Die Entstehung des Porträts war ein monatelanger Prozess.
Kay Nietfeld/dpa
Die Entstehung des Porträts war ein monatelanger Prozess.
Ex-Kanzlerin im Museum

Merkel leuchtet: Porträt für Kanzlergalerie enthüllt

Mehrere Monate stand Angela Merkel in einem Atelier in Berlin-Mitte immer wieder Modell für ihr offizielles «Staatsporträt». Es sei ein «unvergessliches Erlebnis» gewesen, sagt sie bei der Enthüllung.

Mit entschlossenem, aber auch nachdenklichem Blick, in leuchtend blauem Blazer vor goldbraunem Hintergrund hat sich Angela Merkel für die Porträtgalerie im Kanzleramt malen lassen. Am Abend wurde das Gemälde des deutsch-französischen Künstlers Jérémie Queyras im Berliner Bode-Museum in Anwesenheit der früheren Kanzlerin enthüllt. Im Oktober soll es Regierungschef Friedrich Merz für das Kanzleramt übergeben werden - aber nur als Leihgabe. 

Bis dann soll es auf der Berliner Museumsinsel nur wenige Meter von ihrer Wohnung einem breiten Publikum präsentiert werden. Zur Präsentation im kleinen Kreis kamen eine Reihe früherer Weggefährten Merkels, darunter Ex-Kanzleramtschef Peter Altmaier und die frühere Bildungsministerin Annette Schavan.

Die Ex-Kanzlerin hat sich sehr lange Zeit gelassen, bis sie sich im vergangenen Jahr für den heute erst 28-jährigen Künstler aus einer Freiburger Musikerfamilie entschied. Ihr Ausscheiden aus dem Amt nach 16 Jahren liegt nun schon fast fünf Jahre zurück. «Ich brauchte Abstand», sagt Merkel bei der Enthüllung. Das Porträt sollte kein Punkt auf einer abzuarbeitenden To-Do-Liste werden, «sondern ich wollte Freude an einem solchen Vorgang haben». 

Spuren der Macht im Gesicht der Ex-Kanzlerin

Für den blauen Blazer hat sich Merkel entschieden, weil die Farbe etwas Starkes, Herrschaftliches hat. Deswegen hat sie sich anders als alle ihre sieben Vorgänger auch im Stehen malen lassen - in leichter Überlebensgröße, bis zu den Knien. Auf das Gesicht fällt ein starkes Licht, das die «Spuren der Macht» zur Geltung bringen soll, wie es heißt. Die Hände sind nicht zur Merkel-typischen Raute geformt. Die linke Hand liegt stattdessen auf einer Sessellehne. 

Sie trägt eine Bernsteinkette. Auf dem Tisch neben ihr liegt eine Aktenmappe und ein silberner Würfel, den sie als Kanzlerin gerne drehte und wendete, wenn es knifflig wurde. «In der Ruhe liegt die Kraft», steht auf dem Original. Sie hat ihn aus dem Kanzleramt mit in ihr neues Büro genommen. 

Handschriftliche Bewerbung schon 2022

Der Künstler hatte sich bei Merkel schon 2022 handschriftlich beworben, musste dann aber drei Jahre auf den Auftrag warten. Im April 2025 folgte das erste Gespräch, und ein Prozess begann, der im Frühjahr zum offiziellen «Staatsporträt» Merkels führte. Die Entscheidung für Queyras sei ein «kleines Abenteuer» gewesen, sagt die 71 Jahre alte Ex-Kanzlerin. Immerhin trennten sie mehr als 40 Lebensjahre. Der junge Deutsch-Franzose habe ihr Interesse aber vor allem als «Wanderer zwischen den Welten» geweckt.

Das Projekt habe sein Leben verändert, sagt Queyras bei der Enthüllung. «Ein Porträt wie dieses konnte nur da entstehen, wo Vertrauen herrscht», sagt er. Er habe Merkel als Mensch, aber auch ihrer Amtszeit gerecht werden wollen. Sein Ziel sei es gewesen, sie so zu malen, dass man sie sofort erkennt, aber auch von einer neuen Seite kennenlernt.

Kindheitserinnerungen an das Bode-Museum

Der Raum im Bode-Museum, in dem das Gemälde nun vorübergehend hängt, ist eigentlich der französischen Kunst des 18. Jahrhunderts gewidmet. Ein Gemälde musste für das Merkel-Porträt weichen - aber nur für drei Monate. Der Ort weckt bei Merkel Erinnerungen an die Kindheit. Schon mit 13, 14 war sie dort, hat aus der damaligen Zeit vor allem die Münzsammlung in Erinnerung. Jetzt wohnt sie schräg gegenüber am benachbarten Pergamonmuseum.

Die Idee, mit dem Porträt zunächst ins Bode-Museum zu gehen, hat sie von Helmut Kohl. Der hatte sein Porträt vor 23 Jahren zunächst in der Neuen Nationalgalerie in Berlin präsentiert.

«Da häng' ich dann eben»

Im Kanzleramt wird Merkel ihren Platz neben Gerhard Schröder bekommen, den der inzwischen verstorbene Düsseldorfer Künstler Jörg Immendorff malte - mit viel Gold. Der goldbraune Hintergrund des Merkel-Porträts sei nicht zufällig goldbraun geworden, heißt es mit Blick darauf. 

Dass sie nun zu einem Kunstwerk erstarrt, behagt der einst mächtigsten Frau der Welt offenbar nicht so ganz. «Es ist komisch, wenn man langsam Geschichte wird», sagte sie kürzlich einem «Zeit»-Journalisten, der die Entstehung des Gemäldes begleitete. «Da häng' ich dann eben.»

Scholz hat sich noch nicht entschieden

Neben Merkel gibt es einen weiteren Ex-Kanzler, der noch gemalt werden muss. Olaf Scholz hatte bereits während seiner Amtszeit im April 2024 in einer Fragerunde mit Schülerinnen im Kanzleramt verraten, dass er sich schon Gedanken über den Künstler gemacht habe. Er habe «auch schon eine erste Idee», die er aber nicht ausplaudern wolle, sagte er damals. Entschieden hat er sich nach Angaben seines Büros aber bis heute nicht.

Um sein Porträt unterzubringen, muss aber wahrscheinlich die ganze Galerie neu organisiert werden: Wenn Merkel dort hängt, ist kein Platz mehr. Vorschläge «zu einer alternativen Hängung» der Porträts seien in Prüfung, heißt es dazu aus dem Kanzleramt.

Von Michael Fischer, dpa
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