Cannabis und Verkehr: Was die Unfallstatistik zeigt
In Baden-Württemberg wurden in sechs Monaten 20 Menschen bei Unfällen mit Cannabis am Steuer schwer verletzt. Was die Statistik außerdem zeigt.
In Baden-Württemberg wurden in sechs Monaten 20 Menschen bei Unfällen mit Cannabis am Steuer schwer verletzt. Was die Statistik außerdem zeigt.
Wer nach Cannabiskonsum ans Steuer steigt, riskiert nicht nur den Führerschein, sondern auch schwere Unfälle. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Fellbach ereigneten sich zwischen Januar und Juni im laufenden Jahr 92 Unfälle, bei denen Personen verletzt wurden und mindestens ein Unfallbeteiligter nachweislich unter dem Einfluss von THC stand. Dabei kam es zu 20 Schwer- und 104 Leichtverletzten.
Für THC, den berauschenden Wirkstoff in Marihuana, gilt ein Grenzwert von 3,5 Nanogramm je Milliliter Blutserum - ähnlich wie die 0,5-Promille-Grenze für Alkohol. Seit der Teillegalisierung von Cannabis vor über zwei Jahren ist der Besitz und Konsum von Cannabis für Erwachsene unter bestimmten Auflagen erlaubt. Seit Juli 2025 wird der Einfluss von THC als Unfallursache bundesweit einheitlich von der Polizei in der Unfallstatistik erfasst.
Gut die Hälfte der Unfallbeteiligten war mit einem Auto unterwegs, etwa jeder Fünfte mit einem Elektrokleinstfahrzeug wie einem E-Roller. Unfallbeteiligte mit Pedelecs oder Krafträdern (mit Versicherungskennzeichen) machten mit 7,6 Prozent einen wesentlich geringeren Anteil aus. Die Beteiligten waren den Angaben zufolge im Durchschnitt 32 Jahre alt und zu über 90 Prozent Männer. Von den Unfällen mit Personenschaden und Cannabiseinfluss waren 39 Prozent Alleinunfälle, es gab demnach keine weiteren Beteiligten.
Unterschiedliche Wirkung von Cannabis und Alkohol
Zum Vergleich: Im selben Zeitraum kam es zu 815 Unfällen mit Personenschaden, bei denen Alkoholeinfluss eine Rolle spielte. Dabei kamen neun Personen ums Leben, 188 wurden schwer und 794 leicht verletzt. Bei diesen Unfällen waren am häufigsten Autos (38,4 Prozent) beteiligt, gefolgt von Fahrrädern (21,5 Prozent), Pedelecs (16,6 Prozent) und Elektrokleinstfahrzeugen (10,8 Prozent). Das durchschnittliche Alter der Beteiligten lag bei 42 Jahren, und auch in diesem Fall waren es zu fast 90 Prozent Männer.
Der ADAC betonte kürzlich: Trotz Entkriminalisierung und Teillegalisierung dürfe man nicht bekifft Auto fahren. Außerdem sei die Wirkung von Cannabis und Alkohol nach Einschätzung von Experten nicht vergleichbar. So wies der Rechtsmediziner Matthias Graw von der Ludwig-Maximilians-Universität München darauf hin, dass THC sich vollkommen anders abbaut als Alkohol - und der Cannabis-Konsument nicht weiß, wie hoch der Wirkstoff des Marihuana ist, das er sich besorgt hat.
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