Linke-Politiker kritisieren Einigung zum Antisemitismus
Linke, Grüne und SPD in Berlin haben sich vor dem Beginn von Sondierungsgesprächen zum Vorgehen gegen Antisemitismus verständigt. Daran gibt es aus der Linke nun deutliche Kritik.
Linke, Grüne und SPD in Berlin haben sich vor dem Beginn von Sondierungsgesprächen zum Vorgehen gegen Antisemitismus verständigt. Daran gibt es aus der Linke nun deutliche Kritik.
An der Einigung der Berliner Linken, Grünen und der SPD zum Thema Antisemitismus gibt es scharfe Kritik aus den Reihen der Linkspartei. «Die darin enthaltenen Formulierungen übernehmen Narrative einer medialen Hetzkampagne», heißt es in einer Stellungnahme, zu deren Unterzeichnern eine Reihe von Linke-Abgeordneten aus dem Bundestag und neu gewählte Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses zählen. Zuerst hatte der «Tagesspiegel» darüber berichtet.
Die dabei verwendeten Begriffe im Zusammenhang mit Antisemitismus seien so weit und dehnbar gefasst, dass sie gegen jede Kritik an der israelischen Besatzungspolitik ins Feld geführt werden könnten. Noch schwerer wiege, was damit politisch in Gang gesetzt werde: «SPD und Grüne tragen Disziplinierungs- und Spaltungsmechanismen von außen in die Partei Die Linke hinein», kritisieren die rund 120 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner. «Das Ziel ist klar: Sie wollen uns in "gute" und "böse" Linke einteilen, um Die
Linke als Ganzes zu schwächen.»
Die Verfasser kritisieren auch die Berliner Linke-Landesspitze: «Dass sich unsere Berliner Verhandlungsführer*innen diesem Druck von SPD und Grünen gebeugt haben, halten wir für einen schweren politischen Fehler, der schnellstens korrigiert werden muss.» Unter den Unterzeichnern sind auch zahlreiche Linke, die nicht aus Berlin kommen.
Berlins Linke-Landesvorsitzender Max Schirmer reagierte auf die Kritik: «Dass jetzt natürlich bei uns in der Partei lebhaft diskutiert wird, das war uns klar. Das ist auch gut so, weil wir sind eine Partei, die vieles miteinander austragen muss und auch sehr offen miteinander ins Gespräch geht», sagte er. «Wir haben tatsächlich sehr hohe Hürden auch bei uns in der Partei immer diskutiert für eine neue Koalition.»
Linke, Grüne und SPD hatten die Einigung gemeinsam vorgestellt
Grüne und SPD hatten eine Vereinbarung zum Vorgehen gegen Antisemitismus, zum Umgang mit Rassismus und organisierter Kriminalität zur Bedingung für den Beginn von Sondierungsgesprächen zur Bildung einer neuen Landesregierung gemacht. Hintergrund sind mehrere Vorfälle bei der Linken, die Besorgnis auch bei den potenziellen Koalitionspartnern ausgelöst hatten.
Am Donnerstag hatten die Linke-Landeschefin Kerstin Wolter, Grünen-Fraktionschef Werner Graf und der SPD-Landesvorsitzende Steffen Krach die Vereinbarung vorgestellt. Partei- und Fraktionsmitglieder, die gegen die beschlossenen Grundsätze verstoßen, müssen demnach mit dem Ausschluss rechnen. «Über die Konsequenzen entscheidet sie (die betroffene Fraktion) in eigener Verantwortung und kommuniziert ihre Entscheidung transparent», heißt es in der Vereinbarung.
Die Erinnerung an den Holocaust müsse wachgehalten werden, jüdisches Leben müsse gestärkt werden, ebenso die Behörden: «Wir stärken die Polizei und den Verfassungsschutz in ihrem Auftrag, jüdisches Leben in Berlin zu schützen. Sie erhalten die erforderliche Ausstattung und Fachkompetenz, um antisemitische Straftaten und Gefährdungen frühzeitig zu erkennen und zu bekämpfen.»
Linke-Landesvorsitzende Kerstin Wolter sagte bei der Vorstellung der Einigung, Antisemitismus habe in Berlin keinen Platz. Das Existenzrecht Israels sei «unverhandelbar».
Die Sondierungsgespräche haben am Donnerstag begonnen.
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