In Baden-Württemberg wird der Sommer 2026 nach vorläufigen 
Berechnungen des DWD als wärmster seit 1881 in die Klimastatistik eingehen.(Archiv)
Patrick Seeger/dpa
In Baden-Württemberg wird der Sommer 2026 nach vorläufigen Berechnungen des DWD als wärmster seit 1881 in die Klimastatistik eingehen.(Archiv)
Hitze auf den Feldern

Jetzt ist's amtlich: Ein «Jahrhundertsommer» geht zu Ende

Der Sommer hat in Baden-Württemberg nicht nur Wetterrekorde gebrochen, sondern Menschenleben gekostet, Futterreserven aufgezehrt und sichtbare Schäden an Landschaft und Natur hinterlassen.

Die meisten Hitzetage, die höchsten Temperaturen, schwere Folgen für Menschen und Tiere – kurz vor dem Start des meteorologischen Herbstes spricht der Deutsche Wetterdienst (DWD) in seiner vorläufigen Auswertung vom wärmsten Sommer in Baden-Württemberg seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881. 

Ein «Jahrhundertsommer» also. Doch im Südwesten sind in den vergangenen Monaten nicht nur Wetterrekorde gebrochen worden. Tausende Menschen starben an den Folgen der Hitze, zugleich zehrte er Futterreserven auf und hinterließ Schäden an Landschaft und Natur.

Die Zahlen

Heiß, heißer, am heißesten: Bereits der zweitwärmste Juni und der drittwärmste Juli seit Beginn der Aufzeichnungen legten laut DWD den Grundstein für die außergewöhnliche Sommerbilanz. Die ersten Wochen im August trieben die Werte nur noch weiter in die Höhe. Nach der Auswertung erreichten die Temperaturen dieses Sommers durchschnittlich 21,1 Grad, das waren 4,9 Grad mehr als im vieljährigen Referenzzeitraum von 1961 bis 1990. In diese Durchschnittswerte fließen sowohl die Tages- als auch die Nachttemperaturen mit ein.

Allein in den vergangenen drei Monaten wurden - über die gesamte Landesfläche gerechnet - erstmals seit Messbeginn rund 35 heiße Tage mit mindestens 30 Grad ermittelt, am Hoch- und Oberrhein waren es an einzelnen Stationen sogar mehr als 50. An zehn Tagen wurde es sogar heißer als 35 Grad, in Rheinfelden sogar an 24 Tagen. Außerdem gab es einen Rekord: In Waghäusel-Kirrlach nördlich von Karlsruhe wurden am 27. Juni nach vorläufigen DWD-Angaben 41,4 Grad gemessen - ein Höchstwert für Baden-Württemberg. 

Und es war nicht nur zu heiß, es war auch zu trocken: Der diesjährige Sommer wird laut DWD als einer der fünf trockensten Sommer seit 1881 abschließen. Mit rund 866 Sonnenstunden zeigt die Bilanz auch den zweithöchsten Sommerwert seit 1951.

Tausende Hitzetote

Die Hitze hatte in diesem Jahr besonders schwere gesundheitliche Folgen. Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) sind in Baden-Württemberg bis Mitte August mehr als 3.600 Menschen an den Folgen extremer Hitze gestorben – mehr als in jedem anderen Bundesland. Das RKI geht davon aus, dass sich die Zahl der Hitzetoten allein in den ersten zwei Augustwochen verdoppelt hat. Besonders betroffen waren Menschen ab 85 Jahren. Zudem starben mehr Frauen als Männer an den Folgen der Hitze.

Die Zahlen sind laut RKI konservativ geschätzt. Experten warnen, dass die tatsächliche Zahl noch höher liegen könnte, da viele Fälle nicht als hitzebedingt erfasst werden. Auf Totenscheinen stehe oft nur Organversagen, obwohl die Hitze die eigentliche Ursache war. Typischerweise wird ab einer Wochenmitteltemperatur von 20 Grad ein hitzebedingter Anstieg der Sterblichkeit sichtbar.

Bauern unter Druck

Auf Feldern und Weiden, aber auch in den Futterlagern der Bauern sind die Folgen des Hitzesommers deutlich zu sehen. Es gibt große, karge braune Flächen und Trockenrisse; Kartoffeln blieben kleiner, die Maisernte fiel deutlich schwächer aus.

«Die Dürre trifft unsere Landwirtschaft mit voller Wucht», sagt Joachim Rukwied, Präsident des Landesbauernverbands Baden-Württemberg. Auf vielen Betrieben fehlt seit Monaten das Wasser. 

Besonders dramatisch ist die Futterlage: Landesweit fehlen nach Angaben des Landesbauernverbands mindestens 30 bis 40 Prozent des Futters, in manchen Gegenden sogar die Hälfte. Besonders Weizen, Raps und Sommergerste haben demnach gelitten. Die Winterweizenernte lag unter dem Durchschnitt der vergangenen sechs Jahre. Viele Betriebe verfüttern bereits Wintervorräte, einige haben ihre Tiere vorzeitig zum Schlachthof gebracht.

Bäume unter Stress

Auswirkungen der Trockenheit zeigen sich auch im Wald. «Den Wald hat's schwer getroffen», sagt Waldbaureferent Alexander Abt von ForstBW. Selbst manche als klimastabil geltenden Bäume zeigen deutliche Spuren. Viele werfen Blätter ab oder bilden keine Früchte, um sich vor weiterem Flüssigkeitsverlust zu schützen. Äste sterben ab und brechen aus den Baumkronen heraus.

Besonders betroffen sind alte Bäume, die in einem kühleren und regenreicheren Klima aufgewachsen sind. «Die Tanne leidet lange unerkannt», warnt Abt. Keine Baumart sei ohne Schäden geblieben. Buche, Kirsche und Birke hätten besonders gelitten, Douglasie, Spitzahorn und Linde den Sommer dagegen besser überstanden. 

Pegel auf Tiefstand

Die Trockenheit drückt auch die Pegel von Flüssen und Seen auf ungewöhnlich niedrige Stände. Der Bodensee erreicht derzeit an jedem Tag neue Tiefststände im Vergleich zu den jeweiligen Kalendertagen - und das ausgerechnet im August, wenn normalerweise noch genug Wasser aus den Alpen nachfließen sollte. Ungewöhnlich ist auch der Zeitpunkt: Der niedrigste Wasserstand des Jahres wird am Bodensee zumeist im Februar oder März gemessen. 

Die aktuelle Lage ist nach den Zahlen des Niedrigwasser-Informations-Zentrums (NIZ) alarmierend: Mehr als jeder zweite Messpegel im Land meldet derzeit extrem niedrige Wasserstände, ein weiteres Drittel sehr niedrige Wasserstände. Der Oberrhein, der Neckar und besonders die Donau führen deutlich weniger Wasser als üblich. Nach NIZ-Angaben ist eine wesentliche Entspannung erst bei ausreichendem und anhaltendem Niederschlag zu erwarten – und der kommt normalerweise erst im Winter.

Von Martin Oversohl, dpa
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