In einer Bildungsstudie aus ökonomischer Sicht schneidet das Schulsystem in Baden-Württemberg recht gut ab. (Archivbild)
Bernd Weißbrod/dpa
In einer Bildungsstudie aus ökonomischer Sicht schneidet das Schulsystem in Baden-Württemberg recht gut ab. (Archivbild)
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Warum das Land bei einer Bildungsstudie gut abschneidet

Zuletzt gab es bei Studien und Leistungstests für den Südwesten immer wieder Tiefschläge. Eine arbeitgebernahe Studie sieht dagegen eine Reihe positiver Punkte. Ist das ein Widerspruch?

«Schüler können schlechter lesen», «Neuer Pisa-Schock», «Studie zeigt Nachholbedarf» - wann immer neue Bildungsstudien veröffentlicht wurden, gab es in den vergangenen Jahren entsprechende Schlagzeilen. Auch für das Bildungssystem in Baden-Württemberg.

Eine neue Studie beschreibt nun ebenfalls Nachholbedarf an einigen Stellen, sieht aber auch viele positive Aspekte. Woran liegt das? Wie passt das zu anderen Studien? Ein Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was ist das Ergebnis der neuen Studie?

Im «Bildungsmonitor» der wirtschaftsnahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) schneidet Baden-Württemberg mit seinem Bildungssystem in einem jährlichen Bundesländervergleich besser ab als die meisten anderen Bundesländer. Der Südwesten landete in dem Ranking wie schon im vergangenen Jahr auf Platz vier - hinter Sachsen, Bayern und Hamburg.

Was wurde genau untersucht?

Die vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) durchgeführte Vergleichsstudie untersucht anhand von 98 Indikatoren die Bildungssysteme der Bundesländer. Die Bewertung erfolgt nach Angaben der Autoren ausdrücklich aus bildungsökonomischer Sicht. So werden etwa die Bildungsausgaben pro Schüler ins Verhältnis zu den Gesamtausgaben öffentlicher Haushalte pro Einwohner gesetzt. Verglichen werden zudem die Investitionen in Schulen und Hochschulen, der Betreuungsschlüssel in Bildungseinrichtungen, Klassengrößen, die Schulabbrecherquote oder die Beteiligung an Ganztagsangeboten.

Warum schneidet der Südwesten recht gut ab?

Das hat verschiedene Gründe. Besonders gut ist Baden-Württemberg der Erhebung zufolge bei der Kategorie Zeiteffizienz. Das Land ist demnach Spitzenreiter beim Durchschnittsalter von Studienabsolventen. Diese sind im Südwesten der Studie zufolge im Schnitt 25 Jahre alt und damit ein Jahr jünger als im Bundesschnitt. Lob gab es von den Forschern auch für die berufliche Bildung und die Digitalisierung.

Allerdings: Im Vergleich zu früheren Studien hat sich das Bildungssystem im Südwesten verschlechtert. Der Erhebung zufolge sogar stärker als im Bundesschnitt.

Wo gibt es Nachholbedarf?

Nachholbedarf sehen die Wissenschaftler dagegen bei der Ganztagsbetreuung im Südwesten. In Kitas werden in Baden-Württemberg demnach im Bundesvergleich mit 23,3 Prozent die wenigsten Kinder den ganzen Tag über betreut. Auch an Grund- und weiterführenden Schulen sei die Quote der Kinder, die an Ganztagesschulen unterrichtet würden, niedriger als im Bundesschnitt, heißt es in der Studie.

Bei der Integration landete der Südwesten ebenfalls auf einem der hinteren Plätze. Im Südwesten sei der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg relativ hoch. Ausländische Jugendliche erreichten an den Schulen im Südwesten auch seltener die Studienberechtigung als im Bundesschnitt.

Was sagen andere Studien?

Anders als die Studie der INSM messen die meisten Bildungsstudien vor allem die tatsächlichen Leistungen von Schülerinnen und Schülern. Basis sind meist Vergleichsarbeiten in bestimmten Klassenstufen. Diese Erhebungen haben in den vergangenen Jahren im Südwesten, aber auch bundesweit, größtenteils deutliche Verschlechterungen zutage gefördert.

Erst vor wenigen Tagen veröffentlichten Forscher die neuesten Ergebnisse der Pisa-Bildungsstudie. In dem Vergleich schnitten Schülerinnen und Schüler in Deutschland so schlecht ab wie nie zuvor. In Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften wurden bei den getesteten 15-Jährigen «die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Pisa-Erhebungen erzielt», wie es in der neuen Ausgabe der internationalen Vergleichsstudie heißt. Zahlen für einzelne Bundesländer gibt es nicht.

Andere Vergleichsstudien, wie etwa die bundesweiten IQB-Bildungstrends oder die Vera-Vergleichsarbeiten in Baden-Württemberg, zeigen aber, dass auch in Baden-Württemberg die Kompetenzen immer weiter zurückgehen. Bei der letzten IQB-Bildungsstudie, die im vergangenen Oktober veröffentlicht wurde, war Baden-Württemberg zwar im bundesweiten Vergleich besser als der Durchschnitt. Die Leistungen der Neuntklässler in Mathe, Biologie, Chemie und Physik verschlechterten sich aber auch im Südwesten spürbar. Für den Kultusminister sind die Tests alarmierend: «Der Vergleich mit anderen, dass es dort auch schlechter geworden ist, hilft nicht», sagte Andreas Jung (CDU) vor wenigen Tagen. Es müsse einen umtreiben, dass man schlechter geworden sei, obwohl man einiges auf den Weg gebracht habe.

Wie reagiert die Landesregierung?

Schon in der vergangenen Legislaturperiode hatte Grün-Schwarz ein umfangreiches Paket zur Sprachförderung auf den Weg gebracht, um Kinder besser auf den Start in die Grundschule vorzubereiten. Es sieht vor, dass Kinder mit Bedarf noch vor der Einschulung ein intensives Sprachtraining bekommen sollen. Sprechen die Kinder danach noch immer nicht ausreichend Deutsch, um eine Grundschule besuchen zu können, sollen sie ab diesem Schuljahr in sogenannten Juniorklassen gefördert werden. Ab dem Schuljahr 2028/2029 soll die Sprachförderung verbindlich werden. Zudem wurde die Vermittlung von Basiskompetenzen verstärkt und eine verbindliche Leseförderung an Grundschulen eingeführt.

Von David Nau, dpa
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