In diesem Jahr ist Sting mit seinem Musical und mit seiner Band auf Tournee. (Archivbild)
Georg Wendt/dpa
In diesem Jahr ist Sting mit seinem Musical und mit seiner Band auf Tournee. (Archivbild)
Live-Album und Konzertfilm

Sting im Museum: «Nicht mein Job, etwas zu reproduzieren»

Für sein Live-Album spielte Sting unplugged vor Rembrandts «Nachtwache». Warum der Superstar seine Songs gern neu erfindet, was seine Musik mit Malerei verbindet und wie seine Ehefrau ihn beeinflusst.

Ein Relikt ist Sting keinesfalls, museumsreif eigentlich auch noch lange nicht. Trotzdem war der britische Musiker, der im Oktober 75 Jahre alt wird, zu Beginn des Jahres in einem Museum zu bestaunen: Im Amsterdamer Rijksmuseum gab er ein besonderes Konzert, das nun unter dem Titel «The Night Watch: Live at the Rijksmuseum» als Live-Album auf CD, Schallplatte und digital erscheint.

Von schäbigen Clubs ins Museum

«Ich habe meine Karriere in einer Punkband begonnen und in kleinen, schäbigen Clubs gespielt», erzählt Sting im Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Dass ich irgendwann einmal an einem so ehrwürdigen Ort wie dem Rijksmuseum auftreten würde – diesem Tempel der Hochkultur, mit Rembrandts berühmtestem Gemälde direkt hinter mir –, das stand definitiv nicht in meinem Lebensplan.»

Das Konzert, bei dem der 17-malige Grammy-Gewinner vor Rembrandts «Nachtwache» und umgeben von Werken von Vermeer und Judith Leyster sitzt, wurde im Rahmen der Reihe «Sounds Like Art» beim TV-Sender Arte ausgestrahlt.

«Es war ein riesiges Privileg und ein wunderbares Erlebnis», schwärmt Sting, der aus New York zugeschaltet ist. «Man spielt dort umgeben von großen Meistern. Es war völlig unerwartet und einfach großartig.»

«Meine Songs sind wie Gemälde»

Sting sieht eine enge Verbindung zwischen Songs und Gemälden. Es gehe schließlich darum, Geschichten zu erzählen. «Je länger man ein Gemälde betrachtet, desto mehr entdeckt man darin. Genauso ist es bei einem Lied – je öfter man es hört, desto mehr versteht man davon», erklärt der 74-Jährige, der auch für 60 durchgehen würde.

«Meine Songs haben verschiedene Ebenen, genau wie ein Gemälde aus unterschiedlichen Farbschichten besteht. Sie sind komplex wie große Gemälde. Ich will damit auf keinen Fall sagen, dass meine Songs Meisterwerke sind. Vielleicht werden sie eines Tages als solche angesehen, aber von Meisterwerken umgeben zu sein, ist auf jeden Fall inspirierend.»

Musical-Songs und Klassiker im Akustik-Stil

Sting, der im Januar im Rahmen der Welttournee mit seinem Musical «The Last Ship» in der niederländischen Metropole zu Gast war, spielte Songs aus dem dazugehörigen Album, Police-Klassiker wie «Message in a Bottle» oder «Every Breath You Take» und Solohits wie «All This Time» und «Fields of Gold». Begleitet wurde er dabei nur von seinem langjährigen musikalischen Mitstreiter Dominic Miller. 

«Dieser Raum verlangt geradezu nach Ehrfurcht», sagt Sting. «Es wäre völlig unpassend gewesen, dort ein Schlagzeug und laute Verstärker aufzubauen. Dominic Miller und ich saßen einfach mit zwei Gitarren und einem Mikrofon dort und spielten sehr ruhig. Der Raum gibt einem vor, was man spielen sollte. Ich hoffe, wir haben die Atmosphäre und Akustik des Ortes gut ergänzt. Ich glaube, das ist uns gelungen.»

«Mein Job ist es nicht, etwas zu reproduzieren»

Es zeugt von seiner Genialität als Songwriter, dass er seine Lieder immer wieder völlig neu interpretiert, quasi neu erfindet. Das ursprünglich eher hektische «Message in a Bottle» als nachdenkliche, minimalistische Ballade oder der Pophit «All This Time» als ruhige Akustik-Nummer funktionieren hervorragend.

«Mein Job ist es nicht, einfach etwas zu reproduzieren, das ich vor 40 Jahren aufgenommen habe, als wäre es ein Museumsstück. Ein Song ist etwas Lebendiges», erklärt er. «Meine Aufgabe ist es eigentlich, in jedem Song, den ich singe, immer wieder etwas Neues zu finden. Es ist eine Entdeckungsreise.» Das halte die Songs für ihn frisch - «so wie ein Jazzmusiker ein bekanntes Stück jedes Mal anders angeht.»

Ehefrau Trudie ist beste Freundin und Kritikerin

Für Begeisterung im Publikum des Rijksmuseums sorgte eine reduzierte Version des Police-Songs «Every Little Thing She Does Is Magic». Er habe es über eine junge Frau geschrieben, die einst bei ihm nebenan wohnte. «Ich habe mich sofort in sie verliebt. Aber es hat zwei Jahre gedauert, bis ich den Mut hatte, sie anzusprechen», so Sting, der anschließend auflöste, dass es um seine Frau Trudie Styler geht.

Seit den 80er Jahren sind die beiden ein Paar. Seit 1992 sind sie verheiratet. «Sie ist nicht nur meine Frau, sondern auch meine beste Freundin und gewissermaßen meine Kritikerin», sagt Sting im dpa-Gespräch. «Sie sorgt dafür, dass ich ehrlich zu mir selbst bleibe, und das ist ein riesiger Gewinn in meinem Leben. Ich kann gar nicht genau erklären, wie sie das macht – aber sie tut es.»

Pausen? - «Das Konzept musst du mir erklären»

Gerade war Sting mit «The Last Ship» eine Woche in der Metropolitan Opera in New York zu Gast. Im August kehrt er mit dem Musical nach Amsterdam zurück, bevor es am Londoner West End gastiert. Davor und danach setzt er seine «Sting 3.0»-Tournee in Europa und Nordamerika fort.

Längere Pausen sind nichts für den rastlosen Musiker. «Das Konzept musst du mir erst einmal erklären. Ich verstehe das nicht wirklich», scherzt er.

Sein Job sei auch mitverantwortlich für seine körperliche Fitness. «Ich glaube, Musik hält einen frisch. Musik besteht aus Schwingungen. Wenn man singt und spielt, schwingt der ganze Körper mit. Und ich glaube, im Einklang zu schwingen, ist sehr gesund.»

Von Philip Dethlefs, dpa
© dpa-infocom, dpa:260623-930-268187/2
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

ATOMIC KITTEN mit ETERNAL FLAME

RADIO REGENBOGEN

RADIO REGENBOGEN


Es läuft:
ATOMIC KITTEN mit ETERNAL FLAME