand. Erst danach fielen alle Hemmungen, was durchaus beachtlich war, denn auch damals sprach man schon vom „prüden Amerika“.

9. Das Woodstock-Festival war eine politische Veranstaltung.

Das Motto des Festivals lautete „3 Days of Peace & Music“. Es sollte einfach nur ein friedliches Miteinander werden, das von guter Musik begleitet wird. Für Politik war kein Platz, trotz der Tatsache, dass die meisten gegenüber dem US-Establishment eher kritisch eingestellt waren und den Krieg ablehnten. Ein Beispiel dafür ist die Aktion des Aktivisten Abbie Hoffman, der sich während dem Auftritt vonThe Who ans Mikrofon drängte und sich über die Verhaftung seines Freundes beklagte. Der Freund von Hoffman war der damalige Anarchist John Sinclair. Daraufhin schlug der Gitarrist Pete Townshend den Aktivisten mit seiner Gitarre und schubste ihn mit den Worten „Verpiss dich von meiner Bühne“ runter. Das Ganze wurde mit viel Applaus gewürdigt. Ebenfalls die Vorstellung, Woodstock sei der Anfang eines alternativen Lebensentwurfs stimmt so nicht ganz. Hierzu äußerte sich ebenfalls Pete Townshend: "Überall diese Hippies, die dachten, heute würde sich die Welt verändern. (...) Was sie für eine alternative Gesellschaft hielten, war im Grunde nur ein Acker, auf dem man kniehoch im Schlamm versank und auf dem überall LSD genommen wurde. Wenn das die Welt war, in der sie leben wollten, dann konnten sie mich mal am Arsch lecken."

10. Das gesamte Festival verlief friedlich und gewaltfrei.

Hierbei muss man anmerken, dass trotz der vielen Menschen, die auf engem Raum zusammen kamen, sehr wenig passiert ist. Auch im Vergleich zu Festivals vor und nach Woodstock, bei denen es zu Gewalt zwischen Polizei und Festivalbesuchern kam. Dennoch gab es auch beim Woodstock-Festival gewaltsame Vorgänge und sogar drei Tote. Samstagmorgens gab es einen tödlichen Unfall. Hierbei wurde ein 17-jähriger in seinem Schlafsack von einem Traktor mit Abwasserwagen überrollt und starb, ein anderer Mann starb an einem durchgebrochenem Blinddarm und ein weiterer starb an einer Überdosis von allem. Außerdem gab es gewaltsame Auseinandersetzungen, wie der Musikwissenschaftler und Hörfunkredakteur Volkmar Kramarz bestätigt. Er war damals mit 15 Jahren vor Ort und erinnert sich zurück: "Es gab heftige Auseinandersetzungen zwischen Hippies und Vietnam-Veteranen. Dabei kam es auch zu Prügeleien."

Das heißt, auf diesem mystifizierten Festival war eben auch nicht alles Friede, Freude Eierkuchen. Und es waren auch nicht nur langhaarige Hippies vor Ort. Der Großteil der Besucher stammte aus der bürgerlichen, weißen Mittelschicht der U.S.A. 

Anzeige