«Adam» heißt das neue Album von Adam Lambert.
Nick Knight/The Orchard/dpa
«Adam» heißt das neue Album von Adam Lambert.
Neues Album des Queen-Sängers

Musikalisches Chamäleon: Adam Lamberts düsterer 90er-Trip

Adam Lambert verarbeitet auf seinem neuen Album «Adam» persönliche Tiefschläge und experimentiert mit düsteren 90er-Jahre-Sounds. Außerdem überrascht er mit vertrauten Klängen aus der Eurodance-Ära.

Es gehört zu den Popklischees, dass Künstler ihr aktuelles Album als ihr persönlichstes bezeichnen. Im Fall von Adam Lamberts sechstem Studioalbum, dem ersten auf seinem eigens gegründeten Label, scheint es tatsächlich zu stimmen. Deshalb hat der vielseitige US-Sänger und gelegentliche Queen-Frontmann es schlicht «Adam» genannt.

Ein Porträt von Adam Lambert im Jahr 2026

«Es ist so etwas wie ein Porträt von mir im Jahr 2026», sagt Lambert im Interview der Deutschen Presse-Agentur in London. «Es ist geprägt von den vergangenen Jahren, von dem, was ich erlebt habe, was mich hierhergeführt hat und wohin ich als Nächstes gehen möchte.»

So verarbeitet er in der Ballade «Am I Okay» eine schmerzhafte Trennung. «Ich habe noch nie einen Song so kurz danach geschrieben. Es war buchstäblich erst eine Woche später», erzählt er. «Der Song handelt von diesem Zustand der Unsicherheit. Ihn zu schreiben war wie eine Therapie, weil ich all diese Gedanken herauslassen konnte.»

90er-Pop trifft Electro- und Industrial-Klänge

Musikalisch schlägt der 44-Jährige mit der Ausnahmestimme auf «Adam» eine neue, gewagte musikalische Richtung ein. Er mischt 90er-Jahre-Pop und Alternative-Rock mit technoiden Klängen, Electro und hartem Industrial-Sound. Lambert nennt sehr unterschiedliche Einflüsse - Nine Inch Nails, Björk, Prince, Daft Punk, The Chemical Brothers oder George Michael.

Adam Lambert - EAT U ALIVE (Official Video)
Adam Lambert - EAT U ALIVE (Official Video)

«All diese Musik aus den 90ern, die ich als junger Mensch gehört habe, hat mich geprägt und einen großen Eindruck hinterlassen», erklärt der Sänger. «Es ging vor allem um die Stimmung. Diese Künstler haben ganz bestimmte Atmosphären erschaffen. Und genau das wollte ich in diese Musik einbringen.»

Ein Hauch von Eurodance

Wie bei Lambert üblich sind unter den neuen Songs auch wieder welche für die Tanzfläche. «Under The Rhythm» geht sofort ins Ohr, auch weil es Anleihen des Eurodance-Klassikers «Around The World» von ATC enthält, genau genommen das eingängige «La La La La La». «Diese Melodien aus der ganzen Eurodance-Bewegung haben sich regelrecht in unser Gehirn eingebrannt», sagt Lambert.

Der Song sei bereits fertig gewesen, als ihm die Idee dazu gekommen sei. «Ich dachte ständig, dass ich da diesen alten Song höre - immer wieder "da da da da da".» Also wurde das eingebaut. Tatsächlich stammt die Melodie übrigens aus dem russischen Popsong «Pesenka» - sehr zur Überraschung von Adam Lambert. «Das habe ich erst im Zuge der Rechteklärung erfahren.»

Wie ein düsterer Filmsoundtrack

«Adam» ist düsterer, härter und introspektiver als Lamberts vorherige Soloalben - und spiegelt seinen Blick auf die Weltlage wider. «Der Zustand der Welt ist im Moment hart, besonders in den USA», erklärt er. «Es gibt eine giftige Welle aus Negativität und Dunkelheit, die über allem zu liegen scheint.» Dem habe er sich stellen wollen.

Adam Lambert - UNDER THE RHYTHM (Official Music Video)
Adam Lambert - UNDER THE RHYTHM (Official Music Video)

Die neue Musik ist nicht so leicht zugänglich. Viele Lieder entfalten erst nach mehrmaligem Hören ihre Wirkung. Dann sind sie fast wie Filmmusik - den Vergleich mit «Tron: Ares» von Nine Inch Nails empfindet Lambert als Kompliment - und erzeugen Bilder im Kopf. Zwei der besten Songs verstecken sich am Ende des Albums - das treibende, sehr atmosphärische «Don't Stop Driving» und die wuchtige, selbstbewusste Hymne «Do Ya See Me Now».

Musikalisches Chamäleon

Adam Lambert bleibt ein musikalisches Chamäleon, dessen einzige Konstante die großartige Stimme ist. Nach groovigem Funk und Dancefloor («Velvet») und wuchtigen Rock- und Pop-Coverversionen («High Drama») zeigt er mit «Adam» erneut eine andere musikalische Seite. Ob sich das kommerziell auszahlt, bleibt abzuwarten. Künstlerisch verdient der Schritt jedoch Respekt - und Gehör.

Am 23. Juli gibt Adam Lambert ein Konzert im Huxley's Neue Welt in Berlin.

Von Philip Dethlefs, dpa
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