Er hoffe, dass der Trainer zumindest ein paar leichte Kopfschmerzen bekomme, sagte Fabian Bredlow neulich schmunzelnd. Was er damit meinte: Sebastian Hoeneß soll die Entscheidung, wer nach der aktuellen Länderspielpause das Tor des VfB Stuttgart hütet, so schwer wie möglich fallen.
Bredlow hat seinen Teil dazu beigetragen - als tadelloser Stellvertreter des in der ersten Saisonphase verletzten Dennis Seimen. Doch dieser kommt seinem Comeback nun immer näher. Am 10. Oktober ist der VfB das nächste Mal in der Fußball-Bundesliga gefordert - bei Seimens Ex-Club SC Paderborn. Die Zeit bis dahin könnte dem 20-Jährigen reichen, um vollständig fit zu werden.
Hoeneß: Ursprüngliche Idee nicht verändert
Verdrängt der junge Seimen den routinierten Bredlow dann wieder auf die Bank? Es ist davon auszugehen, haben die Stuttgarter ihr Eigengewächs in diesem Sommer doch erst zur Nummer eins befördert. «Die ursprüngliche Idee, die wir hatten, haben wir nicht verändert», sagte Hoeneß zuletzt. Nicht, ohne Bredlow für dessen Leistungen und den Umgang mit seiner Rolle zu loben.
Macht Seimen nach seiner im Juli erlittenen Muskelverletzung im Oberschenkel weiter so Fortschritte wie zuletzt, dürfte er das Rennen um den Platz zwischen den Pfosten aber für sich entscheiden. Womöglich bringen schon die Testspiele des VfB gegen den 1. FC Heidenheim am Freitag und gegen die SpVgg Greuther Fürth am darauffolgenden Donnerstag neue Erkenntnisse.
Seimen wird seit Jahren herangeführt
Jahrelang haben die Stuttgarter den hochtalentierten Seimen auf dessen Bundesliga-Premiere vorbereitet. Schritt für Schritt haben sie ihn herangeführt, einer davon war die erfolgreiche Leihe in der Vorsaison nach Paderborn zum damaligen Zweitligisten.
Dass die Schwaben Seimen nach dem Abschied von Alexander Nübel im Sommer zur neuen Nummer eins erklärten, war mutig. Dass der Youngster nach dem Fehlstart des VfB nun einer womöglich etwas verunsicherten Mannschaft Halt geben soll, macht die Aufgabe noch anspruchsvoller. Mit Bredlow hatten die drei Niederlagen in den bisherigen vier Liga-Spielen jedoch wenig zu tun.
Viel Lob für den tapferen Stellvertreter
Es sei richtig gewesen, nach Seimens Ausfall im Transfer-Endspurt nicht noch panisch einen externen Ersatz geholt zu haben und stattdessen auf Bredlow zu vertrauen, gab Sportvorstand Fabian Wohlgemuth neulich zu verstehen. «Wir haben sehr positiv zur Kenntnis genommen, dass Fabi genau das tut, was wir uns von ihm erhofft haben, dass er eine sehr starke Nummer zwei ist, dass er da ist, wenn er gebraucht wird», lobte auch Hoeneß den 31-Jährigen. Dieser habe einmal mehr bewiesen, «dass er ein richtig guter Torhüter ist».
Und doch geht's für Bredlow wohl zurück ins zweite Glied. Wieder mal. Seit 2019 trägt der gebürtige Berliner schon das VfB-Trikot, dauerhaft Stammkeeper war er seitdem nie. Erst stand Gregor Kobel im Weg, dann Florian Müller und schließlich der inzwischen für Besiktas Istanbul spielende Nübel. Bredlow nahm sein Schicksal immer klaglos an. Das wird auch im Duell mit Seimen so sein.
Seimen? Bredlow: «Ein geiler Typ»
Natürlich habe er mal darüber nachgedacht, ob er irgendwo anders die Nummer eins werden könnte, erklärte Bredlow als Studiogast des SWR zuletzt. Wirklich konkret seien diese Gedanken aber nicht gewesen. Er fühle sich wohl in Stuttgart und habe sich auch dort weiterentwickelt, meinte der Ex-Nürnberger.
Er habe in den vergangenen Wochen seine Leistung gebracht, sagte Bredlow nach der 0:1-Niederlage vorigen Samstag gegen Borussia Dortmund. Mehr könne er nicht tun. Mit Seimen verstehe er sich gut. «Wir sitzen in der Kabine nebeneinander», berichtete Bredlow sogar. «Er ist ein geiler Typ.» Und mit etwas Verspätung voraussichtlich schon bald Stuttgarts neue Nummer eins.
Von Christoph Lother, dpa
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