Bericht zählt hunderte Fälle von Antisemitismus im Südwesten
Jüdinnen und Juden werden auch in Baden-Württemberg im Alltag immer wieder angefeindet. Eine Meldestelle sammelt die Fälle. Wie die Lage im vergangenen Jahr aussah.
Jüdinnen und Juden werden auch in Baden-Württemberg im Alltag immer wieder angefeindet. Eine Meldestelle sammelt die Fälle. Wie die Lage im vergangenen Jahr aussah.
Jüdinnen und Juden in Baden-Württemberg werden nach Einschätzung der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) in ihrem Alltag regelmäßig angefeindet. Das geht aus dem ersten Jahresbericht der Meldestelle zu antisemitischen Vorfällen im vergangenen Jahr hervor.
Die Organisation erfasste im vergangenen Jahr 335 antisemitische Vorfälle in Baden-Württemberg. Damit sei fast täglich ein Vorfall dokumentiert worden, sagte Projektleiter Robert Ogman bei der Vorstellung des Berichts.
Die meisten erfassten Fälle (154) ereigneten sich laut dem Bericht auf der Straße, zweithäufigster Ort war demnach das Internet, auf Rang drei stehen Bildungseinrichtungen wie Schulen oder Hochschulen. Für Jüdinnen und Juden habe das Folgen: «Sichtbarkeit ist für viele Jüdinnen und Juden eine tägliche Abwägung», sagte Ogman.
Gemeindemitglieder ziehen sich häufiger zurück
Das bemerken auch die jüdischen Gemeinden im Land. Die Zahlen belegten, was man seit Jahren schon spüre, sagte Barbara Traub, Vorstandsprecherin der israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg. Man stelle schon länger fest, dass sich Gemeindemitglieder immer häufiger zurückzögen. Familien meldeten etwa ihre Kinder von Religionsunterricht ab aus Angst, dass sonst aus dem Zeugnis hervorgehen würde, dass sie jüdisch seien.
Die meisten erfassten Vorfälle sind dem Bericht zufolge im Kontext mit dem Nahostkonflikt - mehr als 70 Prozent stehen demnach im Zusammenhang mit Israel. «Jüdinnen und Juden, jüdische Gemeinden und Institutionen wurden angefeindet und für das vermeintliche Handeln Israels verantwortlich gemacht», schreiben die Autoren des Berichts.
Baden-Württemberg Sozialminister Oliver Hildenbrand sagte, der Bericht führe auf drastische Weise vor Augen, dass Antisemitismus leider auch in Baden-Württemberg zum Alltag gehöre. Die erfassten Fälle seien für ihn auch ein Auftrag zum Handeln. Man dulde keine Form von Antisemitismus. «Antisemitismus ist die rote Linie», sagte der Grünen-Politiker.
Bei Rias können Betroffene oder Zeugen antisemitische Vorfälle melden. Die Organisation erfasst diese inzwischen in 12 Bundesländern und stellt jährlich auch einen bundesweiten Bericht vor. Die Zahlen beruhen auf Meldungen und weichen von den offiziellen Zahlen der Kriminalstatistik ab.
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