Israels Ministerpräsident hat eine Verstärkung der Offensive im Libanon angekündigt. (Archivbild)
Ali Hashisho/XinHua/dpa
Israels Ministerpräsident hat eine Verstärkung der Offensive im Libanon angekündigt. (Archivbild)
Konflikt mit Hisbollah

Krieg trotz Waffenruhe - Heftige Angriffe im Libanon

Eine Waffenruhe, die nur auf dem Papier existiert - so sieht es derzeit im Libanon aus. Die Angriffe zwischen Israel und der Hisbollah nehmen kein Ende. Die Lage spitzt sich stündlich weiter zu.

Gegenseitige Luftangriffe, Kämpfe am Boden, vorrückende israelische Truppen, Zerstörung und immer wieder Tote: Die Lage zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon spitzt sich erneut dramatisch zu.

Eigentlich gilt seit Mitte April eine Waffenruhe. Darauf hatten sich die israelische und die libanesische Regierung, die selbst keine Konfliktpartei in dem Krieg ist, geeinigt. Die Hisbollah selbst lehnt Verhandlungen mit Israel ab. 

Faktisch läuft der Krieg aber weiter. Israel und die vom Iran unterstützte Schiitenorganisation greifen sich weiter gegenseitig an. Dabei werden im Libanon täglich weiter Menschen getötet. 

Erneut schwere Angriffe

Erneut kam es im Laufe des Tages zu schweren israelischen Luftangriffen im Süden und im Osten des Libanons. Im Gebiet um die Stadt Nabatija und in der umliegenden Region kam es libanesischen Sicherheitskreisen zufolge wieder zu heftigen Angriffen. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete weiter von mehreren Angriffen auch im Osten des Landes. 

In Gebieten nahe der antiken Stadt Baalbek wurden mindestens sieben Luftangriffe gemeldet. Zu genauen Opferzahlen gab es zunächst keine offiziellen Angaben. Gestern wurden nach Behördenangaben bei israelischen Angriffen 31 Menschen im Libanon getötet.

Israels Militär meldete indes erneut Einschläge von Sprengstoffdrohnen aus dem Libanon in Nordisrael. In mehreren Gegenden dort heulten die Warnsirenen. Zudem habe die Armee auch «verdächtige Flugobjekte» in der Nähe von israelischen Soldaten im Südlibanon registriert. Mindestens eines sei abgefangen worden. Berichte über Verletzte gab es zunächst nicht.
Die israelische Armee teilte weiterhin mit, sie habe am Dienstag mehr als 150 Ziele der Hisbollah im Umkreis der südlibanesischen Städte Tyrus und Nabatija sowie in der Bekaa-Ebene angegriffen.

Bewohner großer Städte zur Flucht aufgerufen

Zum ersten Mal seit Inkrafttreten der Waffenruhe forderte die israelische Armee fast alle Bewohner der gesamten Küstenstadt Tyrus im Süden des Landes zur Flucht auf. Israel werde dort gegen die Hisbollah vorgehen, teilte ein Militärsprecher in arabischer Sprache auf der Plattform X mit. 

Zuvor hatte das israelische Militär bereits Bewohner der Stadt Nabatija und anderer Orte im Süden des Libanons zur Flucht aufgerufen. Der Sprecher forderte die Menschen auf, sich nördlich des Sahrani-Flusses zu begeben, der etwa 40 Kilometer von der israelisch-libanesischen Grenze verläuft. Nabatija und Tyrus sind die größten und wichtigsten Städte im Südlibanon.

Libanesische Sicherheitskreise deuteten den Evakuierungsaufruf für die Bewohner in Tyrus als Zeichen dafür, dass die israelische Armee den Umfang ihrer Einsätze ausweiten wolle. Unter den Bewohnern in Tyrus brach Panik aus. Viele flüchteten sich an den Strand. Augenzeugen berichteten, wie sich lange Staus in Richtung Norden bildeten.

Israel weitet Bodeneinsätze im Südlibanon aus

Auch die Hisbollah setze ihre Angriffe gegen israelische Ziele weiter fort. Aus Kreisen der vom Iran unterstützten Hisbollah hieß es, die Miliz liefere sich schwere Gefechte mit israelischen Bodentruppen nördlich des Litani-Flusses. Kämpfer der Miliz seien in Nähe der sogenannten «gelben Linie» auf die israelischen Truppen gestoßen. Die israelische Armee hat eigenen Angaben zufolge ihre Einsätze jenseits dieser Linie ausgeweitet, die sechs bis zehn Kilometer entfernt von der israelischen Grenze verläuft. 

Die Hisbollah setzt israelischen Medienberichten zufolge neuerdings auch Glasfaserdrohnen ein, die als unempfindlich gegen Störsender gelten. Sie sind über Glasfaserkabel direkt mit den Piloten verbunden. Die Kabel erreichen bis zu 30 Kilometer Länge, womit die Drohnen auch weiter entfernte Ziele treffen können. Ein israelischer Regierungsvertreter sagte dem Sender Channel 12, dass die Armee angesichts dieser neuen Bedrohung bisher «hilflos» sei. 

Experte: «10-Kilometer Pufferzone ist nicht mehr genug»

Auch Beobachter werten die neuen Drohnen als Problem für Israel. Die Hisbollah könne sie potenziell auch gegen zivile Ziele in Nordisrael einsetzen, sagte der Analyst Heiko Wimmen von der Denkfabrik International Crisis Group der Deutschen Presse-Agentur. «Eine 10-Kilometer Pufferzone ist nicht mehr genug», sagte er weiter. 

Eine dauerhafte Lösung des Konflikts zwischen Israel und der Hisbollah sei nur im regionalen Kontext möglich, so Wimmen weiter. Es scheine möglich, dass US-Präsident Donald Trump im Zuge eines US-Iran-Deals auf Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu einwirken könne, um vorerst die Angriffe im Libanon zu reduzieren. Daher sei es aus israelischer Sicht sinnvoll, «zuvor noch die Besatzungszone auszudehnen und "facts on the ground" zu schaffen».

© dpa-infocom, dpa:260527-930-134073/3
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

DJO mit END OF BEGINNING

RADIO REGENBOGEN

RADIO REGENBOGEN


Es läuft:
DJO mit END OF BEGINNING