Der Eröffnungstrack «As You Lie There» beginnt mit sanften Gitarrenklängen, während McCartney spricht, dann setzt plötzlich eine druckvolle E-Gitarre ein und der Song wird zur kernigen Rocknummer. Es geht um ein Mädchen aus der Nachbarschaft, für das der junge Paul einst schwärmte: «I like to fantasize I'm something in your eyes, cause that would mean the world to me.» («Ich stelle mir gern vor, dass du etwas in mir siehst, das würde mir die Welt bedeuten.»)
Der Akkord von «As You Lie There» entstand bei einer Tasse Tee mit Erfolgsproduzent Andrew Watt. «Plötzlich hatten wir diese Drei-Akkord-Folge», erzählte Macca, wie er in England oft genannt wird, beim Event in Abbey Road. «Andrew meinte nur: "Das sollten wir aufnehmen."» Schließlich wurde daraus ein ganzes Album.
Starproduzent Watt bringt den Popfaktor mit
Der 35-jährige Watt arbeitete unter anderem mit den Rolling Stones, David Gilmour, Miley Cyrus und Justin Bieber. Bei «Ripples On A Pond», einem der eingängigsten Songs auf dem Album, zeigt sich Watts Popgespür besonders deutlich. «Es ist im Prinzip nur ein Liebeslied», sagte McCartney.
«Ich habe zu Andrew gesagt: "Du sollst doch eigentlich Pop-Produzent sein – und wir machen hier lauter Stücke, die für mich gar nicht so klingen. Also komm, machen wir aus dem Stück einen echten Popsong!"»
Die Inspiration zum launigen, psychedelischen Rocker «Mountain Top» sei ihm beim Besuch des Glastonbury-Festivals mit seiner Frau gekommen. «Wir fahren jedes Jahr zum Glastonbury, und ich stellte mir ein junges Mädchen vor, das mit Magic Mushrooms zugedröhnt über das Festival taumelt. Auf was für Ideen man beim Songschreiben kommt! Dieser Song hat uns jedenfalls großen Spaß gemacht.» Man hört es. Das furiose Rockfinale ist grandios.
McCartney spielt fast alle Instrumente selbst
«Down South» ist eine sympathische Akustiknummer über frühe Tramping-Touren mit George Harrison. «It was a good way to get to know you» («Es war eine gute Art, dich kennenzulernen»), singt der Ex-Beatle, dessen Stimme zwar etwas rauer geworden ist, aber nichts von ihrer sanften Wärme verloren hat und immer wieder auch beachtlich kraftvoll klingt für einen 83-Jährigen.
Wie schon auf früheren Alben spielt Sir Paul die meisten Instrumente selbst. «In diesem Fall war es Andrew, der darauf gedrängt hat. Wobei "drängen" eigentlich das falsche Wort ist. Er hat eher vorgeschlagen, dass ich zum Beispiel das Schlagzeug spiele», sagte McCartney. «Ich mache einfach Dinge, die man von einem normalen Schlagzeuger nicht erwarten würde. Genau das hat dem Album eine besondere Farbe verliehen.»
Ein Duett zweier Ex-Beatles
Bei «Home To Us» spielte hingegen sein alter Bandkollege Ringo Starr das Schlagzeug. Daraus wurde schließlich das erste echte Gesangsduett der beiden Ex-Beatles. «Das haben wir nie zuvor gemacht», sagte McCartney fast ungläubig. Den weiblichen Background-Gesang steuerten Pretenders-Frontfrau Chrissie Hynde und Texas-Sängerin Sharleen Spiteri bei.