Auch in den kommenden Tagen wird die Hitze im Land festsitzen.
Markus Lenhardt/dpa
Auch in den kommenden Tagen wird die Hitze im Land festsitzen.
Wetter

Hier könnte Hitzehoch «Hartmut» den Temperaturrekord brechen

Ist das der heißeste Juni-Monat aller Zeiten? Der Wetterdienst erwartet neue Allzeit-Höchstwerte. Was das für einzelne Regionen bedeutet - und wann die Abkühlung kommt.

Baden-Württemberg ächzt unter der Hitzeglocke des Hochs «Hartmut» und steuert auf einen neuen Temperaturrekord zu. Die Temperaturen steigen nach einer Prognose des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bis zum Wochenende von Tag zu Tag. «Am Samstag kommt dann der Höhepunkt der Hitzewelle samt neuer Hitzerekorde», kündigte der DWD an.

«Wir werden verbreitet einen Allzeit-Höchstwert für den Monat Juni sehen, das ist zu 99 Prozent wahrscheinlich», sagte DWD-Experte Kai-Uwe Nerding der Deutschen Presse-Agentur. Besonders heiß werde es nördlich von Karlsruhe, in der Kurpfalz sowie im Breisgau. «Es geht aber am Samstag auch bis rüber an die Tauber», hieß es weiter. Selbst im Bergland und im Allgäu werde die Temperatur auf bis zu 35 Grad steigen.

Hoher UV-Wert gefährdet Haut innerhalb von Minuten 

Der DWD warnte aber bereits für die kommenden Tage vor extremer Wärmebelastung bis zu einer Höhe von 400 Metern. In mindestens einer Region werde bereits am siebten Tag in Folge gewarnt, teilte der Wetterdienst mit. Zusätzlich weist der DWD auf sehr hohe UV-Index-Werte hin. Ist er hoch, kann das die Haut und die Augen schneller schädigen - und das bei ungeschützter Haut schon nach wenigen Minuten. 

Wegen des hohen Sonnenstandes, der fehlenden Wolken und des relativ niedrigen Ozongehalts in der Atmosphäre über Deutschland könnten in dieser Woche UV-Index-Werte von 10 im Südwesten erreicht werden, teilte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) mit. Damit würde der höchste gemessene Wert in Baden-Württemberg, ein UV-Index von 10 am 29. Juni vergangenen Jahres an der Messstation Schauinsland, erreicht werden. Im Südwesten erreicht der Index laut BfS typischerweise Spitzenwerte von 8 bis 9. 

 Ärzte warnen: Die Hitze kann auch tödlich sein

Mit eindringlichen Worten warnt die Landesärztekammer vor den Risiken der Hitzewelle. Besonders gefährlich seien die Temperaturen für ältere Menschen, für Schwangere, chronisch Kranke, Obdachlose und für die Menschen, die im Freien arbeiteten. 

«Bei Hitze kann das körpereigene Kühlsystem - gerade bei älteren Menschen - überlastet werden», sagte Wolfgang Miller, der Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg. Kreislaufprobleme könnten eine Folge sein, im Extremfall begünstige die Hitze auch Herzinfarkte und Schlaganfälle. 

Hitze könne jederzeit zum medizinischen Notfall werden und bei längeren Episoden steige die Sterblichkeit signifikant an, warnte der Klimaschutzbeauftragte der Kammer, Robin Maitra. Direkte Sonne müsse gemieden und körperliche Anstrengung in die kühleren Morgen- und Abendstunden verlegt werden. Wichtig sei es vor allem, ausreichend zu trinken.

Noch nie 40 Grad im Juni in Deutschland

Hitzewellen mit fünf bis sechs Tagen über 30 Grad, teils sogar über 35 Grad gibt es eigentlich eher im Juli oder August. Temperaturen von 40 Grad im Juni hat es in Deutschland auch noch nie gegeben. Heißer als 39,6 Grad - gemessen am 30. Juni 2019 in Bernburg (Sachsen-Anhalt) - war es in diesem Monat bislang nicht. Der bisherige Juni-Rekord für Baden-Württemberg liegt bei 38,9 Grad, aufgestellt am 30. Juni 2019 in Mannheim.

Sogar der höchste in Baden-Württemberg jemals gemessene Wert könnte fallen: «Das wird aber knapp», sagte Nerding. Diesen Rekord hält nach DWD-Messungen bislang Bad Mergentheim: Dort wurden am 20. Juli 2022 40,4 Grad gemessen.

Tropische Nächte am Oberrhein

Auch nachts kühlt es nach der Tageshitze kaum ab - Wetterexperten sprechen von tropischen Nächten. Denn die Tageshöchstwerte werden zu dieser Jahreszeit am späten Nachmittag oder frühen Abend zwischen 17 und 18 Uhr erwartet. Das hat laut DWD mit den langen Tagen und damit einhergehender langer Sonneneinstrahlung zu tun. Es dauere dann lange bis es langsam runterkühle. Die Tiefstwerte würden nur kurz etwa zum Sonnenaufgang erreicht. 

Vor allem entlang des Oberrheins sinken die Temperaturen laut DWD daher teils nicht unter 20 bis 24 Grad. Wohnungen und Gebäude können kaum noch auskühlen. Neue Wärmerekorde bei der Tiefsttemperatur seien zu erwarten, sagte der DWD-Meteorologe.

Erst am Sonntag ziehen Wolken auf; der DWD erwartet auch Gewitter. «Aber so richtig abkühlen wird es erst, wenn die Gewitterlinie in der Nacht zum Montag durchgezogen ist», so Nerding.

© dpa-infocom, dpa:260624-930-272707/3
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