Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen die russische Invasion. Mit westlicher Hilfe, besonders aus Deutschland, wurde die Flugabwehr modernisiert. Zuletzt klagte Kiew jedoch über einen Mangel an Lenkflugkörpern für das Flugabwehrsystem Patriot zur Abwehr ballistischer Raketen.
«Der Schutz vor ballistischen Raketen ist derzeit eine ständige und oberste Priorität», sagte Selenskyj. «Abfangraketen werden jeden Tag benötigt.» Insgesamt habe Russland in dieser Woche etwa 1.450 Drohnen, mehr als 1.640 Gleitbomben und 99 Raketen und Marschflugkörper eingesetzt. Außenminister Sybiha mahnte, dass kein verbündetes Land die Flugabwehrraketen zurückhalten dürfe, weil die Ukrainer ansonsten dafür mit ihrem Leben bezahlten.
Russland meldet Angriffe auf Logistikzentren
Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, in Kiew seien ein großes Logistikzentrum der Post für die Lagerung von Bauteilen für Waffen sowie mehrere Betriebe für die Produktion von Raketenkomponenten Ziele der Angriffe gewesen. Im Kiewer Gebiet sei ein Zentrum zur Aufbewahrung und Verteilung von Elementen für die Produktion von weitreichenden Drohnen getroffen worden. Unabhängig überprüfbar waren diese Angaben nicht.
Auch die Hafeninfrastruktur im Süden am Schwarzen Meer sei erneut angegriffen worden, teilte das Ministerium in Moskau weiter mit. So seien im Raum Odessa Anlagen für die Lagerung militärischer Güter sowie von den Streitkräften genutzte Treibstoffdepots beschossen worden. Die Ukraine veröffentlicht - wie Russland - keine Informationen zu Schäden an militärisch genutzten Objekten.
Ukrainische Drohnen setzen Ölanlagen in Russland in Brand
Kiew löste indes mit neuen Drohnenangriffen auf Anlagen der russischen Ölindustrie mehrere Großbrände aus. In der südrussischen Region Stawropol gerieten Medien zufolge drei Öldepots in Brand. Gouverneur Wladimir Wladimirow bestätigte, dass im Zuge ukrainischer Drohnenangriffe mehrere Feuer in Industrieobjekten ausgebrochen seien - und es zu Detonationen explosiver Stoffe komme. Es gebe keine Verletzten.
Ukrainische Drohnenangriffe im Schwarzmeer-Hafen von Noworossijsk meldete erneut auch das internationale Kaspische Pipeline-Konsortium. Dort sei ein Terminal bei der Verladung von Öl auf zwei ausländische Tanker beschossen worden, teilte das Unternehmen mit. Auf einem Schiff, das unter der Flagge des westafrikanischen Landes Liberia fahre, sei ein Feuer gelöscht worden. Es gebe keine Verletzten; beide Schiffe seien weiter seetauglich. Das sei bereits der «fünfte Akt der Aggression gegen ein ziviles Objekt» des Konsortiums, teilte das Unternehmen mit.
Die Ukraine zielt auf Anlagen der russischen Ölindustrie, um so auch den für Moskaus Kriegskasse wichtigen Energieexport zu treffen. Präsident Selenskyj hatte am Samstag auch Angriffe auf Logistikzentren des größten russischen Online-Versandhändlers Wildberries bestätigt. Dabei starben mindestens acht Mitarbeiter des Unternehmens. Mehr als 80 weitere Menschen wurden verletzt, wie russische Behörden mitteilten. In den Gebieten Tambow und Moskau kam es zu Großbränden in den Wildberries-Lagern.
Von Andreas Stein und Ulf Mauder, dpa
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