Sängerin Bonnie Tyler ist gestorben. (Archivbild)
Jörg Carstensen/dpa
Sängerin Bonnie Tyler ist gestorben. (Archivbild)
Ihre rauchige Stimme war Kult

Hymnen für die Ewigkeit: Popstar Bonnie Tyler ist tot

Ihre rauchige Stimme und die blonde Mähne waren ihr Markenzeichen. Rund 50 Jahre stand Rocksängerin Bonnie Tyler auf der Bühne, sehr oft in Deutschland. Im Sommer wollte sie wieder auf Tournee gehen.

Mit «Holding out for a Hero» und «Total Eclipse of the Heart» sang Bonnie Tyler zwei Hymnen für die Ewigkeit. In ihrer langen Karriere hatte sie noch viele weitere Hits und erlebte auch einige Enttäuschungen. Sie war das, was man eine Rockröhre nannte. Nun ist die Sängerin mit der markanten rauchigen Stimme gestorben. Tyler, die zuletzt an der Algarve in Portugal lebte, wurde 75 Jahre alt.

Mehr als 80 Singles und 18 Studioalben hat die Waliserin mit den blonden Haaren während ihrer langen Karriere veröffentlicht. Ihr letztes Album, «The Best Is Yet To Come», erschien 2021. Mit eingängigen Melodien und markanten Gitarren- und Synthesizer-Sounds erinnerte es an die Musik der 80er Jahre. In dem Jahrzehnt feierte Tyler ihre größten Erfolge.

Unerwarteter Tod

Einem Statement auf ihrer offiziellen Webseite zufolge kam Tylers Tod unvermittelt. «Bonnie Tylers Familie und ihr Team sind zutiefst erschüttert, mitteilen zu müssen, dass Bonnie gestern Abend unerwartet in einem Krankenhaus in Portugal an den Folgen der Krankheit verstorben ist, wegen der sie behandelt wurde», heißt es darin. 

Zuletzt lag die walisische Sängerin über Wochen im künstlichen Koma, zwischenzeitlich wurde sie wieder wach. Ende April musste Tyler im portugiesischen Faro am Darm operiert werden. 

Karrierestart dank Irrtum eines Talentsuchers

Den Beginn ihrer Karriere verdankte Tyler, die eigentlich Gaynor Hopkins hieß, einem Irrtum des Londoner Talentsuchers Roger Bell. Der hatte sich auf den Weg nach Südwales gemacht.

«Er kam in diesen Club, in dem ich aufgetreten bin, weil er von einem Jungen gehört hatte, der im Obergeschoss mit seiner Band spielt», erzählte Tyler 2021 im Interview der Deutschen Presse-Agentur in London. «Aber er kam im falschen Stockwerk rein und hat mich singen gehört.»

Kurz darauf wurde sie nach London eingeladen, um eine Single aufzunehmen. «Lost In France» wurde 1976 veröffentlicht und war der Beginn einer Weltkarriere. Ein Jahr später wurde «It's A Heartache» ein noch größerer Hit und toppte in mehreren Ländern die Charts.

«Viele Leute dachten, ich sei Amerikanerin»

Tyler stammt aus einer musikalischen Familie mit drei Schwestern und zwei Brüdern. Sie verbrachte ihre Kindheit in der walisischen Kleinstadt Skewen. In der Familie wurde viel gesungen. «Mein Vater hat sonntags "Top Of The Pops" für mich aufgenommen, die Top 40», sagte sie. «Ich habe die Texte aufgeschrieben, um mitzusingen. In meine Haarbürste, kein Mikrofon.»

Bei einem Gesangswettbewerb im örtlichen Rugbyclub wurde sie Zweite. Ihre Tante hatte sie angemeldet. «Ich war damals sehr, sehr schüchtern, das glaubt man kaum», erzählte sie im dpa-Interview. Als Background-Sängerin für lokale Musiker lernte sie dazu, bevor sie mit ihrer eigenen Band in den Pubs auftrat.

Ihren Geburtsnamen Gaynor Hopkins legte sie ab, um Verwechslungen mit Sängerin Mary Hopkin zu vermeiden. «Ich bin die Zeitung durchgegangen und habe alle Vornamen und alle Nachnamen aufgeschrieben. Dann habe ich probiert, welche Kombination gut klingt», erzählte sie. «Es gab damals nicht viele Tylers in der Gegend. Lange Zeit dachten viele Leute, ich sei Amerikanerin. Aber ich bin definitiv Waliserin.»

Welterfolge mit Rockproduzent Jim Steinman

Mit den großen Erfolgen und den Hitsingles der frühen Jahre konnten das dritte und vierte Album nicht mithalten. Als Bonnie Tylers erster Plattenvertrag Anfang der 80er auslief, lehnte sie einen neuen ab. «Ich hatte keine Lust mehr, diese Country-Rock-Musik zu machen», sagte sie. «Ich wollte mehr in Richtung Rock gehen.»

Bei ihrem neuen Plattenlabel beharrte sie darauf, mit Jim Steinman zu arbeiten, der sich als Songwriter von Rocksänger Meat Loaf («Bat Out Of Hell») einen Namen gemacht hatte. «Und der Rest ist Geschichte!», sagte sie der dpa über die erfolgreiche Zusammenarbeit.

Die von Steinman geschriebene und produzierte Powerballade «Total Eclipse Of The Heart» wurde ihr größter Hit, erreichte Platz 1 in Großbritannien und den USA und brachte ihr eine Grammy-Nominierung ein. Das Album «Faster Than The Speed of Night», das überwiegend aus wuchtigen Coverversionen bestand, wurde ebenfalls ein großer Erfolg.

Von Steinman stammt auch die Kulthymne «Holding Out For A Hero». Der theatralische Rocksong war 1984 im Kinofilm «Footloose» zu hören. Die Szene, in der Kevin Bacon eine Mutprobe auf einem Traktor ablegt, wirkt heute unfreiwillig komisch, aber Tylers bombastisches Lied ist ein Klassiker. Natürlich durfte «Holding out for a Hero» bei keinem ihrer Konzerte fehlen.

Ein rätselhafter Misserfolg und drei Alben mit Dieter Bohlen

Warum ihr 1988 erschienenes Album «Hide Your Heart» kein Erfolg wurde, ist eines der großen Rätsel der Musikgeschichte. Starproduzent Desmond Child (Kiss, Bon Jovi) schrieb für Tyler «Save Up All Your Tears», das aber erst als Coverversion von Robin Beck und dann von Cher erfolgreich wurde. Ihre kaum beachtete Single «The Best» wurde ein Jahr später ein Welthit für Tina Turner.

In den 90ern konzentrierte sich Tyler zeitweise auf den europäischen Markt. Die Britin unterschrieb beim deutschen Label Hansa Records. Dieter Bohlen produzierte für sie drei Alben. «Es hat Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten», sagte sie.

2013 nahm Tyler für Großbritannien am Eurovision Song Contest teil. Mit ihrem Song «Believe in Me» belegte sie zwar nur den 19. Platz, fand das Erlebnis aber trotzdem «wundervoll».

Tyler plante eine große Europa-Tournee

Tyler hinterlässt ihren Ehemann Robert Sullivan. Mit dem britischen Judoka und früheren Olympia-Teilnehmer war sie seit 1973 verheiratet. «Wir reisen überall zusammen hin», sagte Tyler über das Geheimnis ihrer langen Ehe. «Er liebt das Reisen wahrscheinlich noch mehr als ich. Er steht gern an der Seite der Bühne und singt mit.» Das Paar lebte abwechselnd an der Südküste von Wales und an der Algarve. Kinder hatten sie nicht.

In über vier Jahrzehnten als Künstlerin hatte sich ihre rauchige Stimme kaum verändert. Dreimal pro Woche arbeitete die Nichtraucherin mit einem Stimmtrainer. Und vor jedem Auftritt gönnte sich Tyler einen Schluck Jack-Daniel's-Whisky mit Red Bull. «Nur ein kleiner Schuss, das ist alles», betonte sie im dpa-Interview. «Aber wenn ich von der Bühne komme und meine Show vorbei ist, dann mag ich gern Rotwein.»

Im März 2026 stand Bonnie Tyler zuletzt auf der Bühne. Ab Mai hatte sie eigentlich auf ausgedehnte Europa-Tournee gehen und insgesamt 18 Konzerte in Deutschland geben wollen. Der Deutschen Presse-Agentur sagte sie: «Ich liebe es auf der Bühne zu stehen.»

Von Philip Dethlefs, Patricia Bartos und Christoph Meyer, dpa
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