In diesem Regionalzug kam es zu der Prügelei. (Archivbild)
Melanie Keul/EinsatzReport24 /dpa
In diesem Regionalzug kam es zu der Prügelei. (Archivbild)
Bahnmitarbeiter verletzt

Sturz aus Zug: Was wir wissen und was wir nicht wissen

Die Ermittlungen nach dem dramatischen Vorfall in einem Regionalzug bei Karlsruhe, bei dem ein Bahn-Sicherheitsmann schwerst verletzt wurde, laufen. Was die Ermittler noch klären müssen.

Nachdem ein 26 Jahre alter Bahnmitarbeiter nach einer eskalierten Ticketkontrolle aus einem fahrenden Regionalzug auf dem Weg nach Karlsruhe gestürzt ist und lebensgefährlich verletzt wurde, sind zahlreiche Fragen offen. 

Was wir wissen

  • Ein 26 Jahre alter Sicherheitsmitarbeiter der Bahn wurde am Freitagabend in einem Regionalzug auf dem Weg nach Karlsruhe bei einer Ticketkontrolle attackiert und stürzte anschließend aus einem mit rund 120 km/h fahrenden Zug. Er wurde neben den Gleisen schwerst verletzt gefunden und kam in eine Klinik.
  • Der 26-Jährige war nach bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft gemeinsam mit einem Kollegen zu einer Ticketkontrolle gerufen worden, weil sich ein 36-jähriger Fahrgast weigerte, seine Personalien anzugeben und den Zug zu verlassen.
  • Der Fahrgast ist wegen Gewaltdelikten vorbestraft und ist auf Bewährung.
  • Nach Angaben der Ermittler schlug der 36-Jährige mit Fäusten auf den Sicherheitsmitarbeiter ein und trat nach ihm. Beide prallten den Ermittlern zufolge während des Gerangels mehrmals gegen eine Zugtür. Als der Sicherheitsmitarbeiter den am Boden liegenden Mann wieder hochziehen wollte, soll dieser ihm einen heftigen Tritt versetzt haben. Der 26-Jährige stürzte rückwärts gegen die Tür. Sie gab nach. Nach Angaben der Ermittler fiel der Bahnmitarbeiter durch einen Spalt aus dem fahrenden Regionalzug.
  • Der 36-jährige Fahrgast wurde nach der Tat zunächst festgenommen. Die Staatsanwaltschaft beantragte Untersuchungshaft wegen Körperverletzung.
  • Das Amtsgericht Karlsruhe lehnte den Antrag auf Untersuchungshaft ab. Nach Angaben des Gerichts war unter anderem ein Überwachungsvideo der Bahn entscheidend, das der Haftrichter kurz nach der Anhörung ausgewertet hat. Dieses habe Zweifel am konkreten Ablauf des Geschehens geweckt, teilte das Gericht mit.
  • Das Amtsgericht teilte mit, der für einen Haftbefehl erforderliche dringende Tatverdacht habe gefehlt. Zudem habe sich herausgestellt, dass der Beschuldigte einen festen Wohnsitz habe, familiär gebunden sei und einer Vollzeitbeschäftigung nachgehe, sodass kein ausreichender Haftgrund wie Fluchtgefahr vorgelegen habe. Gegen den 36-jährigen Mann wird weiter wegen Körperverletzung ermittelt. Die Staatsanwaltschaft prüft nach eigenen Angaben, ob sie Beschwerde gegen die Ablehnung des Haftbefehlsantrags einlegen wird.
  • Der schwerstverletzte Bahn-Sicherheitsmitarbeiter ist außer Lebensgefahr, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. 
  • Bei der betroffenen Bahn handelt es sich laut dem Hersteller Alstom um einen Zug vom Typ «Alstom Coradia Continental».

Was wir nicht wissen

  • Der genaue Ablauf der Auseinandersetzung im Zug ist weiter unklar.
  • Welche Details das Überwachungsvideo der Bahn genau zeigt, ist nicht bekannt.
  • Ungeklärt ist, warum die Zugtür nachgab beziehungsweise sich so öffnete, dass ein Spalt entstand, durch den der Bahnmitarbeiter aus dem fahrenden Zug stürzen konnte.
  • Der Tatverdächtige soll mutmaßlich alkoholisiert gewesen sein. Ob dies wirklich der Fall war - und falls ja, wie betrunken der Mann war, blieb zunächst unklar.
  • Unklar ist, ob der Zug durch eine Notbremsung gestoppt wurde oder wie es letztlich zum Halt auf freier Strecke kam.
  • Unklar war, ob es bei Zügen des Typs «Alstom Coradia Continental» Probleme mit Türen gegeben hat. Der Hersteller Alstom betonte, dass das Unternehmen derzeit nicht in die Untersuchungen zu dem Vorfall eingebunden sei. 

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