Kriegsverbrechen: 25 Jahre Haft für Kosovos Ex-Präsident
Hashim Thaci hat stets seine Unschuld beteuert. Doch das Kosovo-Sondertribunal sieht das anders und verurteilt ihn wegen schwerster Verbrechen.
Hashim Thaci hat stets seine Unschuld beteuert. Doch das Kosovo-Sondertribunal sieht das anders und verurteilt ihn wegen schwerster Verbrechen.
Nach einem drei Jahre währenden Prozess ist der Ex-Präsident des Kosovos, Hashim Thaci, wegen Kriegsverbrechen zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Kosovo-Sondergericht in Den Haag sah es unter anderem als erwiesen an, dass er in 96 Fällen für politische Morde verantwortlich war. Zudem wurden ihm weitere schwere Verbrechen wie Folter und Verfolgung sowie willkürliche Inhaftierung von Unschuldigen zur Last gelegt.
Der 58-jährige Thaci hatte sich zuvor als «vollständig unschuldig» bezeichnet. Das Urteil, das der Vorsitzende Richter Charles Smith am Mittwoch verlas, nahm er äußerlich ungerührt entgegen. Für die Kriegsverbrechen, die Ende der 1990er begangen wurden, hatte die Anklage für Thaci 45 Jahre Haft gefordert. Die Verteidigung forderte Freispruch. Knapp 300 Zeugen hatten in dem Prozess ausgesagt, 155 Opfer waren an dem Verfahren beteiligt.
Der Anklage zufolge gehörten Thaci und drei Mitangeklagte der Führungsriege der kosovo-albanischen Befreiungsarmee (KLA) an, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben soll. Thaci war zwischen 2008 und 2020 Ministerpräsident, Außenminister und Präsident des Kosovo. Er war von seinem Amt zurückgetreten, um sich dem Gericht in Den Haag zu stellen. Alle vier Angeklagten hatten führende Positionen in der KLA und nach dem Krieg hohe politische Ämter inne.
Die KLA hatte von 1998 bis 1999 gekämpft, um die Unabhängigkeit des vorwiegend von Albanern bewohnten Kosovos von Serbien zu erlangen. Das gelang schließlich mit Hilfe der Nato. Das Sondertribunal wurde auf internationalen Druck 2015 eingerichtet. Es gehört zum Justizsystems des Kosovos, ist aber besetzt mit internationalen Richtern und Anklägern. Es war aus Sicherheitsgründen nach Den Haag verlegt worden. Thaci kann gegen das Urteil Berufung einlegen.
© dpa-infocom, dpa:260916-930-693356/2
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten