Endlich Regen - wer profitiert und wofür ist es zu spät?
Was können ein paar Tage Regen nach langer Trockenheit bewirken? Kommt ganz drauf an, sagen Experten. Mancherorts herrscht Hoffnung und Aufatmen. Für vieles ist es schlicht zu spät.
Was können ein paar Tage Regen nach langer Trockenheit bewirken? Kommt ganz drauf an, sagen Experten. Mancherorts herrscht Hoffnung und Aufatmen. Für vieles ist es schlicht zu spät.
Ein bisschen Regen ist nach langen Wochen der Trockenheit gefallen, etwas mehr soll die nächsten Tage kommen. Aber nützt das überhaupt was? Oder ist das alles nur ein Tropfen auf dem heißen Stein?
Wem der Regen wenig bis nichts bringt:
- dem GRUNDWASSER
Ein paar Schauer nützen wenig, um die teils extrem niedrigen Grundwasserstände anzuheben, sagt der Grundwasserexperte der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), Michel Wingering. «Bis Monatsende dürften die Regenfälle kaum Relevanz haben.» Nötig wäre vielmehr ein ordentlicher Landregen über mehrere Tage hinweg. «Wir brauchen einen Regen, der einem den Urlaub so richtig versaut», so der LUBW-Experte.
Wichtig sei Regen für das Grundwasser aber indirekt: Dadurch werde das Grundwasser geschont, weil Gewässer an der Oberfläche sich wieder füllten. Generell sei es ohnehin so, dass Grundwasservorräte im Sommer zurückgingen und sich erst zwischen November und April wieder auffüllten. Problem in diesem Jahr: Der Rückgang sei bisher extremer als sonst zum Ende des Sommers.
- der SCHIFFFAHRT
Zwar seien dank des Regens mancherorts die Wasserstände am südlichen Oberrhein um ein paar Zentimeter angestiegen - aber sie blieben bisher extrem niedrig, wie Benjamin Sinaba, Fachgebietsleiter Schifffahrt beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Oberrhein, sagt. «Wir sind weiter in der Niedrigwasserphase.» Für die Schifffahrt ändere sich daher im Wesentlichen nichts. Unter den derzeitigen Wetterbedingungen mit voraussichtlich nur vereinzelten Regenfällen in den kommenden Tagen könne man daher nicht mal von Entspannung sprechen.
- dem WALD und den BÖDEN
Kurze Verschnaufpausen mit ein paar Regengüssen reichten nicht zur Regeneration, hatte ForstBW vergangene Woche mitgeteilt. «Das meiste Wasser, was in solchen Fällen vom Himmel fällt, schafft es gar nicht bis in den Waldboden. Es bleibt auf den Blättern oder in der Streu hängen und verdunstet direkt wieder», so der ForstBW-Vorstandsvorsitzende Max Reger.
Auch für Ackerböden und Flächen sei der kurze Regen ein Tropfen auf dem heißen Stein, wie NABU-Expertin Sabine Brandt aus Oberschwaben berichtet. Dort hätten sich Hitzerisse bis zu 50 Zentimeter Tiefe gebildet. «Gewässer füllen sich zwar wieder, sind aber sehr verschlammt.». Viele Böden seien schlicht verbrannt.
- vielen LANDWIRTEN
Für die bereits abgeschlossene Getreideernte komme der Regen zu spät und beim Mais seien die Schäden vielerorts schon entstanden, sagt eine Sprecherin des Landesbauernverbandes. «Das lässt sich jetzt nicht mehr aufholen.» Gleiches gelte für Zuckerrüben, für die im Südwesten eine historisch schlechte Ernte erwartet werde.
- den REPTILIEN und AMPHIBIEN
Die sind besonders verwundbar - und ihnen hilft ein bisschen Regen jetzt auch nichts mehr, sagt Reptilien- und Amphibienexperte Hubert Laufer vom Nabu. Die Amphibienweibchen seien abgemagert und müssten eigentlich im Herbst vor der Winterruhe für das kommende Jahr Eier produzieren. «Aber das klappt nicht, wenn es nur kurz regnet.» Bei den Reptilien habe die Eiablage zwar stattgefunden, viele Eier aber dürften vertrocknet sein. Das ändere auch der Regen nicht mehr.
Wem der Regen noch was bringt:
- den WILDTIEREN
Für große Tiere wie Rehe, Wildschweine und Füchse seien Regen und kühlere Temperaturen eine Erleichterung, sagt Rolf Müller, Nabu-Experte für Wildtiere im Wald. Lange Trockenzeiten behinderten wegen ausgetrockneter Nasenschleimhäute die für die Nahrungssuche wichtige Orientierung und den Geruchssinn. «Sobald es geregnet hat, sind sie wieder mobiler, weil sie sich besser orientieren können.» Auch für kleine Tiere, die Wasserstellen brauchen, sei der Regen ein Segen, weil sie weitere Wege nicht schaffen.
- den OBSTBAUERN und manchen LANDWIRTEN
Profitieren könnten spätere Herbstkulturen, insbesondere Gemüse wie Kraut und andere Kohlarten. «Hier kann Regen für die weitere Entwicklung der Bestände noch entscheidend sein», sagt die Sprecherin des Landesbauernverbandes.
Die Obstbauern freuen sich nach Worten des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes über jeden Tropfen Regen. Die Äpfel bekämen dann noch mal mehr Fruchtgröße, sagt ein Sprecher. Und mit Blick auf die Ernte im kommenden Jahr können die hitzegestressten Bäume Energie tanken. «Der lang ersehnte und dringend notwendige Regen ist für alles, was derzeit noch wächst, ertrags- und qualitätsverbessernd.»
- den PFLANZEN
Die Pflanzen, die es geschafft haben, Samen zu bilden, können hoffen. Ihnen biete die Feuchte die Chance, dass der Samen nicht gleich verdorrt. «Im nächsten Frühjahr könnten sie dann keimen», sagt Nabu-Artenschutzreferent Martin Klatt.
- der NATUR generell, aber
Die kühleren Temperaturen und die Niederschläge wirkten sich tendenziell positiv aus, sagt Julia Hiller vom Nabu-Projekt mensch.natur. Es sei etwas mehr Wasser und Nahrung verfügbar - das aber nur, solange die Temperaturen nicht zu stark abfielen oder der Regen nicht extrem werde. «Dann könnte das Ganze wieder umschlagen.» Denn durch die große Hitzeperiode geplagte Tiere hätten eine schlechtere Fitness. «Dann können sie nachfolgende Extremwetterereignisse schlechter verkraften.»
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