Was nun? Die Trennung von Trainer Machulla wirft bei den Rhein-Neckar Löwen Fragen auf. (Archivbild)
Uwe Anspach/dpa
Was nun? Die Trennung von Trainer Machulla wirft bei den Rhein-Neckar Löwen Fragen auf. (Archivbild)
Handball-Bundesliga

Machtkampf und Misere: Daran scheiterte Löwen-Coach Machulla

Der Saisonstart mit den Rhein-Neckar Löwen ging daneben, doch nicht nur deshalb kam für Handball-Trainer Machulla das Aus. Auch wegen interner Konflikte muss sich der Club mal wieder neu aufstellen.

Nach den Wirrungen und sportlichen Enttäuschungen der Vorjahre sollte mit der Verpflichtung von Maik Machulla vieles besser werden bei den Handballern der Rhein-Neckar Löwen. Doch nur etwas mehr als ein Jahr nach dem Einstieg des Hoffnungsträgers muss sich der Bundesligist mal wieder neu aufstellen. Dem Fehlstart der Nordbadener folgte die Trennung von Machulla, der den deutschen Meister von 2016 und 2017 eigentlich schrittweise zurück in die nationale Spitze führen sollte. Sein Nachfolger ist der bisherige Co-Trainer Michel Abt.

Woran scheiterte Michel Machulla?

Zunächst einmal an der ausbleibenden sportlichen Entwicklung. Nach Rang acht in der Vorsaison stehen die Löwen mit mageren 7:9 Punkten erneut nur im Mittelfeld der Bundesliga, obwohl der Kader vor der Saison verstärkt wurde. Zuletzt kassierten die Mannheimer eine peinliche Heimniederlage gegen den Abstiegskandidaten ThSV Eisenach. Zuvor hatten sie mehrmals Partien verloren, weil sie teils deutliche Führungen in der Schlussphase verspielten. Auch beim Ausscheiden aus dem DHB-Pokal in Melsungen war das passiert. Die Mannschaft präsentierte sich insgesamt instabil, ein Lerneffekt blieb aus. Die Folge: Wieder einmal hängen die Löwen, die am Donnerstag (19.00 Uhr/Dyn) beim Tabellenzweiten THW Kiel antreten, dem eigenen Anspruch weit hinterher. Es droht die vierte Saison in Serie ohne Europapokal-Teilnahme.

Ist die sportliche Krise der einzige Grund für die Trennung?

Nein. Hinter den Kulissen rumorte es zuletzt gewaltig. Im April berief der Aufsichtsrat die Clubikone Uwe Gensheimer als Sportchef ab und übertrug die Kaderplanung an Machulla. Er war von diesem Zeitpunkt an nicht nur der Gewinner eines Machtkampfes, sondern auch der neue starke Mann im sportlichen Bereich. In Fan-Kreisen kam der Umgang mit Gensheimer aber überhaupt nicht gut an. Schnell war klar: Hat Machulla keinen Erfolg, holt das Thema den Club schnell wieder ein.

Wer ist der neue Cheftrainer Michel Abt?

Der 36-Jährige ist ein Kind des Vereins und entsprechend ein Mann mit Stallgeruch. Er kam bereits 2004 zu den Löwen und spielte dort zunächst in der Jugend, später auch in der Drittliga-Mannschaft und teilweise bei den Profis. Nach einer Knieverletzung konzentrierte sich Abt schon früh auf die Trainerkarriere und arbeitete im Nachwuchs der Löwen. Von Mai 2022 bis Sommer 2023 saß der gebürtige Heidelberger als Cheftrainer auf der Bank des Zweitligisten Eulen Ludwigshafen. Zur vergangenen Saison kehrte er als Assistent von Machulla zu den Mannheimern zurück. «Michel trägt die Löwen-DNA in sich», sagt Geschäftsführer Holger Bachert.

Wer übernimmt Machullas Aufgabe als Kaderplaner?

Bislang niemand. Abt wird laut Vereinsmitteilung das «Amt des Cheftrainers übernehmen», von Kaderplanung ist keine Rede. Allerdings haben die Löwen ihre wichtigsten Hausaufgaben für den Sommer 2027 schon erledigt. Der Verein verlängerte vor einiger Zeit die Verträge der Leistungsträger Haukur Thrastarson (bis 2028) und David Späth (bis 2029). Mit der Verpflichtung des Isländers Elvar Örn Jónsson vom SC Magdeburg steht der Königstransfer für den Sommer 2027 auch schon fest. Zuletzt hatte Geschäftsführer Bachert angekündigt, dass Machulla beide Rollen zunächst bis Saisonende ausfüllen wird. Gleichzeitig betonte er aber auch, dass der Verein perspektivisch die Aufgaben wieder aufteilen möchte.

Kommt es zum Comeback von Uwe Gensheimer als Sportchef?

Das ist schwer vorherzusagen. Momentan verantwortet der frühere Nationalspieler und mehrmalige «Handballer des Jahres» die Internationalisierung des Vereins und ist zusätzlich mit dem Aufbau eines Scouting-Netzwerks beauftragt. In Fan-Kreisen genießt Gensheimer jedoch höchstes Ansehen, während Geschäftsführung und Aufsichtsrat schwer in der Kritik stehen. Ein erneuter Aufstieg der Vereinsikone zum Sportchef wäre allerdings auch die nächste Rolle rückwärts bei den Löwen.

Von Rudolf Schiffmann, dpa
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