Die Deutsche Bahn setzt stark auf Bodycams für mehr Sicherheit in ihren Zügen. (Archivbild)
Uwe Anspach/dpa
Die Deutsche Bahn setzt stark auf Bodycams für mehr Sicherheit in ihren Zügen. (Archivbild)
Verkehr

So steht es um die Sicherheit in Bus und Bahn im Südwesten

Schläge gegen Kontrolleure, Angriffe auf Reisende, Beleidigungen: Im öffentlichen Nahverkehr passieren immer wieder Straftaten, zuletzt auch schwere. Aber: Die Zahlen zeichnen ein anderes Bild.

Im Stuttgarter Norden randaliert ein Mann auf einem Bahnsteig und bespuckt und beleidigt andere Fahrgäste. In Ludwigsburg greift ein Fahrgast einen Kontrolleur an und stiehlt dessen Handy. Nahe Karlsruhe eskaliert ein Streit zwischen einem Fahrgast und einem Sicherheitsmitarbeiter der Bahn so sehr, dass der Sicherheitsmann aus dem fahrenden Zug stürzt und schwer verletzt wird. 

Immer wieder kommt es im öffentlichen Nahverkehr zu Gewalt, Beleidigungen und Straftaten. Wie steht es um die Sicherheit in den Zügen und Bussen? Wie gehen die Mitarbeiter damit um? Und was tun die Verkehrsunternehmen, um Fahrgäste und Mitarbeiter zu schützen?

Die Zahlen

Schaut man in die Kriminalstatistik, ist Bahn- und Busfahren im vergangenen Jahr wieder sicherer geworden. Fahrgäste im Nahverkehr wurden im vergangenen Jahr seltener Opfer von Gewalt oder Aggression. Die Polizei erfasste 2025 in Baden-Württemberg 302 Opfer von sogenannten Aggressionsdelikten gegen Fahrgäste und damit gut zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Das geht aus einer Antwort des Verkehrsministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im Landtag hervor. Auch das Personal in den Zügen wurde demnach etwas seltener Opfer von Bedrohungen oder Körperverletzungen als noch im Vorjahr. 

Auch die Zahl der Straftaten im ÖPNV ging im vergangenen Jahr erneut zurück. Insgesamt erfasste die Polizei demnach 76.779 Straftaten etwa an Bahnhöfen, in Zügen und Bussen, an Haltestellen oder Gleisanlagen - und damit knapp elf Prozent weniger als noch im Jahr 2024. Der Rückgang geht demnach vor allem auf deutlich weniger ausländerrechtliche Verstöße zurück, es wurden also weniger Menschen wegen illegaler Einreise oder illegalen Aufenthalts in Bus und Bahn registriert. Um fast ein Fünftel (18,4 Prozent) sanken der Statistik zufolge die Fälle von Schwarzfahrern. 

Die Fahrgäste fühlen sich dem Ministerium zufolge sowohl an den Bahnhöfen als auch in den Zügen verhältnismäßig sicher. Aus Qualitätserhebungen des Landes geht demnach hervor, dass die Fahrgäste die Sicherheit am Bahnhof im vergangenen Jahr im Schnitt mit der Schulnote 1,9 bewerten. Die Sicherheit im Zug bewerteten sie mit einer 2,42 - und damit nur minimal schlechter als fünf Jahre zuvor.

Die Eindrücke von Mitarbeitern und Politik

Das Verkehrsministerium von Ministerin Nicole Razavi (CDU) ist mit den Werten recht zufrieden. «Vor dem Hintergrund der bundesweit steigenden Berichte über besonders drastische Vorfälle im Zug und am Bahnhof sind diese Zahlen für Baden-Württemberg als relativ positiv zu bewerten», heißt es in der Antwort auf die Anfrage der Grünen-Fraktion. Es gebe aber noch Raum für Verbesserungen, weswegen man sich weiter für mehr Sicherheit im Zug und am Bahnhof einsetzen werde. 

Zugbegleiter Patrick Bleichner, der seit drei Jahren in dem Beruf arbeitet, hat noch nicht viele brenzlige Situationen erlebt. «Das kommt sehr selten vor», berichtet er. In drei Jahren habe er noch keine größeren Probleme gehabt oder sei gar angegriffen worden, berichtet der Kundenbetreuer, der für den Bahnbetreiber Arverio im Regionalverkehr unterwegs ist. 

Die Maßnahmen

Bei Arverio setzt man auf Deeskalation und eine bewusste Kommunikation mit den Fahrgästen. Alle Kundenbetreuer seien entsprechend geschult, erklärt der Leiter Kundenbetreuung und Kundenservice, Efstathios Rafailidis. Bei einer Fahrkartenkontrolle mache es etwa einen großen Unterschied, mit welchen Worten der Betreuer auf die Fahrgäste zugehe. Auch wenn jemand keinen Fahrschein habe, könne man das mit behutsamer Sprache und guter Gestik oft ohne Eskalation klären. 

Künftig sollen die Mitarbeiter von Arverio aber auf Wunsch auch mit einer sogenannten Bodycam ausgestattet werden. Ab Januar sollen verschiedene Modelle erprobt werden, sagt Rafailidis. 

Die Deutsche Bahn (DB) setzt schon länger auf den Einsatz von Bodycams und hat damit positive Erfahrungen gemacht. «Die Bodycam wirkt bereits durch ihre sichtbare Nutzung deeskalierend», teilt ein Bahnsprecher mit. Durch die Möglichkeit, Straftaten mit der Kamera aufzuzeichnen, gingen die Vorfälle gegen Kolleginnen und Kollegen mit einer Bodycam gegen null. 35 Prozent der Kundenbetreuer in Baden-Württemberg würden die Bodycam derzeit auf freiwilliger Basis tragen.

Im Rhein-Neckar-Raum testet die DB außerdem ab Oktober zusätzlich eine Möglichkeit der Tonaufnahme bei Bodycams. «Hierüber können neben körperlichen Übergriffen auch verbale Attacken dokumentiert und zur Anzeige gebracht werden.» Nach der Testphase solle diese Funktion auch bundesweit eingesetzt werden.

Zudem sind in den Zügen der DB und auch in den Zügen von Arverio zu bestimmten Tageszeiten auch Sicherheitsmitarbeiter im Einsatz. Wie häufig Sicherheitspersonal eingesetzt wird, regelt das Land in den meisten Verträgen mit den Betreibern. Rafailidis von Arverio sagt, seine Kollegen seien froh über das Sicherheitspersonal und darüber, zu bestimmten Zeiten nicht alleine im Zug zu sein. Und Verkehrsministerin Nicole Razavi (CDU) rät grundsätzlich, den Fokus auf die Sicherheit der Mitarbeiter zu legen: «Keine Fahrkartenkontrolle ist es wert, dass jemand verletzt wird.»

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