Bosch steht unter Druck - der Gewinn ist weiter eingebrochen. (Archivbild)
Marijan Murat/dpa
Bosch steht unter Druck - der Gewinn ist weiter eingebrochen. (Archivbild)
Stellenabbau, Zölle und Co.

Das sind die größten Baustellen bei Bosch

Bosch verdient so wenig wie seit Jahren nicht. Insbesondere die horrenden Kosten für die Stellenabbau-Pläne belasten den Gewinn. Der Druck bei den Schwaben ist hoch. Was dahintersteckt.

Für den Technologiekonzern Bosch war 2025 ein äußerst schwieriges Jahr. Die schwächelnde Weltwirtschaft schlug mit Wucht auf alle Geschäftsbereiche der Schwaben durch. Und die Sparmaßnahmen des Managements drücken den Gewinn. Denn bevor der Abbau Tausender Stellen Wirkung zeigt, kostet er erst einmal Milliarden. Heute veröffentlicht der Konzern aus Gerlingen bei Stuttgart die endgültigen Geschäftszahlen für 2025 - und einen Ausblick darauf, wie es im laufenden Jahr weitergehen soll. 

Aber bereits die vorläufigen Zahlen zeigen, unter welch hohem Druck Bosch steht. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sackte demnach um gut 45 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro ab. Bereits 2024 war der Wert um ein Drittel gesunken. Zum Vergleich: Selbst im Corona-Jahr 2020 hatte Bosch noch gut zwei Milliarden Euro operativen Gewinn eingefahren. Der Umsatz stieg im Vergleich zu 2024 leicht auf 91,0 Milliarden Euro. 

«Die wirtschaftliche Realität spiegelt sich auch in unseren Ergebnissen wider. 2025 war ein schwieriges, teils auch schmerzhaftes Jahr für Bosch», sagte Bosch-Chef Stefan Hartung im Januar. Die selbstgesteckten Umsatz- und Gewinnziele habe man nicht erreicht. Aber woran lag das? Ein Überblick. 

Weltlage und «mangelnde Wettbewerbsfähigkeit»

Die Herausforderungen, die Bosch auf der ganz großen Bühne beschäftigt, sind nicht neu: Die Weltkonjunktur schwächelt, die geopolitische Lage ist nach wie vor unsicher. Hinzugekommen sind 2025 unter anderem die US-Zölle. Auch die Konkurrenz, gerade durch chinesische Anbieter, hat sich erheblich verschärft. Und das nicht nur in der Automobilindustrie, die ohnehin weniger produziert als noch vor ein paar Jahren. 

Nach eigenen Angaben ist Bosch in vielen Bereichen mittlerweile nicht mehr wettbewerbsfähig. Soll heißen: Der Konzern kann im Vergleich zur Konkurrenz nicht mithalten. Der Anspruch ist aber ein anderer. In den wesentlichen Märkten will Bosch zu den drei führenden Anbietern gehören. Das erfordert Hartung zufolge vor allem niedrigere Kosten und nachfrageorientierte Kapazitäten.

Stellenabbau kostet Milliarden

Um das Ruder herumzureißen, müssen die Schwaben deutlich sparen. Allein im Zulieferbereich geht es um Milliarden. «Wir arbeiten hart an unseren Sach- und Materialkosten, wir setzen KI noch intensiver ein, um unsere Produktivität zu erhöhen, und wir wägen jede Investition noch sorgfältiger ab», sagte Hartung. Um Wettbewerbsfähigkeit und Investitionskraft dauerhaft zu sichern, müsse man die Organisation aber auch deutlich verschlanken.

Das heißt: Es muss am Personal gespart werden. Allein im Zulieferbereich will Bosch in den kommenden Jahren rund 22.000 Stellen streichen. Außerdem gibt es Abbaupläne in anderen Bereichen, unter anderem bei der Hausgerätetochter BSH und der Sparte für Elektrowerkzeuge. 

Ende 2025 beschäftigte die Gruppe rund 412.400 Menschen auf der ganzen Welt - 5.400 weniger als ein Jahr zuvor. Dabei zeigte sich eine Verschiebung von Europa in andere Weltregionen. Überproportional von der Entwicklung betroffen war Deutschland, wo knapp 30 Prozent der Beschäftigten arbeiten. Insgesamt waren es hier zuletzt rund 123.100 Menschen - und damit 6.500 oder fünf Prozent weniger als zum Ende des Vorjahres.

Um langfristig beim Personal sparen zu können, muss Bosch richtig tief in die Tasche greifen. «Die Kosten für sozialverträgliche Lösungen belasten unser Ergebnis erheblich», sagte Bosch-Finanzchef Markus Forschner im Januar. 2025 wurden rund 2,7 Milliarden Euro zur Seite gelegt - beispielsweise für Abfindungen. Gedrückt wurde der Gewinn des Unternehmens aber unter anderem auch von den gestiegenen Zöllen. 

Zukunftsprojekte: Teuer - und werfen (noch) wenig ab

Bosch investiert seit Jahren Milliarden in die Zukunft. E-Mobilität, Software für das automatisierten Fahren, Wasserstoff, Wärmepumpen, bestimmte Chips - in all diesen Bereichen wollen die Schwaben künftig gut aufgestellt sein und Geld verdienen. Bisher geht die Rechnung aber nicht auf. Die Zukunftsfelder müsse man nach wie vor erheblich vorfinanzieren, sagte Forschner. «Das zehrt an den Erträgen, zumal die Durststrecke mit der verzögerten Marktdurchdringung neuer Technologien länger ist als ursprünglich erwartet.»

Bosch hat also zahlreiche innovative Produkte im Schaufenster stehen. Aber es greifen weniger Kunden zu als ursprünglich erwartet. Dazu gehören Produkte und Komponenten für Elektroautos. Es gibt aber auch andere Beispiele: Bereits seit längerem haben die Schwaben einen prämierten Brennstoffzellen-Antrieb für Lastwagen im Angebot. Die Nachfrage ist nach der Pleite des Hauptkunden aber überschaubar. Bis sich das System auszahlt, dürften Jahre vergehen. 

Kauflaune der Menschen ist im Keller

Bosch ist nicht nur der weltgrößte Autozulieferer. Die Produkte des Konzerns finden sich auch in zahlreichen Haushalten. Viele Menschen halten wegen der mauen Wirtschaftslage ihr Geld aktuell aber lieber zusammen. Kühlschränke, Backöfen, Waschmaschinen, Elektrowerkzeuge und Gartengeräte verkauften sich zuletzt schlechter. Die Konsumgüterindustrie sei von einer anhaltenden Marktschwäche geprägt. Nur in diesem Bereich ging der Umsatz 2025 zurück.

Wenn doch geshoppt wird, dann oft günstiger - und bei Anbietern aus Fernost. Gerade in Deutschland könne man zum Beispiel beobachten, dass weniger und preiswertere Küchen gekauft werden, sagte Hartung. Mit spürbaren Folgen für die Hausgerätetochter BSH, deren deutsche Werke nicht ausgelastet sind. 

Zu BSH gehören die Handelsmarken Bosch, Siemens, Neff und Gaggenau. Mit fast identischen Problemen hat auch die Elektrowerkzeug-Sparte zu kämpfen. Die Folge sind auch dort Werksschließungen in Deutschland, Stellenabbau und eine Verlagerung der Produktion ins Ausland.

Von Julian Weber, dpa
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