Trump spricht nach den Schüssen zur Presse.
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Trump spricht nach den Schüssen zur Presse.
Vorfall in Washington

Nach den Schüssen: Kann Trump den Vorfall für sich nutzen?

War es ein versuchtes Attentat auf Trump? Nach den Schüssen in Washington bleiben viele Fragen offen. Trump versucht schon, daraus Kapital zu schlagen. Es wäre nicht das erste Mal.

Nach den Schüssen bei einer Abendveranstaltung mit US-Präsident Donald Trump gewinnt das Rennen um die Deutungshoheit der Ereignisse an Fahrt. Während Trump sich kurz nach den Schüssen zunächst als standfester Staatsmann inszeniert, nutzen seine Republikaner schon die Chance, den Druck auf die Demokraten zu erhöhen. Parteiübergreifend löste der Vorfall Entsetzen aus, aber auch Dankbarkeit für den Einsatz der Sicherheitsleute.

Das Ereignis fällt in eine Zeit, in der Trump innenpolitisch unter Druck steht. Während die Spritpreise steigen und beim Iran-Krieg kein schneller Ausweg in Sicht ist, fallen Trumps Zustimmungswerte auf dem niedrigsten Stand seit Beginn seiner zweiten Amtszeit. Für Trumps Republikaner ist das gefährlich, weil sie bei den Zwischenwahlen im November ihre knappe Mehrheit im Kongress verteidigen wollen.

Expertin: Angriff könnte Trump Rückenwind verleihen

«Wie in vergangenen Fällen ist auch diesmal vorstellbar, dass Trump politisch gestärkt aus dem Attentat hervorgeht», sagte Laura von Daniels, US-Expertin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, der Deutschen Presse-Agentur. Denn gerade die MAGA-Bewegung um den früheren Fox-Moderator Tucker Carlson drohte sich wegen des Iran-Kriegs und der schlechten Wirtschaftsentwicklung von Trump abzuwenden, wie von Daniels erläutert.

Carlson hatte Trump wegen des Iran-Kriegs zuletzt scharf kritisiert. Viele Anhänger der «Make America Great Again»-Bewegung (MAGA) hatten sich von Trump erhofft, dass er den Fokus mehr auf das Inland legen würde.

Bei dem Gala-Dinner mit der Hauptstadtpresse war am Samstagabend (Ortszeit) ein schwer bewaffneter Mann durch eine Sicherheitsschleuse gestürmt und von Sicherheitskräften überwältigt worden. Es fielen Schüsse, der Präsident wurde von seinen Personenschützern in Sicherheit gebracht.

Erinnerung an versuchtes Attentat im Wahlkampf

Es wäre nicht das erste Mal, dass Trump aus einem Angriff Kapital schlagen kann. Bei einem versuchten Attentat vor rund zwei Jahren in Butler im Bundesstaat Pennsylvania schoss ein 20-jähriger Mann auf Trump, erwischte ihn am Ohr und traf einen Zuschauer tödlich. Umzingelt vom Secret Service und mit Blut im Gesicht, reckte Trump daraufhin die Faust in den Himmel, was unter seinen Anhängern als ikonischer Moment gewertet wurde. Im Wahlkampf mit dem Demokraten Joe Biden ließ das seine Zustimmungswerte deutlich steigen.

Trump zeigt sich unerschrocken - und findet einende Worte

Auch am Samstag war Trump um eine schnelle Reaktion bemüht. Nur etwa 30 Minuten nach den Schüssen forderte er, das Dinner zu Ende zu bringen. «Lasst die Show weiterlaufen», teilte er mit. In einer Pressekonferenz später am Abend gab sich Trump dann als einender Staatsmann: «Angesichts der Ereignisse dieses Abends rufe ich alle Amerikaner dazu auf, sich von Herzen dafür einzusetzen, unsere Differenzen friedlich beizulegen.»

Menschen aus verschiedenen politischen Richtungen hätten an diesem Abend zusammengehalten, sagte Trump. «Es herrschte eine unglaubliche Atmosphäre der Liebe und des Zusammenhalts.»

Wie das «Wall Street Journal» kommentierte, ging Trump am Samstag voll in seiner Rolle als Präsident auf. Sein Lob für den Secret Service, seine Forderung nach einer Fortführung: «Er hat erneut bewiesen, dass er in gefährlichen Situationen am besten zur Geltung kommt.»

Keine 24 Stunden später schlug Trump dann wieder schärfere Töne an. Nach einer Zunahme politischer Gewalt gefragt, sagte Trump, das habe es immer gegeben. «Ich glaube allerdings, dass die hasserfüllte Rhetorik der Demokraten weitaus gefährlicher geworden ist. Ich halte das wirklich für sehr gefährlich für das Land.» Trump selbst wird allerdings auch immer wieder vorgeworfen, mit seinen teils extremen Äußerungen zur Polarisierung im Land beizutragen.

Trump nutzt das Momentum für seinen Ballsaal

Zur Überraschung vieler Beobachter setzt Trump den ersten inhaltlichen Akzent in Richtung seines Lieblings-Bauprojekts: dem riesigen Ballsaal. «Mit dem derzeit am Weißen Haus im Bau befindlichen, militärisch streng geheimen Ballsaal wäre dieses Ereignis niemals passiert», schrieb Trump. «Er kann gar nicht schnell genug fertiggestellt werden.». 

Das Prestigeprojekt des Präsidenten könnte ausgebremst werden, weil Denkmalschützer juristisch dagegen vorgehen. Trump hatte für den Bau den historischen Ostflügel des Weißen Hauses abreißen lassen. Die Denkmalschützer warnen, das neue Gebäude könnte das Weiße Haus daneben klein wirken lassen.

Am Sonntag veröffentlichte der geschäftsführende Justizminister Todd Blanche dann ein Schreiben, in dem sein Ministerium die Klägerseite dazu auffordert, ihre Klage zurückzuziehen - und begründete das mit den Schüssen vom Vorabend. Alternativ werde die Regierung beantragen, das Verfahren wegen «außergewöhnlicher Umstände» einzustellen. «Einfach ausgedrückt: Ihre Klage bringt das Leben des Präsidenten, seiner Familie und seiner Mitarbeiter in große Gefahr», argumentierte er.

Erste Details zu möglichem Motiv des Angreifers 

Weitere Angriffsfläche für Trumps Republikaner könnten zudem Details zum Tatverdächtigen bieten. Laut Medienberichten handelt es sich um einen 31-jährigen Mann aus Kalifornien, der an trumpkritischen «No Kings»-Protesten teilnahm. Außerdem habe er 2024 etwas Geld für die damalige demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris gespendet.

Von Jan Christoph Freybott, dpa
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