Zukünftig arbeitet Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) nicht nur in einer Villa, er wird auch in Zukunft gemeinsam mit seiner Ehefrau Flavia Zaka in einer Villa leben. Özdemir und seine Ehefrau werden in die Dienstvilla des Ministerpräsidenten auf dem Gelände von Schloss Solitude am Stuttgarter Stadtrand ziehen, wie eine Sprecherin des Finanzministeriums mitteilte. Zuvor hatte der «Südkurier» berichtet.
Wann der Einzug stattfinden wird, ist noch nicht klar. «Derzeit finden bauliche Maßnahmen statt, weil das Gebäude nach einer grundlegenden Sanierung im Jahr 2006 ohnehin sanierungsbedürftig war», sagte die Sprecherin. Unter anderem wird das Gebäude energetisch saniert. Es würden Fenster und Türen erneuert, eine PV-Anlage montiert sowie eine Wärmepumpe installiert, teilte die Sprecherin mit. Außerdem würden das Dach saniert, die Fassade gestrichen und die Böden ausgebessert.
Auf Fotos ist zu sehen, dass das Gebäude bereits fast komplett eingerüstet ist, vor dem Haus sind Container und Fahrzeuge von Handwerksfirmen erkennbar.
«Äußerst sicherheitsrelevante Angelegenheit»
Weitere Details wollte die Sprecherin nicht nennen, es handle sich um eine sensible und äußerst sicherheitsrelevante Angelegenheit. Sicherheitsgründe dürften auch mit ein Grund für den Umzug Özdemirs in die Dienstvilla sein. Seit seiner Rückkehr aus Berlin lebt der Grünen-Politiker in einer Wohnung in der Stuttgarter Innenstadt.
Die Bewachung des Regierungschefs dürfte für die Beamten des Landeskriminalamts in der Ministerpräsidentenvilla deutlich einfacher zu organisieren sein als in der dicht besiedelten Innenstadt.
Die Dienstvilla liegt auf dem Gelände des Schlosses Solitude acht Kilometer westlich des Stuttgarter Zentrums. Dem vom Herzog von Württemberg, Karl Eugen, zwischen 1763 und 1767 erbauten Schloss war ein Wirtschaftsgebäude angegliedert. An dessen Stelle wurde in den Jahren 1968/69 während der Regierungszeit von Ministerpräsident Hans Filbinger (CDU) eine zweigeschossige Villa errichtet, die ganz auf die Wohnbedürfnisse seiner Familie mit fünf Kindern zugeschnitten war.
Zuletzt nutzte Trumpf das Gebäude für Tagungen
Von 1985 an nutzte der damalige Ministerpräsident Lothar Späth (CDU) die Villa, wie das Finanzministerium mitteilte. Zwischen 1997 und 2004 war das Gebäude mehrfach privat vermietet, von 2006 wohnte dort der damalige Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU).
Von 2013 bis 2026 war die Liegenschaft an die Firma Trumpf für Tagungen und Fortbildungen vermietet. Trumpf mit dem Firmensitz im nahen Ditzingen (Kreis Ludwigsburg) gilt als einer der international führenden Hersteller von Werkzeugmaschinen und Lasertechnologie.
Das Schloss Solitude mit seiner Parkanlage ist ein beliebtes Ausflugsziel in der Region. Die Stadt Stuttgart bietet in dem Gebäude auch standesamtliche Trauungen an.
Gerlinde Kretschmann war die Dienstvilla als Zweitwohnsitz zu teuer
Özdemirs Vorgänger im Amt, Ex-Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), nutzte die Dienstvilla nicht und blieb mit seiner Frau Gerlinde lieber in seiner Heimat Laiz bei Sigmaringen wohnen. Eine Wohnung in der Stadt kam auch aus Kostengründen nicht infrage: «3.000 Euro Miete, so plus-minus, natürlich kalt, unmöbliert, das ist mir einfach zu teuer für eine Zweitwohnung. Und ich bin Schwäbin», sagte Gerlinde Kretschmann 2011 dem SWR.
Kretschmann selbst argumentierte damals mit der Größe der Villa: «Das Haus ist für mich und meine Frau einfach zu groß», sagte er der «Bild»-Zeitung.
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