US-Profi Ben Shelton feiert den Tennis-Titel in Stuttgart.
Marijan Murat/dpa
US-Profi Ben Shelton feiert den Tennis-Titel in Stuttgart.
ATP-Turnier

Lob von Becker: Shelton holt Rasen-Titel in Stuttgart

US-Tennisprofi Ben Shelton ringt im Stuttgarter Endspiel den Vorjahressieger nieder und erhält Lob von Boris Becker. Auch ein deutsches Duo jubelt am Schlusstag.

Lachend nahm US-Tennisprofi Ben Shelton die Siegertrophäe entgegen, dann regnete Konfetti auf ihn nieder. Mit dem dreimaligen Wimbledonsieger Boris Becker als Zuschauer hat der Weltranglisten-Fünfte auch die Endspiel-Kraftprobe auf dem Weissenhof gemeistert und in Stuttgart seinen ersten Rasentitel gefeiert. 6:4, 2:6, 6:4 lautete das Ergebnis aus Sheltons Sicht im amerikanischen Finale gegen den Vorjahressieger Taylor Fritz.

«Ich kann kaum noch reden. Ich habe kaum noch Energie, ich bin nur noch müde», sagte der 23-Jährige angesichts seines Programms in dieser Woche. Schmunzelnd schob er über die Konfetti-Schnipsel auf dem Rasen hinterher: «Das wird ein Alptraum, das wieder sauberzumachen.» 

Vor gut 5.000 Zuschauern auf dem ausverkauften Centre Court, darunter auch Fußball-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus und Sheltons Freundin Trinity Rodman, hatte der US-Profi zuvor nach 1:48 Stunden seinen ersten Matchball verwandelt. Vor knapp zwei Monaten feierte Shelton den Titel beim Sandplatz-Turnier in München. Nun bewies der Linkshänder seine Klasse auch auf Rasen. 

Lobende Worte von Boris Becker

«Es bedeutet mir viel», sagte Shelton, der ein Preisgeld von 116.855 Euro erhielt und reichlich Selbstvertrauen für den in zwei Wochen startenden Grand-Slam-Klassiker in Wimbledon mitnahm. Auch von Becker erhielt er Lob. «Körperlich unglaublich fit, aber auch geistig immer an sich geglaubt. Großes Potenzial der Junge», urteilte der dreimalige Wimbledonsieger.

Sheltons Weg zu seinem sechsten ATP-Titel war ein Kraftakt. All seine vier Matches gingen über drei Sätze. Am Freitag und Samstag hatte Shelton Doppelschichten hinter sich bringen müssen, weil er nach Regenverzögerungen seine Matches an den Abenden zuvor nicht zu Ende spielen konnte. Im Achtelfinale musste die Nummer eins der Setzliste zudem einen Matchball, im Halbfinale sogar zwei Matchbälle abwehren. Der 28-jährige Fritz hatte 2025 im Endspiel noch den deutschen Spitzenspieler Alexander Zverev besiegt.

Reichlich Applaus für deutsches Duo

Trotz der Absage von French-Open-Sieger Zverev gab es am Schlusstag auch deutschen Jubel. Jan-Lennard Struff und Yannick Hanfmann feierten überraschend den Doppel-Titel. Mit 11:9 entschieden Hanfmann und Struff den Matchtiebreak im Endspiel gegen Stefanos Sakellaridis aus Griechenland und Daniil Glinka aus Estland für sich. Zuvor hatte das Duo den ersten Satz 7:6 (7:2) gewonnen, den zweiten aber 3:6 verloren.

Zverev-Absage kein Streit-Thema

Zverevs Absage stieß angesichts seines Paris-Triumphs am Tag vor dem Turnierstart bei den Stuttgarter Veranstaltern auf Verständnis. «Für mich war es wichtiger, dass Sascha Zverev Paris Grand Slam gewonnen hat, als dass er hier gespielt hätte», sagte Turnierdirektor Edwin Weindorfer. 

«Es war ganz einfach von der Zeit her zu kurz. Du kannst dich nicht in 24, 48 Stunden von Sandplatz auf Rasen umstellen.» Die Vereinbarung der Boss-Open-Organisatoren mit Zverev gilt langfristig. 

«Ich hoffe, jetzt hat er ja den Titel, dass er nächstes Jahr nicht ins Finale kommt und wieder hier in Stuttgart spielt», meinte Weindorfer. Zverev dürfte dies anders sehen. Zunächst strebt der deutsche Spitzenspieler jetzt seine Titelpremiere im westfälischen Halle an - und anschließend einen Wimbledon-Coup. Der sportliche Höhepunkt der Rasensaison beginnt am 29. Juni.

Von Kristina Puck, dpa
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