«Ich bin jetzt mal raus» - Harald Glööckler sucht das Weite
Er hat Mode gemacht, Schmuck entworfen und aus seinem Namen eine Marke geschaffen. Nun gönnt sich der extravagante Designer den vielleicht größten Luxus: Abstand. Ein Besuch.
Er hat Mode gemacht, Schmuck entworfen und aus seinem Namen eine Marke geschaffen. Nun gönnt sich der extravagante Designer den vielleicht größten Luxus: Abstand. Ein Besuch.
Harald Glööckler ist weg. Vier Jahre Berlin liegen hinter ihm, nun zieht es den schillernden Modemacher in die Provinz. In die Pfalz, nach Kirchheim. Garten statt Großstadtdschungel. Wer ihn in seinem dortigen Château Pompöös besucht, merkt schnell: Glööckler ist nicht einfach umgezogen. Er sucht Abstand. «Es wurde mir schlicht zu viel», sagt der 61-Jährige. Berlin möge er weiterhin. «Aber ich bin jetzt mal raus».
Durchgestylt und im Scheinwerferlicht: Eigentlich kennt man den in Maulbronn (Baden-Württemberg) geborenen Künstler nur so. Aber schon im RTL-Dschungelcamp überraschte er 2022 viele mit tiefgründigen Gedanken. Glööckler hatte sich einst beim Teleshopping einen Namen gemacht und entwirft unter dem Begriff «Pompöös» von Mode und Schmuck über den Hundenapf mit Krönchen bis zur Tapete fast alles. Make-up, glitzernde Kleidung und ein pechschwarzer Bart sind zum Markenzeichen geworden.
Ein Château wird wieder wach
Nun also Kirchheim, das rund 2.000 Einwohner zählende Weindorf, in das Glööckler erstmals 2015 gezogen war. Seine Freunde in der Hauptstadt hätten Verständnis, sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Berlin sei anstrengend, schmutzig und energieraubend geworden.
Kirchheim ist Lebensmittelpunkt, aber sein Terminkalender ist voll. Basel, Wien, Frankreich - Glööckler bleibt unterwegs. Doch wenn er zurückkehrt, sagt er, wartet ein Ort, der sich wie ein Zuhause anfühlt.
Die alte neue Heimat ist eine Villa aus 1927, rund 300 Quadratmeter groß, elf Zimmer, drei Etagen. Drumherum liegt ein etwa 1.800 Quadratmeter großer Garten. Glööckler wollte das Anwesen nach seiner Scheidung 2023 verkaufen. Nach 35 Jahren Beziehung, sagt er, wollte er ein neues Kapitel aufschlagen. Das Chateau Pompöös wurde ausgeräumt, Glööckler zog nach Berlin.
Ikarus darf laufen, Glööckler darf atmen
Vor einiger Zeit kam er kurz zurück - und Ikarus war dabei. Der zehn Monate alte Papillon erkundete das Anwesen «und wollte nicht mehr weg». Statt Verkauf also Neustart. Die Villa wurde eingerichtet, heller und luftiger. «Weniger Versailles, mehr Südfrankreich», sagt Glööckler. Das Erdgeschoss ist Galerie, oben ist privat.
Vor allem aber ist da der Garten. In Berlin habe er diese Ruhe vermisst. Dort sei seine Popularität zuletzt noch einmal geradezu explodiert. In Kirchheim kann er aufstehen, Kaffee trinken, den Hund hinauslassen und in den Tag kommen.
Er setze sich schon mal unter einen Baum und warte auf die Erleuchtung, sagt er augenzwinkernd. «Ich komme mir dann vor wie Buddha.» Ein Satz zwischen Selbstironie, großer Geste und Bedürfnis nach innerer Ruhe. Er habe sich wiederfinden müssen, sagt er. Offenbar hilft dabei ein 99 Jahre altes Haus mit Garten. Ikarus darf rennen. Sein Herrchen darf sitzen. Und beide müssen gerade nirgendwohin.
Die Provinz ist keine Pause
Doch Glööckler bleibt Glööckler. Sein Rückzug ist keine Auszeit. In Basel steht eine Modenschau an, zudem arbeitet er an einer Auktion im Kunsthaus Bad Vilbel. Eine Taschenkollektion kommt, eine neue T-Shirt-Kollektion, eine Kaftan-Linie. Podcasts und Streamingformate entstehen. Im Oktober steht eine Vernissage in Hamburg an. Und bei der Frankfurter Buchmesse will Glööckler ein neues Buch präsentieren.
Und da ist die Show «Jede Frau ist eine Prinzessin» in Berlin. Die Hauptstadt bleibe Teil seines Lebens, sagt er. Nur eben nicht mehr Mittelpunkt. Vier Jahre Großstadt haben etwas in ihm verschoben. Er habe es vermisst, aus dem Haus zu gehen, ohne sich zurechtzumachen, sagt er. In Kirchheim sei das möglich. Hier muss Harald beim Schritt vor die Tür nicht erst zu Glööckler werden.
Zurück zu sich selbst
So sitzt der Designer nun in der Pfalz zwischen Kunst, Geschäftsideen und Erinnerungen und gelegentlich unter einem Baum. Glööckler will sich den Luxus leisten, dort zu sein, wo er gerade sein möchte. «Ich habe erst mal beschlossen, den Sommer hier zu verbringen», sagt er.
Für Glööckler ist es mehr als eine alte Villa, die verkauft werden sollte. Es ist ein Gegenentwurf zur Stadt, ein Ort zum Arbeiten und gleichzeitig zum Verschnaufen. Einer, an dem er Kunst zeigen, Geschäfte anbahnen und Kollektionen entwickeln kann. Und Ideen - wie vor wenigen Jahren die Gestaltung eines Fensters der Jakobuskirche in Rümmingen (Kreis Lörrach).
Vielleicht ist das die überraschendste Seite des neuen Glööcklers: Hinter dem Glitzer, den großen Auftritten und dem unermüdlichen Geschäftssinn steht gerade ein Mann, der etwas Ruhe sucht. Während Berlin weiter rauscht, bellt irgendwo in Kirchheim ein Papillon. Ikarus ist angekommen. Harald Glööckler offenbar auch.
Von Wolfgang Jung (Text) und Uwe Anspach (Foto), dpa
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