Während eine Wiese verdorrt, ist das Feld daneben noch grün - warum ist das so?
Marijan Murat/dpa
Während eine Wiese verdorrt, ist das Feld daneben noch grün - warum ist das so?
Bodenbeschaffenheit

Warum manche Wiesen braun werden – und andere grün bleiben

Ein Blick über die Landschaft – und der Kontrast fällt auf: Während eine Wiese verdorrt, ist das Feld daneben noch grün. Ein Hydrologe erklärt, warum das so ist.

Warum ist die Wiese braun, während das naheliegende Feld sattgrün ist? Solche Phänomene lassen sich nicht nur damit erklären, dass an der grünen Stelle mehr Regen gefallen sein muss. Warum in dem einen Boden Trockenrisse entstehen und in anderen nicht, erklärt ein Experte. Denn nicht (nur) Regenmenge, sondern Bodentiefe und Wasserhaltevermögen entscheiden, wie lange Pflanzen durchhalten.

Ob eine Wiese grün oder braun ist, hänge von der Bodenmächtigkeit und der Fähigkeit des Bodens ab, Wasser gegen die Schwerkraft aufzunehmen, sagt der Leiter der Professur für Hydrologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Markus Weiler. Die Tiefe des Mutterbodens gibt demnach Auskunft, wie tiefgründig er ist. Und daher darüber, wie gut die Pflanzen den Bodenraum erschließen können. 

«Wenn Sie auf der Schwäbischen Alb sind und nach 30 Zentimetern auf den Kalkstein stoßen, sieht es anders aus, als wenn sie irgendwo im Tal sind, wo der Boden aus Kies oder Sand besteht», erklärt Weiler. 

Wie mächtig ist der Boden in einzelnen Landesteilen?

Die Bodenmächtigkeit in Oberschwaben und entlang des Oberrheins beträgt demnach über ein bis zwei Meter und wird damit tiefgründig genannt. Ganz andere Verhältnisse herrschen nach Weilers Auskunft auf der Schwäbischen Alb, einem weitgehend flachgründigen Teil Baden-Württembergs mit einer Mutterbodentiefe von häufig weniger als einem halben Meter. 

Der Schwarzwald und der Neckarraum seien «recht variabel»: Zwischen einem halben und zwei Metern bewege sich die Bodendicke im Schwarzwald und zwischen einem halben und einem Meter im Neckarraum.

Wie geht Wasseraufnahme gegen die Schwerkraft? 

Der zweite wichtige Aspekt ist laut Weiler, wie viel Wasser ein Boden aufnehmen und gegen die Schwerkraft halten kann. «Ich erkläre das mal am Schwammprinzip: Sie nehmen daheim Ihren Haushaltsschwamm, füllen den mit Wasser und heben ihn hoch. Dann tropft das Wasser heraus und irgendwann hört es auf.» So gehe es den Böden seit Wochen. 

Wenn man den Schwamm ausdrücke, sei das nichts anderes, als wenn dem Boden im Sommer die ganze Zeit Wasser entzogen werde. «Es gibt dann einen minimalen Wassergehalt im Boden. Die Pflanzen können kein Wasser mehr aus dem Boden entnehmen», erklärt Weiler. Unter dem Strich gilt: Tiefe und gut wasserhaltende Böden bieten Pflanzen länger Reserven - bei sandigen Böden ist der Speicher schneller aufgebraucht, selbst wenn sie tiefgründig sind.

Der extreme Trockenstress für die Vegetation hält nach Auskunft der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg wegen monatelanger Niederschlagsarmut an. Die Bodenfeuchte gehe landesweit gegen null. «Sickerwasser für die Grundwasserneubildung wird derzeit nicht gebildet», sagte ein Sprecher. Laut dem Deutschen Wetterdienst stehen Pflanzen unter enormem Wasserstress.

Woraus besteht der Boden - wie ist seine Textur?

Boden ist nicht gleich Boden. So gibt es laut Weiler sandigen Boden entlang des Rheins und im Nordschwarzwald. «Das heißt, auch wenn dort der Boden sehr mächtig ist, dauert es bei Trockenheit relativ schnell, bis die Pflanze nicht mehr genügend Wasser zur Verfügung hat, um zu überleben.» 

Im Südschwarzwald und auf der Schwäbischen Alb findet sich demnach überwiegend lehmiger Boden. «Das ist ein Material, das sehr viel Wasser speichern kann. Und somit können auch Böden, die eher flachgründig sind - und dazu gehören die Schwäbische Alb und der Schwarzwald -, immer noch relativ viel Wasser speichern im Vergleich zu einem tiefgründig, sehr sandigen Boden.»

Wie kommt es zu strohgelben und saftigen Flächen nebeneinander?

Die Textur der Böden in Oberschwaben und im Rheintal ist laut Weiler sehr variabel. «Wir haben Bereiche, die sehr sandig sind, und Bereiche, die sehr lehmig, tonig sind. Und der Grund ist, dass Oberschwaben von Gletschern geprägt ist. Im Bereich der Moränen ist es sehr lehmig. Und dann gibt es andere Regionen in Oberschwaben, die sehr sandig sind.» Im Rheintal sei das auch der Fall. 

Wenn zwei Bereiche sandig und lehmig direkt nebeneinanderstehen oder unterschiedliche Bodenmächtigkeiten haben, entstehen laut Weiler auf der Oberfläche sehr unterschiedliche Reaktionen, weil die Pflanzen sehr unterschiedlich gestresst seien. «Sie können im Rheintal oder im Oberschwäbischen ein Feld, eine Wiese oder einen Wald sehen, die relativ nah zusammenliegen. Die eine Wiese ist braun und nebenan ist eine, der es erstmal relativ gut geht.»

Die Niederschlagsunterschiede im Schwarzwald und etwa im Rheintal spielten in so einem extremen Jahr wie diesem fast keine Rolle - «weil überall fast kein Niederschlag fällt». Es spiele dann «fast nur noch eine Rolle, wie viel Wasser ein Boden halten kann», erklärt der Experte. «Je mehr Wasser der Boden halten kann aufgrund von Textur und Mächtigkeit, umso länger dauert es in einer Trockenheit, bis die Pflanze kein Wasser mehr findet.»

Von Tatjana Bojic, dpa
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