Im festgefahrenen Streit um die milliardenschwere Sanierung der Stuttgarter Oper soll der frühere baden-württembergische CDU-Regierungschef Günther Oettinger vermitteln. Der 72-Jährige werde eine Expertenrunde leiten, die Vorschläge zur Zukunft des weltgrößten Dreispartenhauses bündeln soll, teilten Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) und Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) mit. Zuvor hatte der SWR darüber berichtet.
Kluger Schachzug im grün-schwarzen Streit?
Oettinger war von 2005 bis 2010 baden-württembergischer Ministerpräsident und anschließend fast zehn Jahre EU-Kommissar in Brüssel. Der CDU-Politiker gilt als liberal und verfügt über gute Kontakte zu den Grünen. Er sei «eine Idealbesetzung für die Aufgabe des Moderators», sagte Nopper. «Es muss unser Ziel sein, mit dieser Expertenanhörung die wirtschaftlichste und sparsamste Lösung zu finden», sagte der Rathauschef weiter - und das möglichst bis zum Ende dieses Jahres.
CDU bremst Interimslösung
Allerdings treten die Christdemokraten bei dem Vorhaben auf die Bremse, die Fraktion lehnt die bislang geplante Interimsspielstätte als Ausweichbühne als nicht tragfähig ab. Das Ausweichquartier für Oper und Ballett soll während der Sanierung des historischen Littmann-Baus etwa zehn Jahre genutzt werden und bis zu 289 Millionen Euro kosten.
Neubewertung soll Optionen prüfen
Özdemir und Nopper hatten vor gut einer Woche eine «ergebnisoffene Neubewertung» des Projekts vorgeschlagen. Experten sollen unter anderem auch prüfen, ob der denkmalgeschützte Bau von 1912 saniert oder durch einen Neubau ersetzt werden soll. Die Planungen sollten nach ihrem Vorschlag zunächst parallel weiterlaufen.
Wie teuer das Gesamtprojekt wird, ist unklar. Eine Berechnung aus dem Jahr 2019 ging von rund einer Milliarde Euro aus. Die Kosten teilen sich Land und Stadt. Ein Neubau wäre nach früheren Berechnungen eines Gutachters allerdings nicht automatisch günstiger. Die Stadt kam 2019 für eine Beispielrechnung auf 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro. Zudem müsste der denkmalgeschützte Littmann-Bau auch bei einem Neubau saniert werden.
Vor mehr als zehn Jahren hatten sich Land und Stadt grundsätzlich auf die Sanierung verständigt. Das Vorhaben umfasst neben der Modernisierung der Oper die Ausweichspielstätte und ein Kulissenlager.
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