Sie sollen «Antifaschweine!» und «Wir bringen dich um!» gerufen und dann ein vermeintliches Antifa-Mitglied in Stuttgart-Nord angegriffen und lebensgefährlich verletzt haben. Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Stuttgart behaupten die Angeklagten im Alter von 22 und 19 Jahren nicht die Absicht gehabt zu haben, den Geschädigten zu verletzten oder gar umzubringen, die Vorwürfe sprechen aber nicht für sie.
Die Staatsanwaltschaft beschuldigt die beiden Freunde des versuchten Mordes und der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung an einem heute 45-Jährigen – mutmaßlich aus rechtsextremer Motivation. Ende April wurden die Männer festgenommen, seitdem sitzen sie in Untersuchungshaft. Dem 19-Jährigen zufolge lernten sich die beiden erst knapp einen Monat vor der Tat kennen.
Angeklagter sei zuvor mit Hakenkreuz-Jacke unterwegs gewesen
Dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft zufolge war die Tat von den beiden Angeklagten geplant. So habe der 19-Jährige bereits Anfang April – wenige Tage vor der Tat – Schraubenschlüssel und Messer im Internet bestellt. Bereits vor dem Tatabend sei es wegen unterschiedlicher politischer Einstellungen zu Streits zwischen dem 22-Jährigen und dem späteren Opfer gekommen. Dem 19-Jährigen zufolge habe dies unter anderem daran gelegen, dass sein Freund mit einer Jacke mit Hakenkreuz darauf herumgelaufen sei, das sei «provokant» gewesen.
Zum Tatabend Ende April gehen die Erzählungen von Angeklagten und Opfer auseinander. Der Geschädigte sagte, die Angeklagten hätten auf ihn «gelauert». Laut Vorwurf der Staatsanwaltschaft passten ihn die Angeklagten ab.
Der 19-Jährige behauptete, dass sein Freund am Abend durch mehrfache lautstarke «Heil Hitler!»-Rufe «Linksradikale gelockt habe». Kurz darauf seien sie zufällig auf den damals 44-Jährigen getroffen. Dieser habe den 22-Jährigen dann als «Scheiß Nazi!» beschimpft.
Der Staatsanwaltschaft zufolge kam es im weiteren Verlauf zu einem Streit, bei dem der 19-Jährige «Wir bringen dich um! Scheiß Antifa!» rief. Dann sollen die Angeklagten den Mann mit einem Schraubenschlüssel mehrfach in Richtung des Kopfes geschlagen und ihm zweimal mit einem Messer in den Brustkorb gestochen. Daraufhin seien sie geflüchtet.
Nur dank einer sofortigen Notoperation habe der lebensgefährlich verletzte Mann überlebt. Die Angeklagten gaben die Taten zwar zu, behaupteten jedoch, den Mann niemals verletzen oder töten zu wollen.
Angeklagter laut seines Freundes «rechtsextrem»
Der Geschädigte sagte vor Gericht er glaube nicht, dass die Tat «eine spontane Sache» gewesen sei. Einer der Angeklagten sei ihm zufolge «ein Skinhead wie aus dem Bilderbuch». Der 45-Jährige sei dem 22-Jährigen vor der Tat regelmäßig begegnet und habe sich mehrfach von ihm bedroht gefühlt. Er wolle sich «aus solchen Sachen» aber lieber raushalten, als alleinerziehender Vater habe er genug um die Ohren.
Am Tatabend trug er einen Aufnäher auf seinem Rucksack, auf dem ein Männchen zu sehen war, welches ein Hakenkreuz in einen Mülleimer wirft. Auf Nachfrage zum Begriff Antifa sagte er lediglich, er sei Gewerkschaftsmitglied.
Laut Staatsanwaltschaft sei es dem 22-Jährigen bei der Tat unter anderem darum gegangen «in der rechten Szene gefeiert zu werden». Auch der 19-Jährige bezeichnete seinen Freund vor Gericht als «rechtsextrem». Und auch er sei eigenen Aussagen zufolge bis zur Haft rechtsextrem gewesen. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters was «ein Rechtsextremer» denn sei, antworte er «ein schlechter Mensch».
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