Aus Sicht der Kinderturnstiftung muss bei der psychischen Gesundheit von Kindern auch über Bewegung gesprochen werden. (Symbolbild)
Uwe Anspach/dpa
Aus Sicht der Kinderturnstiftung muss bei der psychischen Gesundheit von Kindern auch über Bewegung gesprochen werden. (Symbolbild)
Gesundheit

Fitnessstudie: Warum Ausdauer Kindern psychisch guttut

Schlechte Laune, Ängste, innerer Rückzug: Immer mehr Kinder kämpfen mit psychischen Problemen. Das neue Fitnessbarometer aus Baden-Württemberg zeigt, was dagegen hilft – und was im Weg steht.

Bewegung ist das beste Mittel gegen seelische Belastungen bei Kindern. Wer rennt, klettert und tobt, ist fröhlicher, schläft besser, streitet weniger und hält Frust leichter aus. Das zeigen bereits mehrere Studien. Die schlechte Nachricht: Viel zu viele Kinder bewegen sich laut dem jüngsten Fitnessbarometer der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg deutlich zu wenig. Die Untersuchung zeigt nach Angaben ihrer Experten, dass es bei den Kindern zwischen drei und zehn Jahren vor allem an der Ausdauer und Beweglichkeit fehlt.

Erstmals will das Barometer 2026 die psychische Gesundheit in den Mittelpunkt rücken und mit wissenschaftlichen Studien wie der COPSY- und der MoMo-Untersuchung verbinden. Nach diesen leiden körperlich aktive Kinder deutlich seltener unter Ängsten, Stimmungstiefs oder sozialem Rückzug. 

Ausdauer bleibt Sorgenkind

Doch ausgerechnet bei der Ausdauer hakt es bei den Jungen und Mädchen am meisten. Die Werte liegen noch immer weit unter dem Niveau vor der Pandemie und haben sich kaum erholt. 

Der Gesamt-Fitnessindex der getesteten Kinder in Baden-Württemberg stagniert bei 53,2 Punkten - deutlich unter den 57,0 Punkten, die vor der Pandemie als Referenz galten (2012 bis 2019), aber auch über dem bundesweiten Durchschnittswert von 50 Punkten. Eine echte Trendwende lässt noch auf sich warten.

Studie: Bewegung stärkt Körper und Seele

Das Fitnessbarometer messe zwar nicht die psychische Gesundheit von Kindern, sondern ihre motorische Leistungsfähigkeit, erklärt Claudia Niessner vom Karlsruher Institut für Technologie. «Diese ist aber ein zentraler Bestandteil gesunden Aufwachsens.» Die Ergebnisse trügen dazu bei, die Bedeutung von Bewegung für die körperliche, psychische und soziale Entwicklung von Kindern sichtbar zu machen. Niessner hat das Barometer wissenschaftlich begleitet.

Susanne Weimann, die Vorstandsvorsitzende der Kinderturnstiftung, fordert deshalb ein Umdenken: «Wenn wir über psychische Gesundheit von Kindern sprechen, müssen wir auch über Bewegung sprechen», sagt sie. Bewegung müsse raus aus der Nische des Schulfachs Sport und in den Alltag – Kita, Schulpause, Nachmittag im Park. «Wenn wir Kinder stärken wollen, müssen wir ihnen mehr Möglichkeiten für Bewegung, Spiel und Sport eröffnen», sagt sie.

Mehr als 51.000 Tests seit 2012

Das Fitnessbarometer 2026 basiert nach Angaben der Anbieter auf insgesamt 51.707 Motoriktests, die seit 2012 erhoben wurden. Untersucht wird stets, wie die Kinder bei verschiedenen motorischen Tests abschneiden. Betrachtet wird etwa, wie schnell sie einen 20-Meter-Lauf absolvieren, wie ausdauernd sie einen Sechs-Minuten-Lauf durchhalten oder ob sie rückwärts balancieren und Liegestütze machen können. Kindergartenkinder absolvieren vier, Grundschulkinder acht Testaufgaben. An den Motorik-Tests nahmen im Jahr 2025 insgesamt 6.432 Kinder an 325 Orten in Baden-Württemberg in Kitas, Grundschulen und Sportvereinen teil.

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