Keine Auftritte in London
Noch entschlossener handelte zuletzt die britische Regierung: Sie hatten dem Rapper die Einreise in das Vereinigte Königreich verweigert. Eigentlich sollte Ye in diesem Sommer beim Wireless Festival im Londoner Finsbury Park auftreten. Die Ankündigung sorgte im Vereinigten Königreich, das mit antisemitischen Straftaten zu kämpfen hat, für Kritik und Entrüstung. Schließlich machte die britische Regierung dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung und verweigerte West die Einreise. Das Festival wurde daraufhin komplett abgesagt.
Kanye Omari West zählt zu den einflussreichsten und zugleich polarisierendsten Künstlern der Musikindustrie. Immer wieder fiel er mit rassistischen und antisemitischen Aussagen auf. 2025 hatte er ein Lied mit dem Titel «Heil Hitler» veröffentlicht. Anfang des Jahres bat er schließlich in Form einer ganzseitigen Anzeige im «Wall Street Journal» um Entschuldigung. «Ich bin weder ein Nazi noch ein Antisemit», schrieb der Ex-Mann von Kim Kardashian und führte seine früheren Äußerungen auf eine bipolare Störung zurück.
Auf seine Ankündigung, den Marseille-Aufritt zu verschieben, folgte nun eine weitere Entschuldigung des Rappers. «Ich weiß, es braucht Zeit, um die Aufrichtigkeit meines Bemühens zu verstehen, Wiedergutmachung zu leisten», heißt es in einem X-Beitrag. «Ich übernehme die volle Verantwortung für das, was mir zuzurechnen ist, aber ich möchte meine Fans nicht mit hineinziehen. Meine Fans bedeuten mir alles.»
Auschwitz-Überlebende wollen Konzertverbote
Auschwitz-Überlebende hatten am Wochenende die Einreiseverweigerung der Briten begrüßt und ähnliche Schritte auch in anderen Ländern gefordert. Die Entscheidung Londons sei von Überlebenden weltweit «mit großer Erleichterung und Zustimmung» aufgenommen worden, sagte Christoph Heubner vom Internationalem Auschwitz Komitee.
Denn im Sommer will der Rapper auch in mehreren anderen europäischen Ländern auftreten, darunter etwa in Polen, Italien und Spanien. In Portugal und Spanien gibt es derzeit allerdings keine Debatte über eine mögliche Absage der Auftritte.
Anders sieht es in den Niederlanden aus. Am 6. und 8. Juni soll Ye in Arnheim an der niederländisch-deutschen Grenze auftreten. Eine Mehrheit der Parteien will im Parlament jedoch prüfen lassen, ob ein Auftritt des Rappers nach dem Vorbild Großbritanniens verboten werden kann.
Die Regierung aber ist bislang zurückhaltend. Migrationsminister Bart van den Brink und Justizminister David van Weel erklärten, dass einem Ausländer die Einreise nur dann verboten werden könne, wenn eine Gefahr für die öffentliche Ordnung drohe. Darauf deute aber bisher nichts hin. Die christdemokratische Regierungspartei CDA hatte sich zuletzt für ein Verbot ausgesprochen, der Arnheimer Bürgermeister Ahmed Marcouch sieht bisher keinen rechtlichen Grund, die Konzerte zu verbieten.
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