Anthony Hopkins erfüllt sich mit dem Album einen Lebenstraum.
Charlie Gray/dpa
Anthony Hopkins erfüllt sich mit dem Album einen Lebenstraum.
Schauspiel-Ikone und Musiker

«Life Is A Dream»: Anthony Hopkins veröffentlicht Album

Er ist eine Leinwand-Legende: Nun überrascht der zweifache Oscar-Preisträger Anthony Hopkins mit einem Klassik-Album. Mit 88 Jahren erfüllt er sich als Komponist einen Lebenstraum.

Es ist nicht nur der ritterliche Titel «Sir», der dem Briten Anthony Hopkins Hochachtung verschafft. Bewundert wird der zweifache Oscar-Preisträger für seine geniale Darstellung von Figuren wie Pablo Picasso, Alfred Hitchcock, Papst Benedikt oder Richard Nixon - und gefürchtet für seinen Auftritt in «Das Schweigen der Lämmer» als der psychopathische Killer Hannibal Lecter. Mit 88 Jahren stellt sich Hopkins nun in einer weiteren, meisterhaften Rolle vor: als Komponist mit einem Klassik-Album bei dem renommierten Label Decca Classics.

«Musik war meine erste Sehnsucht, mein erster Wunsch. Ich habe mein ganzes Leben lang Musik komponiert. Einige dieser Stücke begleiten mich seit Jahrzehnten und ich ertappe mich immer noch dabei, wie ich zu ihnen zurückkehre», offenbart der Künstler. 

Das Album (Veröffentlichung am 21. August) mit zwölf Kompositionen hat den Namen «Life is a Dream». Damit habe er sich einen Lebenstraum erfüllt, sagt Hopkins, der nach eigenen Angaben schon als Kind Klavierspielen lernte und sich als junger Mann Musik schreiben selbst beibrachte. 

Hollywood-Star und Star-Dirigent

Für die Albumaufnahme arbeitete er mit renommierten Musikern. «Meine tiefste Dankbarkeit und Respekt gelten Maestro Gustavo Dudamel, dessen Kunstfertigkeit ein wesentlicher Teil dieser musikalischen Reise ist», würdigt der Hollywood-Star den preisgekrönten venezolanischen Dirigenten Dudamel. Gemeinsam mit Dudamel, dem Londoner Philharmonia Orchestra und Weltstars wie Pianist Sergio Tiempo aus Argentinien und Cellist Gregorio Nieto aus Venezuela wurde das Album im April im Londoner Alexandra Palace eingespielt. 

Hopkins veröffentlichte bereits in der Vergangenheit Musik. 1986 erschien mit dem Liebeslied «Distant Star» eine Single, für sein Regiedebüt «August» (1996) schrieb er die Filmmusik, 2012 brachte er das Album «Composer» mit eigenen Kompositionen heraus. Doch mit «Life is a Dream» offenbart das Multitalent die ganze Bandbreite seiner Virtuosität, seine langjährige Leidenschaft für klassische Musik und was ihn persönlich bewegt. 

In kurzen Videos von den Konzertaufnahmen lauscht der 88-jährige Hopkins sichtlich gerührt, mal reißt er schwungvoll die Arme hoch, mal applaudiert er begeistert. Einige seiner Kompositionen spiegeln Kindheitserinnerungen aus seiner Heimat wider. Hopkins wurde 1937 in Margam, einem Vorort von Port Talbot im Süden von Wales in eine Bäckerfamilie geboren.

Zwölf Kompositionen

Die beschwingte Komposition «My Fatherland» ist von walisischen Folk-Liedern inspiriert. Damit wolle er seine «bescheidenen Anfänge» als Sohn eines Bäckers und die einfachen, aber tiefgehenden Melodien aus seiner Heimat ehren, schreibt Hopkins im Begleitheft zum Album.

Der melancholische Track «Margam», mit Sergio Tiempo am Klavier, ist Hopkins zufolge eine Ode an seine Eltern und eine Rückbesinnung auf seine «idyllische» Kindheit. Auch die nostalgische Komposition «Bracken Road» führt in seine Jugendjahre zurück. Als junger Schauspieler am Liverpool Playhouse im Jahr 1963 habe er an einem Klavier vor Beginn der Theaterproben die Ballade komponiert. Für das Album wurde das elegante Stück nun mit Piano und Orchester aufgenommen. 

Walzer und Balladen

Auch die Vorlage für das Stück «And the Waltz Goes On» habe er als Schauspielschüler komponiert und 40 Jahre später dem niederländischen Stargeiger André Rieu zugeschickt. Der habe daraus gleich eine Aufnahme mit seinem Orchester gemacht, erinnert sich Hopkins. Jetzt ist der beschwingte, zum Tanzen ansteckende Walzer Teil von «Life is a Dream». 

Für den melodisch-sanften Track «Tara», den er in diesem Jahr komponierte, wurde Hopkins von seiner «geliebten Nichte» inspiriert. Auch seiner dritten Ehefrau, der gebürtigen Kolumbianerin Stella Arroyave, widmet der Schauspieler ein Stück. Das habe er 2004 geschrieben, erst für Gitarre, aber später für Cello und Orchester erweitert. Die Melodie von «Stella Aria» sei von der Latino-Kultur und von der «Anmut und Schönheit» seiner Ehefrau inspiriert, erläutert Hopkins. 

Die schwungvolle Komposition «The Plaza» ist eine Hommage an ein altes Kino, wo Hopkins als Jugendlicher seine Leidenschaft für den Film entdeckte - «für Musicals, große klassische Western und meinen Lieblingsfilm, Charlie Chaplins "Rampenlicht"».

Lange Hollywood-Karriere

Hopkins, der seit den 1970er Jahren zwischen seiner Heimat und Kalifornien hin und her pendelt, hat in seiner langen Karriere über hundert Film- und Fernsehauftritte absolviert und zwei Oscars gewonnen. Den ersten mit seiner Gruselrolle in dem Psychothriller «Das Schweigen der Lämmer» (1992), den zweiten 2021 mit dem Drama «The Father» als stolzer, störrischer Mann, der zusehends seiner Demenz verfällt. 

Auf Instagram hat Hopkins mehr als sechs Millionen Follower - dort postet er auch im hohen Alter noch fetzige Tanz-Videos und Kostproben seiner Klavierkunst. «Mein ganzes Leben ist ein Traum», schrieb der Star im Juli auf der Social-Media-Plattform, als die Veröffentlichung von «Life is a Dream» von Decca Classics verkündet wurde. Der Vertrag mit dem Label sei eine Ehre fürs Leben.

Von Barbara Munker, dpa
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