Holt Serge Aubin seine fünfte Meisterschaft mit den Eisbären Berlin (Archivbild).
Andreas Gora/dpa
Holt Serge Aubin seine fünfte Meisterschaft mit den Eisbären Berlin (Archivbild).
DEL-Finale

Titel-Routiniers gegen Titel-Sehnsucht

Die Eisbären Berlin und die Adler Mannheim sind die beiden erfolgreichsten deutschen Eishockey-Clubs seit der DEL-Gründung. Von Freitag an kämpfen sie um den Titel. Erfolgsverwöhnter ist?

Angesprochen auf die dritte Finalserie nacheinander muss der aktuelle Erfolgscoach im deutschen Eishockey grinsen. Serge Aubin hat es mit seinen Eisbären Berlin tatsächlich wieder geschafft. Der Titelverteidiger steht wieder im Playoff-Finale der Deutschen Eishockey Liga, diesmal gegen die Adler Mannheim. Zum 15. Mal in den vergangenen 28 Jahren spielen die Berliner um den Titel. Kein Team ist seit der DEL-Gründung 1994 erfolgreicher. Alle elf bisherigen Meisterschaften holten die Eisbären in dieser Zeit.

Und trotzdem war in diesem Jahr nicht zwingend mit einer erneuten Final-Teilnahme zu rechnen. Die Hauptrunde schlossen die Eisbären nach vielen Verletzungssorgen nur als Sechster ab. Im Halbfinale gab es aber wieder ein letztlich überzeugendes 4:2 nach Siegen gegen den souveränen Hauptrundenmeister Kölner Haie. «Diese Gruppe macht mich wirklich sehr stolz», sagte Aubin ziemlich authentisch. Das Gesagte war ihm schlicht anzusehen. 

14 Playoffserien unter Aubin - keine ging verloren

Seit der Kanadier den Hauptstadtclub 2019 übernommen hat, gibt es eine Regel in der DEL: Wenn es die Eisbären in die Playoffs schaffen, werden sie auch Meister. Noch nie verloren die Berliner unter Aubin eine Playoff-Serie. Und immerhin gab es seitdem 14 davon. 2020, als der frühere Profi seine erste Saison als Trainer bestritt, wurde diese wegen der Corona-Pandemie nach der Hauptrunde - die damals übrigens der diesjährige Endspielgegner aus Mannheim gewann - abgebrochen. 2023 schafften es die Eisbären nach zwei Titeln in Serie mal nicht in die Playoffs. Sie hielten dennoch an Aubin fest. Zum Glück möchte man meinen. Zwei weitere Titel folgten.

Und nun eben wieder das Finale. «Als Eisbär ist das Ziel immer, deutscher Meister zu werden. Alles andere ist eine kleine Enttäuschung hier», sagte der im Halbfinale gegen Köln überragende Torhüter Jonas Stettmer bei MagentaSport. «Wir sind eine eingespielte Truppe. Wenn wir eines haben, dann ist es Selbstvertrauen in unsere Stärken», sagte Sturm-Routinier Marcel Noebels.

Mit diesem Mindset und ihrer Gewinner-Erfahrung zermürbten die Eisbären die Haie regelgerecht. Der frühere Berliner Profi Parker Tuomie bemerkte zerknirscht, auf dem Eis habe es sich so angefühlt, als hätte der Serienmeister stets mit einem Spieler mehr gespielt.

Adler das zweiterfolgreichste Team seit 1994

Auch vor den Adlern, die eine ähnlich starke Saison wie die Kölner spielten und Hauptrunden-Zweiter wurden, wird Berlin nicht zittern. Die vergangenen sieben Playoff-Duelle beider Clubs gewannen alle die Berliner. Mit sieben Titeln seit DEL-Gründung sind die Kurpfälzer das zweiterfolgreichste Team seit 1994.

«Der Charakter unserer Mannschaft ist unglaublich», sagte Adler-Kapitän Marc Michaelis, ein gebürtiger Mannheimer. «Wir sind ein eingeschworener Haufen.» Für ihn persönlich sei diese Finalserie das «Allergrößte».

Mannheim sehnt sich nach dem Titel

Von Freitag (19.30 Uhr/MagentaSport) an, wenn das erste Spiel in Mannheim stattfindet, wird sich zeigen, ob sich die Siegermentalität der Eisbären oder die Titelsehnsucht der Adler durchsetzt. Das von SAP üppig bezuschusste Team der Adler gilt als das finanzstärkste in Deutschland. Nach etlichen Fehlern in den vergangenen Jahren sind die Mannheimer aber erst wieder titelreif, seit sie Dallas Eakins die volle Macht im sportlichen Bereich gegeben haben.

Der 59-Jährige, der die kanadische und die US-Staatsbürgerschaft besitzt, ist sowohl Trainer als auch Sportdirektor in Mannheim. Die achte und bislang letzte Meisterschaft der Adler liegt nunmehr sieben Jahre zurück. Seitdem stand das Liga-Schwergewicht nicht mehr im Playoff-Finale. Man sei «dankbar» für diese Chance, sagte Eakins. Ob sein Team sie auch nutzen kann?

Von Carsten Lappe, Maximilian Wendl und Christoph Lother, dpa
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