Hagel in Yad Vashem: «Extremismus zerstört Menschenleben»
In Jerusalem wird Manuel Hagel besonders bei der Erinnerung an ermordete Kinder schwer ums Herz. Der dreifache Vater zieht daraus Schlüsse für die Gegenwart.
In Jerusalem wird Manuel Hagel besonders bei der Erinnerung an ermordete Kinder schwer ums Herz. Der dreifache Vater zieht daraus Schlüsse für die Gegenwart.
Der baden-württembergische Innenminister Manuel Hagel hat bei einem Besuch der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem zu einem entschlosseneren Kampf gegen Extremismus aufgerufen. «Die Bilder gerade hier im Nahen Osten, im Heiligen Land, zeigen, dass Extremismus am Ende immer zerstört und dass Extremismus am Ende immer Menschenleben kostet», sagte der CDU-Politiker der dpa auf die Frage, ob er es für möglich halte, dass sich dieses Unheil wiederholen könnte, wenn die AfD irgendwann regieren sollte. «Und deshalb treten wir ihm so entschieden entgegen.»
Yad Vashem in Jerusalem ist die größte Holocaust-Gedenkstätte der Welt. Hagel legte einen Kranz an dem Mahnmal nieder. «Morgen am 9. November jährt sich die Reichsprogromnacht», sagte er. Die Polizei habe damals zugesehen und nicht geholfen, als Synagogen brannten und Menschen entführt wurden. Heute stehe die Uniform und die Polizei für das Gegenteil: Minderheiten und jüdisches Leben zu schützen. Auch der Stuttgarter Polizeipräsident Markus Eisenbraun begleitet Hagel bei der Reise. «Eine Demokratie muss wehrhaft sein», sagte Hagel.
Der 38-Jährige zeigte sich persönlich betroffen beim Besuch der Gedenkstätte. Gerade bei der Erinnerung an die vielen ermordeten Kinder werde ihm «sehr, sehr schwer ums Herz», sagte Hagel, der selbst dreifacher Vater ist. Es sei eine Aufgabe für alle, dass dieses unermessliche Leid nie wieder geschehe.
Cyberabwehr und Gedenken
«Die Grenzen zwischen innerer und äußerer Sicherheit verschwimmen immer mehr», sagte Hagel. Darauf gebe man zwei Antworten: Bildung und Wissen einerseits und der Schutz der Verfassung andererseits. Man werde den Feinden der Demokratie mit aller Härte entgegentreten - egal ob sie von links oder rechts kommen.
Baden-Württembergs Innenminister befindet sich auf einer mehrtägigen Reise durch Israel. Dabei geht es um den Schutz vor Cyberangriffen, die Abwehr von Drohnen und das Gedenken an die Opfer des Hamas-Terrors. Am Montag, dem Jahrestag der Novemberpogrome von 1938, ist ein Besuch der Gedenkstätte auf dem Gelände des Nova-Musikfestivals geplant. Dort hatten Terroristen beim Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 viele Menschen ermordet.
Hagel betonte die besondere Zeit, in der sein Besuch stattfinde. «Freundschaft zeigt sich in schweren Zeiten», sagte er kurz vor dem Abflug. «Israel hat Monate hinter sich, die das Land tief verwundet haben. Gerade jetzt ist es richtig, hinzufahren, zuzuhören und Brücken zu bauen. Echte Freunde kommen, wenn es schwer ist.» Geplant ist auch ein Besuch im Westjordanland, bei dem es um Folgen von Siedlergewalt geht.
Hagel ist seit Mai Innenminister und stellvertretender Regierungschef von Baden-Württemberg. Es handelt sich um die bislang größte Reise in seiner neuen Rolle. Im September hatte er die Ukraine besucht - dort ging es um Drohnentechnik. Bei der Cyberabwehr will Baden-Württemberg von Israel lernen. «Wer schneller handelt als der Angreifer, gewinnt. Genau diese Geschwindigkeit wollen wir verstehen und nach Baden-Württemberg holen», so Hagel.
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