Der Angeklagte hatte sich bereits am ersten Prozesstag über seinen Anwalt an die Angehörigen der Opfer gewandt. (Archivbild)
Marijan Murat/dpa
Der Angeklagte hatte sich bereits am ersten Prozesstag über seinen Anwalt an die Angehörigen der Opfer gewandt. (Archivbild)
Mutter und zwei Söhne sterben

Urteil erwartet: Muss der Todesfahrer von Esslingen in Haft?

Mit fast 100 Stundenkilometern erfasst ein Autofahrer in Esslingen mit seinem Wagen eine Mutter und ihre beiden Söhne. Am Donnerstag will das Gericht voraussichtlich ein Urteil sprechen.

Er soll mit seinem Auto bei einem Unfall eine Mutter und ihre beiden Söhne getötet haben: Heute wird vor dem Amtsgericht Esslingen das Urteil gegen den 55 Jahre alten Fahrer des Wagens erwartet. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem fahrlässige Tötung in drei Fällen vor. 

Er soll laut Anklage Ende Oktober 2024 beim Heranfahren an eine rote Ampel in Esslingen das Gaspedal mit dem Bremspedal verwechselt und dann sein Fahrzeug mit fast 100 Kilometern pro Stunde auf den Gehweg gelenkt haben. Dort erfasste das Fahrzeug eine 39 Jahre alte Frau und ihre beiden drei und sechs Jahre alten Söhne. Alle drei starben noch am Unfallort. Der Fahrer eines anderen Autos wurde leicht verletzt.

Der Unfallfahrer hatte sich bei den Angehörigen der Opfer am ersten Verhandlungstag entschuldigt. Was geschehen sei, habe auf unvorstellbare Art Leben zerstört und Familien in tiefste Trauer gestürzt, ließ der 55-Jährige über seinen Verteidiger ausrichten. Das Geschehen und dessen furchtbare Folgen täten ihm von Herzen leid. «Mir ist bewusst, dass nichts, was ich sage, den Verlust lindern kann.» Ansonsten habe sich der Angeklagte weder zur Sache noch zur Person geäußert, sagte ein Gerichtssprecher.

Bis zu fünf Jahre Haft drohen

Sollte der Mann wegen fahrlässiger Tötung verurteilt werden, droht ihm eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung gefordert. Der Verteidiger des Mannes hatte einen Freispruch verlangt. Die Angehörigen der Opfer, die in dem Verfahren als Nebenkläger auftreten, forderten über ihre Anwälte eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren, die dann nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. 

Der Fall hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt und in der Stadt nahe Stuttgart eine große Anteilnahme ausgelöst. Eine Woche nach dem Unfall hatten Hunderte Trauernde an einem Trauermarsch teilgenommen. Sie zogen von einer Kirche zum Unfallort und legten dort Kerzen, Blumen und Teddybären ab.

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