Die Regisseurin Doris Dörrie kann sich vorstellen, dass Künstliche Intelligenz die Einsamkeit alter, kranker Menschen lindern kann. (Archivbild)
Sven Hoppe/dpa
Die Regisseurin Doris Dörrie kann sich vorstellen, dass Künstliche Intelligenz die Einsamkeit alter, kranker Menschen lindern kann. (Archivbild)
Film über Pflegeroboter

Mit KI gegen Einsamkeit? Doris Dörrie und ihr Wunschroboter

Warum Doris Dörrie findet, dass KI die Last von Alter und Krankheit mindern kann – und welche Fähigkeiten ihr ganz persönlicher Humanoide unbedingt haben sollte.

Die Regisseurin Doris Dörrie kann sich mit dem Gedanken eines Pflegeroboters anfreunden - und hat auch schon genaue Vorstellungen von den Fähigkeiten seiner Künstlichen Intelligenz. «Ich kann mir schon gut vorstellen, dass eine KI die Einsamkeit leichter machen kann», sagte die 71-jährige Münchnerin der dpa. Es könne eine Last sein, alt und krank zu sein und gepflegt werden zu müssen. «Und wenn dann die Last durch eine KI und durch einen Roboter ein bisschen weniger wird, warum nicht?»

Politik, Romane und ein Brettspiel

Was ihr persönlicher Wunsch-Roboter mitbringen sollte: «Er müsste mit mir über Politik diskutieren können, könnte mir aber auch gerne alle russischen oder französischen Klassiker vorlesen. Alle Bände von Émile Zola, die ich nicht geschafft habe, zum Beispiel», erklärte die Filmemacherin, die das Thema auch in ihrem neuen Film aufgreift. Und auch ein in Japan beliebtes Brettspiel steht auf der Wunschliste ganz oben: «Er müsste mit mir Go spielen».

In der Tragikomödie «Frau Winkler verlässt das Haus» bekommt die ehemalige Schauspielerin (Angela Winkler) von ihrer Tochter (Laura Tonke) genau so einen Roboter an die Seite und ist hocherfreut, als sie entdeckt, dass die Künstliche Intelligenz ganz wunderbar Theaterstücke deklamieren kann. Der Film startet am 1. Oktober im Kino.

«Irrsinnige Furcht» vor Falten 

Dörrie möchte mit ihrem Film auch für Offenheit werben bei Themen wie Alter, Krankheit und Tod. «Je mehr wir versuchen, das alles von uns zu schieben und zu leugnen, umso größer wird die Angst», findet sie. «Es fängt an mit dieser irrsinnigen Furcht, irgendwann auch nur eine einzige Falte zu bekommen, und sich am besten schon mit zwanzig Botox zu spritzen. Und es wird dann ergänzt durch diesen Longevity-Wahn, der gerade um sich greift, und diese Vorstellung, dass ich nur die richtigen Übungen machen muss und das richtige Supplement nehmen muss, und dann werde ich schon nicht alt und krank werden und auch nicht sterben.»

«Wir unterstützen die Pflege zu wenig»

Und wie soll ihr eigenes Lebensende mal aussehen? «Da wünsche ich mir wie alle Menschen einen guten Tod», sagte die Regisseurin, «in Würde, begleitet, möglichst schmerzfrei». Und das hoffentlich gut gepflegt und umsorgt. «Aber wir haben zu wenig Palliativplätze, zu wenig Hospize, zu wenig Geld für Pflege. Wir unterstützen die Pflege zu wenig und vor allem die Pflegenden zu Hause», resümiert Dörrie. Meistens seien das übrigens Frauen. «Das wird uns Frauen einfach so als Job zugedacht, dass wir das zu leisten haben.»

© dpa-infocom, dpa:260927-930-750331/1
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