Durch die starken Gewitter stürzten auch Bäume um.
Jason Tschepljakow/dpa
Durch die starken Gewitter stürzten auch Bäume um.
Bäume umgestürzt, Keller nass

Wetterwechsel mit Wumms: Hier stürmte es besonders stark

Ein Unwetter zieht über das Land, deckt Dächer ab, zerstört Obst und legt den Flughafen Zürich lahm. Welche Orte besonders getroffen wurden und wie Betroffene reagieren.

Erst verdunkelt sich der Himmel, dann blitzt und donnert es, bevor das Gewitter übers Land zieht. Ein kurzes, aber heftiges Unwetter hat in Teilen Baden-Württembergs schwere Schäden angerichtet. Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte rückten zu zahlreichen Einsätzen aus. Besonders heftig wütete eine Unwetterzelle im Raum Singen und Radolfzell am Bodensee. Auch der Flugbetrieb am Flughafen Zürich und der Bahnverkehr wurden durch das Gewitter beeinträchtigt.

Rund 120 Einsätze am Bodensee

Im Bereich des Polizeipräsidiums Konstanz - zu dem die Landkreise Konstanz, Rottweil, Tuttlingen und der Schwarzwald-Baar-Kreis gehören - gab es nach Polizeiangaben rund 120 Einsätze. Besonders betroffen war die Gegend zwischen Singen und Radolfzell. 

Eine Unwetterzelle traf den Singener Stadtteil Bohlingen besonders schwer. Der Ort wurde vorübergehend abgesperrt und war nicht mehr anfahrbar. Nach Angaben der Feuerwehr wurden etwa 100 Häuser durch schwere Sturmböen beschädigt und Dächer abgedeckt. Zudem lagen unzählige Bäume auf den Straßen. Verletzte waren zunächst nicht bekannt, die Höhe des Sachschadens war ebenfalls unklar. 

Auftakt von Volksfest abgesagt

Die Menschen wurden aufgefordert, Bohlingen zu meiden und die umliegenden Wälder wegen der Gefahr herabstürzender Äste nicht zu betreten. Die Eröffnung der traditionellen Sichelhenke, eines beliebten Bohlinger Volksfests (28.-31.8.), sagten die Veranstalter für den Abend bereits ab. Unklar blieb zunächst, ob am Wochenende gefeiert werden kann.

Auch in der Singener Südstadt und im Stadtteil Überlingen am Ried gingen schwere Gewitter nieder. Dort war die Lage nach Angaben der Feuerwehr jedoch unter Kontrolle. In anderen Teilen der Bodenseeregion kam es ebenfalls zu Behinderungen durch Starkregen, Sturmböen und Hagel.

Obst auf Hof in Friedrichshafen zerstört

Hart traf es auch einige Landwirte. Auf einem Obst- und Eierhof in Friedrichshafen zerstörte die Gewitterzelle innerhalb weniger Minuten große Teile der Birnen-, Zwetschgen- und Apfelernte. «Die Birnen stehen vor der Ernte - und jetzt sind sie alle kaputt», sagte Angelika Knoblauch, deren Familie den Hof betreibt. Ihr Mann geht von einem Schaden in fünfstelliger Höhe aus.

Hagelschippen auf der Schwäbischen Alb

Im Landkreis Reutlingen waren Polizei und Feuerwehr unter anderem in Lichtenstein, Unterhausen und St. Johann im Einsatz. Dort liefen Keller voll, Straßen wurden überflutet, und Hagel richtete Schäden an. In Sonnenbühl auf der Schwäbischen Alb musste die Straßenreinigung mit Schneeschiebern gegen die Hagelkörner vorgehen.

In Bad Urach zerstörte der Hagel Fensterscheiben. Nördlich von Stuttgart stürzten in Oppenweiler im Rems-Murr-Kreis mehrere Bäume um, einige fielen auf das Dach eines Firmengebäudes. Zum Zeitpunkt des Unwetters hielt sich dort niemand auf. Auch auf der Bundesstraße 14 zwischen Oppenweiler und Sulzbach an der Murr kam es wegen herabgestürzter Äste vorübergehend zu Behinderungen.

Bei Oppenweiler wurde außerdem ein Regionalzug auf freier Strecke durch herabgestürzte Äste ausgebremst. Die sechs Fahrgäste mussten den Zug verlassen. Nach ersten Erkenntnissen wurde niemand verletzt. Auch auf den Zugstrecken zwischen Singen und Konstanz, von Schaffhausen nach Singen und zwischen Überlingen und Überlingen-Nußdorf gab es Probleme, weil das Unwetter eine Oberleitung stark beschädigt hat.

Scheune wegen Blitzeinschlags in Flammen

Im Landkreis Ludwigsburg zählten die Feuerwehren am Morgen rund 100 Einsätze. Besonders betroffen waren Bietigheim-Bissingen, Ingersheim und Pleidelsheim.

In Großrinderfeld im Main-Tauber-Kreis löste ein Blitzeinschlag mutmaßlich einen Scheunenbrand aus. Zeugen berichteten der Polizei von einem lauten Knall, zugleich befand sich eine Gewitterzelle über dem Ort. Die Scheune brannte vollständig nieder. Ein angrenzendes Wohnhaus wurde durch die Flammen beschädigt und war zumindest im Dachgeschoss nicht mehr bewohnbar. Menschen befanden sich nicht in dem Gebäude.

Betrieb am Flughafen Zürich gestört

Auch am Flughafen Zürich kam es wegen eines heftigen Gewitters zu erheblichen Einschränkungen. Bis zum Mittag mussten nach Angaben der Fluggesellschaft Swiss 27 An- und Abflüge gestrichen werden. Weitere Ausfälle waren absehbar. Rund 3.100 Passagiere waren betroffen, bei weiteren Flügen mussten Reisende mit Verspätungen von bis zu drei Stunden rechnen.

Hauptgrund für die Beeinträchtigungen waren laut Swiss Blitzeinschläge in der Nähe des Flughafens. In solchen Situationen müsse die Arbeit auf dem Vorfeld aus Sicherheitsgründen zeitweise eingestellt werden. Mitarbeitende müssten Abstand von Flugzeugen und anderen metallischen Einrichtungen halten. Flugzeuge könnten dann weder be- und entladen noch betankt und für den nächsten Flug abgefertigt werden. 

Unwetterwarnungen aufgehoben

Der Deutsche Wetterdienst hatte für die Regierungsbezirke Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart und Tübingen vor schweren Gewittern gewarnt. Möglich waren Starkregenmengen von bis zu 40 Litern pro Quadratmeter in kurzer Zeit, orkanartige Böen mit bis zu 110 Kilometern pro Stunde und Hagelkörner von bis zu drei Zentimetern Größe. Der Wetterdienst warnte außerdem vor Blitzschlag, umstürzenden Bäumen, herabfallenden Ästen und Dachziegeln sowie raschen Überflutungen. Die Warnstufe drei von vier galt bis zum Mittag.

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