Queen-Gitarrist Brian May wirkte am Soundtrack des Films mit. (Archivbild)
Ian West/PA Wire/dpa
Queen-Gitarrist Brian May wirkte am Soundtrack des Films mit. (Archivbild)
Neu im Kino

«Bei der Macht von Grayskull!»: He-Man ist zurück im Kino

Fast 40 Jahre nach Dolph Lundgrens Kinoflop kehrt He-Man in einem Realfilm auf die große Leinwand zurück. Die Macher setzen auf bunte Optik, Nostalgie und wuchtige Musik mit prominentem Gitarristen.

Wer in den 80er Jahren aufwuchs, kam nicht an «He-Man and the Masters of the Universe» vorbei. Es war ein globales Phänomen, das überall die Kinderzimmer eroberte. Actionfiguren, Bettwäsche, Schulranzen, Comics und vor allem die Zeichentrickserie machten den muskelbepackten Helden vom Planeten Eternia zu einer Ikone der Jugend- und Popkultur.

Rund 40 Jahre und einige Serienableger später kehrt He-Man jetzt in einem Realfilm auf die große Leinwand zurück. In «Masters of the Universe» spielt der Brite Nicholas Galitzine die Hauptrolle als Prinz Adam, der mit Hilfe seines Zauberschwerts und den Worten «Bei der Macht von Grayskull, ich habe die Kraft!» zu He-Man wird - dem mächtigsten Mann des Universums.

Bösewichte verprügeln im Ledenschurz

«Natürlich habe ich einen gewissen Druck gespürt, allein schon, weil ich einer so ikonischen Figur gerecht werden wollte», sagt Galitzine, der erst 1994 - lange nach dem ursprünglichen He-Man-Hype - geboren wurde, im Interview der Deutschen Presse-Agentur in London. «Irgendwann wird dieser Druck dann einfach Teil der täglichen Routine. Und ehe man sich versieht, steht man am Set im Lendenschurz und verprügelt die Bösewichte. Das macht einfach riesigen Spaß.»

Die größten Stars in der Besetzung sind Idris Elba («Thor: Tag der Entscheidung») als Duncan alias Man-at-Arms und Oscar-Gewinner Jared Leto («Dallas Buyers Club») als Bösewicht Skeletor. Leto erkennt man hinter dem Knochenantlitz mit visuellen Effekten allerdings nicht. Serienstar Camila Mendes («Riverdale») spielt Duncans kampferprobte Tochter Teela.

Die Suche nach dem Zauberschwert

Zu Beginn des Films erleben wir den kleinen Prinzen Adam, der beim Waffentraining keine gute Figur macht und seinem Vater König Randor Sorgen bereitet. Als Eternia von Skeletor und seinen Schergen angegriffen wird, schicken Adams Eltern den Jungen durch ein magisches Portal auf den Heimatplaneten seiner Mutter - die Erde. Das Zauberschwert soll Adam den Weg zurück zeigen, wenn es an der Zeit ist. Doch Adam verliert es.

Jahre später sehen wir ihn im Exil bei einem missglückten Date. Die Geschichte, dass er ein Prinz vom fernen Planeten Eternia ist, will ihm auf der Erde niemand glauben. Am Arbeitsplatz sorgt Adam für Irritationen, weil er online nach Schwertern sucht.

Als er das Schwert findet, kann er endlich nach Eternia zurückkehren. Dort herrscht nun allerdings Skeletor. Der einst schmächtige Adam muss seine Bestimmung erfüllen, zu He-Man werden und sich dem finsteren Schurken und fiesen Kreaturen wie Trap-Jaw, Beast-Man oder Spikor stellen.

Bunt wie die Zeichentrickserie

Regisseur Travis Knight drehte bereits das «Transformers»-Spin-off «Bumblebee». «Ich habe mich daran erinnert, warum ich überhaupt He-Man-Fan geworden bin», erzählt Knight im dpa-Interview. «Da gab es Science-Fiction und Fantasy, Roboter und Laserpistolen, Barbaren in pelzigen Lendenschurzen mit riesigen Schwertern – und überall diese verrückte, knallbunte Farbenpracht. Die Designs waren total abgefahren. Es war so seltsam, so eigenwillig, ein bisschen albern und gleichzeitig unglaublich unterhaltsam.»

So bunt wie die Zeichentrickserie, die Mattel beim Studio Filmation in Auftrag gegeben hatte, um den Verkauf der Actionfiguren anzukurbeln, ist auch Knights Film - und noch schriller. Auf die künstlichen CGI-Kulissen und die Kostüme, die nach Cosplay aussehen, muss man sich einlassen. Neben bekannten Charakteren sind auch einige neue Figuren dabei.

Bereits 1987 gab es einen «Masters of the Universe»-Kinofilm mit Dolph Lundgren als He-Man, der aber kommerziell floppte. Dieser Film schuf seinen eigenen visuellen Stil. Die neue Verfilmung orientiert sich hingegen stark am Look der Serie. «Fans, die wie ich He-Man ihr ganzes Leben lang geliebt haben, sollen sofort erkennen, dass das Eternia ist», sagt Regisseur Knight. «Das sind die Figuren, die sie kennen und lieben.»

Simple Story, viel Humor

Die Story ist schlicht wie eine Zeichentrick-Episode. Auch schauspielerisch hat der Film wenig zu bieten. Idris Elba etwa spielt wie in einem Werbespot. Angesichts der oberflächlichen Dialoge kann man es ihm nicht übelnehmen. Ein Beispiel: «Warum macht er das?» - «Weil er bösartig ist.» Vor allem die wenigen emotionalen Szenen geraten unfreiwillig komisch.

Hingegen punktet «Masters of the Universe» mit Selbstironie und viel Humor. (Nicht alle Witze sind jugendfrei.) Der Film ist gespickt mit augenzwinkernden Anspielungen und Easter Eggs. Beim Abspann sollte man auf jeden Fall sitzenbleiben. Selbst in der Auswahl der Songs verbergen sich Gags.

Überhaupt ist die mitreißende Filmmusik ein echtes Highlight. Komponist Daniel Pemberton («Der Astronaut – Project Hail Mary») holte sich dafür Queen-Gitarrist Brian May ins Studio. «Es ist groß, opernhaft und theatralisch», schwärmt Travis Knight. Dass man sich dabei an «Flash Gordon» erinnert, ist gewollt. Es ist einer der Lieblingsfilme des Regisseurs.

Ein Film vor allem für Nostalgiker

Bereits 2007 gab es Gerüchte über eine Kino-Neuauflage. Fast 20 Jahre dauerte es, bis sie endlich umgesetzt wurde. Für langjährige He-Man-Fans ist es ein kurzweiliges Vergnügen. «Masters of the Universe» bietet jede Menge Nostalgie, ein Wiedersehen mit den Kultfiguren der Kindheit, Fanservice und Humor. Ob der bewusst kitschige, überdrehte Spaß - wie von den Machern erhofft - auch ein breiteres Publikum anspricht, bleibt abzuwarten.

Von Philip Dethlefs, dpa
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