Millionenschwere Hehlerei - und ein Fußballverein mischt mit
Edelmetalle im Wert von 50 Millionen Euro: Hinter der Fassade eines Pforzheimer Unternehmens haben Betrüger ihre Beute zu Bargeld gemacht.
Edelmetalle im Wert von 50 Millionen Euro: Hinter der Fassade eines Pforzheimer Unternehmens haben Betrüger ihre Beute zu Bargeld gemacht.
Zwei Männer aus Pforzheim sollen mit gestohlenen Edelmetallen einen schwunghaften Handel betrieben und einen millionenschweren Gewinn eingefahren haben. Sie vertrauten dabei nach Überzeugung der Ermittler auch auf die Hilfe eines Fußballvereins. Die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart erhob nach eigenen Angaben Anklage gegen den Deutschen und den Türken. Ihnen wird gewerbsmäßige Bandenhehlerei in 190 Fällen sowie Geldwäsche vorgeworfen.
Laut Anklage kauften sie hinter der Fassade eines Edelmetallunternehmens gestohlene Materialien im Wert von rund 50 Millionen Euro an, schmolzen sie ein und machten sie zu Geld, wie die baden-württembergische Behörde mitteilte.
Das Landgericht Mannheim muss nun entscheiden, ob es die Anklage zulässt und einen Prozess ansetzt. Die beiden Männer sitzen seit Mitte März in Untersuchungshaft.
Eingeschmolzen und umgewandelt
«Die Anklage geht davon aus, dass die beiden Angeschuldigten mit ihrem Unternehmen Gewinne in Millionenhöhe erzielten», teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit. Sie kauften demnach gestohlene edelmetallhaltige Stoffe an. Diese schmolzen sie unter anderem in einer Halle im Kreis Calw ein, um die Herkunft zu verschleiern, und wandelten sie schließlich in Edelmetalle und Geld um, bevor sie einen Teil der Erlöse ins Ausland schafften.
Unter anderem wurden laut Behörde im vergangenen Februar am Flughafen Stuttgart fast 218.000 Euro sichergestellt. Für den Schmuggel sollen die beiden Männer kurz vor dem Check-in für einen Flug nach Antalya (Türkei) 27 Mitwissenden - alle von ihnen Mitglieder eines inzwischen insolventen Pforzheimer Fußballvereins - Briefumschläge mit jeweils 4.000 bis 9.900 Euro übergeben haben. «Das Geld sollte nach der Ankunft in der Türkei wieder an die Händler zurückfließen», teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit. Gegen die Empfänger wird wegen des Verdachts der Geldwäsche ermittelt.
Im Kampf gegen Geldwäsche seien Fälle oft nicht sofort in ihrem vollen Ausmaß zu erkennen, sagte der baden-württembergische Justizminister Moritz Oppelt (CDU). Das zeige auch der Fall aus Pforzheim. «Aus einem Bargeldschmuggel sind inzwischen Ermittlungen zu einer umfangreichen Bandenhehlerei im Millionenbereich geworden», sagte Oppelt und fügte hinzu: «Das veranschaulicht das Motto der Ermittler, dem sich die Taskforce Finanzkriminalität verschrieben hat: 'follow the money', denn schmutziges Geld hinterlässt Spuren.»
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