König Harald V. von Norwegen ist tot. (Archivbild)
Thomas Fure/NTB/dpa
König Harald V. von Norwegen ist tot. (Archivbild)
Monarchie

Norwegen trauert um König Harald - letzte Reise zum Schloss

Norwegen hat sein beliebtes Staatsoberhaupt verloren. In Oslo trauern Tausende Menschen auf dem Schlossplatz, ungeachtet des Wetters. Harald hinterlässt Haakon eine Monarchie in unsicheren Zeiten.

Bei strömendem Regen haben Tausende Menschen in Oslo Abschied von ihrem geliebten König Harald V. genommen. In der Abenddämmerung wurde der Sarg mit dem am Morgen gestorbenen Monarchen vom Reichskrankenhaus zum Königsschloss gefahren.

Dem Wagen mit Haralds Leichnam folgten der neue König Haakon VIII., die neue Königin Mette-Marit sowie ihre beiden gemeinsamen Kinder, Kronprinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus, in weiteren Fahrzeugen. Auch Haralds Frau Königin Sonja und Haakons ältere Schwester Prinzessin Märtha Louise waren dabei.

Trotz des strömenden Regens waren die Straßen der norwegischen Hauptstadt voll von Menschen, die bei dem historischen Trauerzug mit Regenschirmen und teils norwegischen Flaggen in der Hand Abschied von ihrem langjährigen Monarchen nahmen. Harald wurde von den Norwegern hochgeschätzt - da spielte auch das graue Wetter keine Rolle. Auch der Schlossplatz hatte sich im Laufe des Tages immer mehr gefüllt.

Wer persönlich von dem König Abschied nehmen will, kann in den kommenden Tagen die Schlosskapelle besuchen. Nach einem kurzen Aufenthalt im Roten Salon des Schlosses wird der geschlossene Sarg dort bis zur Beisetzung aufgebahrt auf einem verhüllten Katafalk zu bestimmten Zeiten zu sehen sein. Langsam sollen die Besucherinnen und Besucher nach Angaben des Hofes an dem bewachten Sarg vorbeigehen können, um Harald persönlich die letzte Ehre zu erweisen.

Haakon tritt großes Erbe an

Die Stimmung auf dem Schlossplatz im Herzen Oslos schwankte an diesem Schicksalstag für Norwegen zwischen tiefer Trauer und gespannter Erwartung. Tausende Menschen legten im Laufe des Tages Blumen ab, hielten einen Augenblick inne. «Wir werden dich vermissen», stand auf einem Brief von Erstklässlern.

Und dann fuhr der neue König vor: Haralds Sohn tritt als Haakon VIII. das große Erbe seines Vaters an. In den Mittagsstunden wählte der 53-Jährige den Leitspruch «Alt for Norge», also «Alles für Norwegen» - wie schon sein Vater und Großvater. Seine Ehefrau Mette-Marit (53) ist an seiner Seite die neue Königin, seine Mutter Sonja trägt weiter ihren Königinnentitel. 

Die gemeinsame Tochter von Haakon und Mette-Marit, Ingrid Alexandra (22), ist nun Kronprinzessin. Gemeinsam mit der Thronfolgerin begrüßte Haakon am Mittag die Mitglieder der norwegischen Regierung, die sich im Anschluss in ein Kondolenzbuch eintrugen und auch Blumen niederlegten. Der Übergang zwischen der vergangenen Königsära und der neuen erfolgte fließend.

Harald V. schlief friedlich ein

Die Nachricht vom Tod des Königs traf die Norweger um halb neun am Morgen. Um 6.35 Uhr war der 89-Jährige im Reichskrankenhaus friedlich und für immer eingeschlafen, wie das Königshaus mitteilte. Eine Passantin erzählte der Deutschen Presse-Agentur, sie habe davon im Bus im Radio erfahren. Sie sprach von einem «Schock» und davon, sofort geweint zu haben.

Bereits seit Anfang vergangener Woche hatte Harald im Krankenhaus gelegen. Wegen der Bluterkrankung hämolytische Anämie - einer Form der Blutarmut - war er mit Kortison behandelt worden, was zu einer Flüssigkeitsansammlung im Körper geführt hatte. Anschließend zog er sich zusätzlich eine bakterielle Infektion des Blutkreislaufs zu.

«Du warst nett, cool, fürsorglich und der beste König der Welt»

Auch eine weitere Gruppe von Schülerinnen und Schülern war extra hergefahren, um Anteil zu nehmen. «Du warst nett, cool, fürsorglich und der beste König der Welt», steht in einem Brief der elfjährigen Mina. Nicht nur auf dem Schlossplatz, sondern aus aller Welt erreichten das Königshaus Beileidsbekundungen.

«Eine ganze Nation trauert, und das norwegische Volk ist zugleich zutiefst dankbar für ein langes Leben im Dienste Norwegens», sagte der norwegische Regierungschef Jonas Gahr Støre. «Mehr als drei Jahrzehnte lang demonstrierte Harald V. als Monarch ein unerschütterliches Vertrauen in das norwegische Volk. Er half uns, das Beste in uns selbst und ineinander zu sehen.»

Gesundheitlich war der norwegische König schon lange angeschlagen. Seit 2024 war er etwa dauerhaft auf einen Herzschrittmacher angewiesen. Außerdem kämpfte er immer wieder mit Atemwegserkrankungen und Infektionen. Auch das Gehen fiel ihm seit längerer Zeit schwer.

Den Thron vorzeitig seinem Sohn Haakon zu überlassen, war für Harald trotzdem nicht infrage gekommen. Seine royalen Pflichten absolvierte er bis zuletzt. 

Beliebt bei den Norwegern

Seine Landsleute schätzten König Harald V. für seine zurückhaltende Art - und dafür, dass er klare Kante zeigen konnte, wenn es darauf ankam. Seine Reden waren oft geprägt von Mitmenschlichkeit und Taktgefühl. So tröstete er die Norweger nach den Terroranschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya 2011. Nach der Flüchtlingskrise positionierte er sich mit einem Plädoyer für Vielfalt und Toleranz als besonnener Mahner.

Beliebt war der Monarch auch wegen seines trockenen Humors. Er galt als begeisterter Segler - in dieser Sportart nahm er zwischen 1964 und 1972 an gleich drei Olympischen Sommerspielen teil - und auch als Wintersportler.

Den Thron hatte Harald 1991 nach dem Tod seines Vaters Olav V. bestiegen. Seine große Liebe Sonja heiratete er schon 1968 - obwohl sein Vater lange mit der Beziehung seines Sohnes zu einer Bürgerlichen gehadert hatte. Bei seinen eigenen Kindern war Harald toleranter: Auch sein Sohn Haakon heiratete mit Mette-Marit eine ganz normale Norwegerin. Seine Tochter Märtha Louise ist inzwischen in zweiter Ehe mit dem selbst ernannten Schamanen Durek Verrett verheiratet.

Unsichere Zukunft für die norwegische Monarchie

Ohne Harald ist unsicher, wohin die norwegische Monarchie nun steuert. Denn während der König in seinem Land enormen Rückhalt genoss, haben Skandale das Vertrauen in die Familie von Haakon und Mette-Marit zuletzt stark erschüttert. Die bisherige Kronprinzessin Mette-Marit war wegen ihrer engen Freundschaft zu dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in die Kritik geraten. 

Mette-Marits ältester Sohn Marius Borg Høiby aus einer früheren Beziehung wurde zudem im Juni unter anderem wegen zwei Vergewaltigungen nach norwegischem Recht zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Julia Wäschenbach und Jan Mies, dpa
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