Verdi geht im Tarifstreit der Spielbanken auf Arbeitgeber zu
Nach dem ersten Warnstreik in der Geschichte der Spielbanken setzt Verdi auf Annäherung – doch beim Thema Sonderzahlungen bleibt Streitpotenzial.
Nach dem ersten Warnstreik in der Geschichte der Spielbanken setzt Verdi auf Annäherung – doch beim Thema Sonderzahlungen bleibt Streitpotenzial.
Im Tarifkonflikt bei den baden-württembergischen Spielbanken will die Gewerkschaft auf den Arbeitgeber zugehen. Verdi-Verhandlungsführer Frank Hawel sagte in Stuttgart: «Mit unserem Vorschlag, sofortige Auszahlung der vereinbarten Gehaltssteigerungen und verbindliche Einbeziehung der Beteiligungsgesellschaft in die kommenden Verhandlungen, könnten die Gespräche in konstruktiver Atmosphäre endlich fortgesetzt werden.» Nach einer Sitzung der Tarifkommission Mitte der Woche hatte sie sich eigenen Angaben zufolge zu Zugeständnissen bereit erklärt.
Die Tarifkommission erklärte ihre Bereitschaft, einer monatlichen Sonderzahlung außerhalb der Entgelttabellen von 230 Euro rückwirkend ab Januar 2026, einer Friedenspflicht bis zum 1. Januar 2027 sowie der Mitwirkung an Workshops zur Entwicklung eines einheitlichen tariflichen Regelungswerks zuzustimmen. Bedingung für die weiteren Verhandlungen sei, die verbindliche Einbindung von zwei Vertretern des Aufsichtsrates beziehungsweise der Beteiligungsgesellschaft.
Besonders kritisch hatte die Gewerkschaft Verdi das Vorgehen nach der Aufsichtsratssitzung Anfang Juli bewertet. Statt neuer Verhandlungen mit der Tarifkommission wurde laut Mitteilung ein einseitig vermindertes Angebot vorgelegt, bei dem wesentliche Bestandteile des zuvor erzielten Kompromisses gestrichen wurden.
Streit um Sonderzahlungen
Hingegen erklärte das Unternehmen: «Die Tabellenwirksamkeit der Sonderzahlungen, also eine automatische Aufnahme der Sonderzahlungen bei Abschluss eines neuen Tarifvertrags hat der Aufsichtsrat als Teil der Verhandlungen zum neuen Tarifvertrag und nicht als Bestandteil der Gehaltstarifverhandlungen des Jahres 2026 gesehen.» Daher habe er diesem Punkt nicht zugestimmt.
Der Geschäftsführer der Baden-Württembergischen Spielbanken, Tobias Wald, sagte, man respektiere die Rolle von ver.di und setze auf einen konstruktiven Dialog. «Ein neuer Tarifvertrag für drei Standorte mit sehr unterschiedlichen historischen Strukturen ist eine anspruchsvolle Aufgabe und sollte für alle Beteiligten oberste Priorität haben. Deshalb braucht es Sachlichkeit, Verlässlichkeit und den gemeinsamen Willen, eine tragfähige Lösung zu finden.» Eine Erhöhung der Gehälter um 230 Euro im Monat bis zum Abschluss des neuen Tarifvertrags sei ein faires Angebot. «Für die Verhandlungen dieses neuen Tarifvertrags stehen wir von Arbeitgeberseite bereit.»
Erster Warnstreik bei Spielbanken
Anfang Juni hatte Verdi die erste Einigung im Tarifkonflikt verkündet, die dann aber scheiterte. Vorausgegangen war der Einigung der erste Warnstreik in der Geschichte der Landestochter. An der Aktion hatten sich Beschäftigte der Spielbanken an den Standorten in Baden-Baden, Stuttgart und Konstanz beteiligt. Die Arbeitgeber hatten den Warnstreik scharf kritisiert.
Die Betreibergesellschaft hinter den drei Spielbanken gehört zu 100 Prozent dem Land. Die Aufsichtsräte sind eigenen Angaben zufolge aus den Ministerien des Landes Baden-Württemberg berufen worden. Rund 550 Menschen arbeiten laut der Betreibergesellschaft für die drei Casinos im Land.
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