Mit Handschellen wurden die beiden Angeklagten in den Gerichtssall geführt.
Leonie Asendorpf/dpa
Mit Handschellen wurden die beiden Angeklagten in den Gerichtssall geführt.
Erpresserischer Menschenraub

Ex-Chef entführt und ausgeraubt: Angeklagter erhebt Vorwürfe

Wenige Monate nach ihrer Kündigung sollen zwei Männer ihren Ex-Chef gefesselt und bestohlen haben. Vor Gericht werfen sie ihm vor, seine Mitarbeiter hintergangen zu haben.

Zwei Männer sollen ihren Ex-Chef entführt, erpresst und ausgeraubt haben: Einer von ihnen hat bei Prozessbeginn nun Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Geschäftsführer erhoben. Unter anderem sei von den Mitarbeitern verlangt worden, lange Arbeitszeiten ohne Pause hinzunehmen. Zudem seien versprochene Gehälter, Provisionen und Boni nicht ausgezahlt worden.

Den Tatverdächtigen im Alter von 22 und 24 Jahren wird vorgeworfen, ihren ehemaligen Chef über mehrere Stunden gefesselt im Kofferraum entführt, erpresst und ausgeraubt zu haben. Das teilte das Landgericht Heilbronn mit. Seit Anfang April sitzen die beiden in Untersuchungshaft.

«Wenn du einen Murks machst, kill ich dich»

Mitte März, wenige Monate, nachdem sie gekündigt wurden, sollen die Männer ihrem 28 Jahre alten Ex-Chef in einem Gewerbegebiet in Besigheim (Landkreis Ludwigsburg) aufgelauert haben. Daraufhin sollen sie den Mann mit Kabelbindern gefesselt und ihm einen Jutebeutel über den Kopf gezogen haben. Im Kofferraum seines Autos sollen die Angeklagten das Opfer mehrere Stunden herumgefahren, erpresst und ausgebeutet haben. 

Unter der Androhung von Gewalt verriet der Geschädigte Passwörter für Laptop, Mobiltelefone und Bankkarten, woraufhin die Männer unter anderem online Waren im Wert von mehr als 87.000 Euro bestellten sowie Bargeld abhoben. In der Wohnung des Geschädigten soll ihm einer der Angeklagten eine Schreckschusspistole an den Kopf gehalten und gedroht haben, ihn umzubringen. «Wenn du einen Murks machst, kill ich dich», zitierte ihn die Staatsanwaltschaft.

Auf Feldweg zurückgelassen

Zudem sollen die Angeklagten den 28-Jährigen dazu gezwungen haben, vor der Kamera zu behaupten, er habe Interesse an 13-jährigen Mädchen und weise pädophile Neigungen auf.

Erst am nächsten Morgen ließen sie ihren Ex-Chef mit Verletzungen im Gesicht, an der Brust, am Rücken sowie an den Hand- und Fußgelenken an einem Feldweg bei Steinheim an der Murr zurück, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Eine Radfahrerin, die zufällig vorbeifuhr, half dem Mann, die Polizei zu alarmieren. Bei einem SEK-Einsatz Anfang April wurden die zwei Angeklagten schließlich festgenommen.

Vorwürfe gegen Ex-Chef: lange Arbeitszeiten, ausbleibendes Geld

Vor Gericht erzählte der ältere der beiden Angeklagten, wie er zunächst sehr froh über den Job im Unternehmen des Geschädigten gewesen sei. Über die Zeit habe sich sein Eindruck von dem Unternehmen jedoch schnell verschlechtert. 

Kollegen, die keine ausreichenden Leistungen erbracht hätten, seien «vor versammelter Mannschaft niedergemacht» worden, sagte er. Kunden und Mitarbeiter seien hintergangen und belogen worden. Nachdem er diese Kritik im Team geäußert habe, sei er kurz darauf fristlos gekündigt worden. Mehrere rechtliche Versuche, mehr als 10.000 Euro, die ihm eigenen Aussagen zufolge zustanden, nach der Kündigung zu erhalten, blieben dem Angeklagten zufolge ohne Erfolg. 

Dem jüngeren Angeklagten sei ebenfalls gekündigt worden. Dieser äußerte sich jedoch nicht weiter zu seiner Zeit im Unternehmen. Die beiden lernten sich dem 24-Jährigen zufolge in der Firma kennen. Das Leid über die Arbeitsbedingungen habe sie zusammengeschweißt, erzählte er. Auf den Vorwurf des Staatsanwalts, sich das Geld mit der Tat «zurückgeholt haben zu wollen», antwortete der 24-Jährige, dass er dies «zumindest nicht verneinen» wolle.

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